Ukrainische Drohnen gegen russische Artillerie
Startseite Politik Geheim-Operation „Auchan“: Ukrainische Zivilisten-Einheit wird zum Schreckgespenst für russische Artillerie Von: Tim Krüger Uns auf Google folgen Eine Spezialeinheit der ukrainischen Nationalgarde hat in nur zwei Tagen russische Artillerie in einem bislang unbekannten Ausmaß ausgeschaltet. Innerhalb von nur zwei Tagen hat eine ukrainische Eliteeinheit im Juni 2026 mehr als 230 russische Artilleriesysteme angegriffen und dabei 171 davon zerstört. Die Operation, die nun unter dem Namen „Auchan“ öffentlich gemacht wurde, markiert einen der bislang konzentriertesten Drohnenangriffe auf russische Waffensysteme seit Beginn des Krieges. Ermöglicht wurde die Operation durch eine eigens entwickelte Spezialmunition, deren technische Details die ukrainische Seite bewusst zurückhält. Hinter dem Angriff steht die Lasar‘s Group, eine Sondereinheit der ukrainischen Nationalgarde, die 2022 von Pawlo Jelisarow gegründet wurde – einem früheren Fernsehproduzenten und Unternehmer. Die Einheit beschäftigt nach eigenen Angaben zu mehr als 98 Prozent Zivilisten und setzt auf industrialisierte Drohnenoperationen statt auf klassische Militärstrukturen. Kiews Behörden schreiben ihr bislang die Vernichtung russischen Kriegsgeräts im Wert von rund 15 Milliarden US-Dollar zu. Wie die Lasar’s Group die russische Artillerie ins Visier nahm Für die zweite Phase der Operation Auchan wurden mehr als 800 Drohnen an der Ost- und Südfront eingesetzt. Die Ziele wurden bewusst ausgewählt: Analysten der Lasar‘s Group werteten zuvor große Mengen gesammelter Geheimdienstinformationen aus und koordinierten die Einsatzplanung mit mehreren weiteren Einheiten, darunter der 412. Separaten Brigade für unbemannte Systeme NEMESIS. Das Ergebnis: 231 feindliche Artilleriesysteme wurden getroffen, 171 davon nach ukrainischen Angaben vollständig zerstört – was nach eigener Einschätzung dem Äquivalent von zehn bis vierzehn Artilleriebataillonen entspricht, also etwa drei Artilleriebrigaden. Eine entscheidende Rolle spielte dabei eine neu entwickelte Spezialmunition. Der Gefechtskopf wurde von den Ingenieuren der Lasar‘s Group eigens für diesen Einsatzzweck konstruiert und zielt darauf ab, Haubitzen durch gezielte Zerstörung des Geschützrohres dauerhaft außer Gefecht zu setzen. Veröffentlichte Drohnenaufnahmen zeigen, wie Quadkopter über getarnten Artilleriestellungen operieren, bevor es zu Explosionen kommt. Eine unabhängige Verifikation der Aufnahmen durch externe Stellen war bislang nicht möglich. Die Nationalgarde der Ukraine erklärte auf Anfrage lediglich, alle veröffentlichungsfähigen Informationen seien bereits kommuniziert worden. Operation Auchan: Zwei Phasen, 1.180 getroffene Ziele Die nun vom ukrainischen Verteidigungsministerium enthüllte zweite Phase der Operation folgte einer ersten im Jahr 2025. Damals hatten ukrainische Drohneneinheiten innerhalb von drei Tagen 949 russische Ziele angegriffen, mit dem erklärten Ziel, Moskau zum Rückzug schweren gepanzerten Geräts aus einer mechanisierten Offensive zu zwingen. Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow erklärte, diese Strategie habe den russischen Angriff für sechs Monate zum Erliegen gebracht. Über beide Phasen hinweg wurden nach offiziellen ukrainischen Angaben insgesamt 1.180 Ziele in fünf Tagen getroffen. Fedorow unterstrich dabei die militärische Bedeutung der Artilleriebekämpfung: Zehn bis zwanzig Prozent aller ukrainischen Gefallenen an der Front gehen demnach auf russischen Artilleriebeschuss zurück. Das Ausschalten russischer Geschützsysteme hat damit nicht nur taktischen, sondern unmittelbar lebensrettenden Wert für die eigenen Truppen. Die Zahlenrelation verdeutlicht zudem das Tempo des Angriffs: Die Streitkräfte für unbemannte Systeme der Ukraine hatten im gesamten Juni 417 Haubitzen und 57 weitere Artilleriesysteme durch sechzehn ihrer besten Einheiten getroffen – die Lasar‘s Group erzielte vergleichbare Zahlen allein in zwei Tagen. Drohnenkrieg als strategisches Kernelement der ukrainischen Verteidigung Der Einsatz steht exemplarisch für eine grundlegende Transformation der ukrainischen Kriegsführung. Hatte die Ukraine zu Beginn des russischen Angriffskrieges noch mit massiver Artillerieüberlegenheit des Gegners zu kämpfen, hat sie diesen strukturellen Nachteil durch den gezielten Aufbau von Drohnenkapazitäten schrittweise kompensiert. Das Verteidigungsministerium meldete, ukrainische Drohnenpiloten hätten in der ersten Jahreshälfte 2026 Angriffe auf über 800.000 russische Ziele verzeichnet – annähernd doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte im Juni, die Ukraine peile für das Gesamtjahr 2026 eine Eigenproduktion von zehn Millionen Drohnen an, gegenüber vier Millionen im Jahr 2025. Gezielte Drohnenschläge waren essenziell für Erfolge bei Angriffen auf die russische Schattenflotte im Asowschen Meer, was den Druck auf die besetzte Krim weiter erhöhte. Dabei wird Russlands großes Territorium zunehmend zum Problem, was die Verteidigung gegen die Drohnenschwärme der Ukraine angeht.