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Ukrainische Gegenoffensive im Donbass: „Operation Vivaldi“ bringt Russland aus dem Takt

Welt

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die Ukraine in den vergangenen Monaten signifikante Erfolge an der Kriegsfront im Donbass erzielt. Die „Operation Vivaldi“, deren Details nach ihrem Ende jetzt erst öffentlich werden, hat nach Einschätzung des US-amerikanischen Institute for the Study of War das russische Kriegsziel, den gesamten Donbass zu erobern, vorerst vereitelt.

Die Operation spielte sich nördlich der Kleinstadt Lyman ab, ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt im Norden des Gebiets Donezk mit knapp 30.000 Einwohnern zu Friedenszeiten. Wer Lyman kontrolliert, beherrscht die Verkehrswege der Region. Zu Beginn der russischen Großinvasion 2022 war Lyman ein gutes halbes Jahr lang russisch besetzt, aber im Zuge der ersten großen ukrainischen Gegenoffensive im Herbst 2022 konnte die Stadt befreit werden. Die Front stabilisierte sich danach in diesem Bereich etwa entlang des Flusses Scherebez.

Ab Herbst 2024 überquerten russische Einheiten den Fluss wieder, setzten sich am Westufer fest und drangen Ende 2025 bis an den Stadtrand von Lyman vor. Infiltrationen in den hügligen Wäldern ringsum drohten den ukrainischen „Festungsring“ um die Donbass-Städte Slowjansk, Kramatorsk und Konstantinywka von Norden her, also von hinten, aufzurollen.

Lyman im Norden und Dobropillja im Süden sind die beiden logistisch wichtigsten Orte, deren Kontrolle darüber entscheidet, ob diese letzte und wichtigste ukrainische Verteidigungslinie im Donbass hält oder in die Zange genommen werden kann. Fallen Lyman und Dobropillja beide, fällt der Donbass.

Immense strategische Bedeutung

Der Nordteil der Zange ist nun Geschichte. Die „Operation Vivaldi“, begonnen im Mai, hat erst die russischen Truppen aus dem Umland von Lyman zurückgedrängt und dann das gesamte Gebiet westlich des Flusses Scherebez von russischen Truppen geräumt, mit Vorstößen von teilweise über 20 Kilometern und präzisen Schlägen gegen die russische Logistik im Hinterland. Am Montag bestätigte das ukrainische Militär, auf breiter Front den Fluss und damit das Hauptziel der „Operation Vivaldi“ erreicht zu haben. Die Befreiung von bis zu 300 Quadratkilometern und zahlreicher weitgehend zerstörter Dörfer fällt von der Fläche her wenig ins Gewicht, aber das Zurückdrängen der Russen hinter den Fluss und damit der Stopp einer ihrer zentralen Offensivlinien ist von immenser strategischer Bedeutung.

Offiziell bestätigt wurde die Operation erst im September – wohl auch, damit man in Moskau darauf nicht aufmerksam wird und keine Verstärkung schickt, weil russische Frontkommandeure sich oft scheuen, ihre Misserfolge nach oben zu melden. Frühere ukrainische Gegenoffensiven scheiterten oft daran, dass Russland sich rechtzeitig darauf einstellen konnte. Dieser Fehler wurde jetzt nicht wiederholt.

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