Ulmer Familienvater in der Türkei verhaftet
Eigentlich war Ferdi Soylu mit seiner Familie zum Urlaub in der Türkei. Der 46-jährige IT-Ingenieur wollte seine Eltern besuchen. An der Grenze zur Türkei wird ihm dann aber gesagt: In einer Woche muss er sich zu einer Befragung durch einen Staatsanwalt in Ankara melden. Als er das tut, wird er verhaftet. So erzählt sein jüngerer Bruder Sebahattin Soylu die Geschichte. Zuerst hatte die "Südwest Presse" berichtet.
Vorwurf: Mitgliedschaft in terroristischer Vereinigung
Ferdi Soylu, inzwischen in Haft, soll Mitglied in einer terroristischen Vereinigung sein, so lautet der Vorwurf der türkischen Staatsanwaltschaft nach Schilderungen des Bruders. Konkret gehe es um eine Mitgliedschaft im Bildungsverein FEZA in Ulm. Dieser soll der Gülen-Bewegung nahestehen. Die Bewegung wird von der Regierung für einen Putschversuch 2016 in der Türkei verantwortlich gemacht.
Eine Mitgliedschaft in dem Verein habe sein Bruder aber gar nicht gehabt, erklärt Sebahattin Soylu. Sein älterer Bruder habe lediglich seine Tochter für einige Zeit dort zur Nachhilfe hingeschickt. Das sei 2012 gewesen, also vor 14 Jahren.
Familie von Ferdi Soylu wieder in Deutschland
Warum Ferdi Soylu genau jetzt verhaftet worden ist, weiß auch sein Bruder Sebahattin nicht. Er sei in den letzten Jahren mehrmals in der Türkei gewesen, erst vergangenen November zum Beispiel. "Und jetzt auf einmal bekommen wir diesen Vorwurf. Von wem das kommt, wissen wir nicht."
Die Frau und vier Kinder von Ferdi Soylu sind mittlerweile wieder in Deutschland. "Wir hatten Angst, dass es gegen die Familie auch irgendwelche Vorwürfe geben könnte", erklärt Sebahattin Soylu. "Deswegen habe ich versucht, schnellstmöglich die Familie rauszubringen."
Dazu ist er nach Sofia in Bulgarien gefahren, um sich dort mit der Familie zu treffen und sie nach Hause zu begleiten. Rund 40 Stunden habe die Fahrt gedauert.
Ulmer Bundestagsabgeordneter Marcel Emmerich schaltet sich ein
Von der Botschaft und dem Auswärtigen Amt in Deutschland fühlt sich die Familie ein Stück weit allein gelassen. Vor allem, weil sein Bruder deutscher Staatsbürger sei. "Niemand hat die Familie meines Bruders gefragt, wie es ihnen geht, was sie machen, ob sie was brauchen. Das hat uns total enttäuscht", erklärt Sebahattin Soylu.
Deshalb hat er sich an mehrere Abgeordnete gewandt, unter anderem an Marcel Emmerich, den Ulmer Bundestagsabgeordneten der Grünen. Der Politiker hat nach eigenen Angaben inzwischen mit dem Auswärtigen Amt und der Deutschen Botschaft Kontakt aufgenommen.
Er habe "eingefordert, dass die deutsche Bundesregierung gegenüber den türkischen Behörden klar machen muss, dass es ein rechtsstaatliches und faires Verfahren braucht", erklärte Emmerich dem SWR. Der Fall sei dem Auswärtigen Amt bekannt und werde vor Ort konsularisch betreut. "Wir haben es hier mit einem deutschen Staatsbürger zu tun, der in der Türkei in Haft ist", so Marcel Emmerich weiter.