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Um 19.50 Uhr unterbricht Helge Schneider den Auftritt und verschwindet: „Ich habe keine Lust mehr“

Unterhaltung

War es Zufall oder hat er‘s geahnt? Wie auch immer, Stefan Powolny ist der Mann für schwierige Fälle. Vor dem Auftritt des Entertainers Helge Schneider freute sich der Geschäftsführer der Landesgartenschau GmbH über rund 10.000 Besucher am Donnerstag. Mindestens 6.000 seien noch da: „46 Tage noch ein Gefühl, als seien wir gemeinsam im Urlaub.“

Jeden Auftritt habe das Publikum gefeiert. Für viele sei das Konzert mit Helge Schneider das Highlight schlechthin. Gestern schon sei Schneider angereist, habe „bei Asma“ ein Rotochsenbier getrunken und sei also und wegen seiner Erfahrung im Garten- und Landschaftsbau prädestiniert für ein Konzert auf der Sparkassen-Heimatbühne.

Schneider bricht kurz nach Beginn ab

So weit, so gut. Wenige Minuten nach 19.30 Uhr erschien der sehnsüchtig Erwartete im lachsfarbenen Pullover mit Band und Butler und verblüffte mit der Ankündigung: „Um neun geht’s los.“ Erstmal labte er sich an einer von Bodo Oesterling, Teekoch und Faktotum seit 1994, kredenzten Tasse Pfefferminztee und stimmte das erste Lied an: „Ich stand auf der Straße.“

Dann passierte es. „Lauter!“-Rufe aus den hinteren Reihen und Feedbacks der Tonanlage verstörten den Meister derart, dass er erklärte, hier seien zu viele Menschen: „Eigentlich möchte ich jetzt weiterfahren und auf die Gage verzichten. Ich habe keine Lust mehr.“ Sprach's, verschwand um 19.50 Uhr mitsamt Band und Butler. Das Publikum stand zwar nicht auf der Straße, aber ratlos auf dem Schlauch.

Powolny bietet um Ruhe im Publikum

Dann wieder Powolny mit der tröstlichen Botschaft: „Helge ist noch da.“ Mit Zwischenrufen aber komme er nicht „in den Flow“: „Wir haben die Wahl zwischen einem stillen Abend mit Helge Schneider oder keinem Abend mit ihm.“ Mucksmäuschenstille, zweiter Auftritt Helge mit Band und Butler, Lied, Pfefferminztee.

Und dann war er da, der Flow, und floss anderthalb Stunden unverdrossen, auch wenn sich der Titel der Show, „Ellebogen vom Tich“, nicht ganz erschloss. Egal. Gut gelaunt gab Schneider Lieder wie „Tanz auf dem Vulkan“ mit prononciertem V und „Käsebrot“ zum Besten und ließ sich zum Mundharmonikasolo hinreißen: „Nicht so gut, aber der Wille ist da.“ Spätestens bei „Gefunkt“ stimmte die Chemie zwischen dem Schalk auf der Bühne und seinen Fans, die den legendären Song „Katzeklo“ textsicher mitsangen. Der werde sogar in Japan gesungen, mit anderem Text, anderer Melodie, anderem Rhythmus, verstehe sich.

Im chinesischen Rothenburg ob der Tauber sei er gewesen, ließ Schneider wissen, direkt am Jangtse „und anderen „...tse.“ Lieder wie „Wenn ich dich nicht halten kann“, „Texas“ und „Love on the Cordcouch“ mit Elfriede machten Freude. Herrlich makaber die Ballade von Meisenmann und Adler, dessen Kinder mit einem vor Ökoeltern geretteten, sprich, geklauten Baby Fliegen lernen. An der eigens mitgebrachten Orgel intonierte Schneider „She’s gone.“ Für den Gitarristen Sandro Giampietro gab’s ein Geburtstagsständchen.

Schneider zeigt sein Können als Musiker

Überhaupt die Band. Erstklassig. Neben Giampietro beeindruckten Leo Richartz am Kontrabass und Thomas Alkier an den Drums. Und auch er selbst, der Helge, ist am besten, wenn er Musik macht. Trommelsolo zu „Nackt am Strand“ – olé –, die schmetternden „Trompeten von Mexiko“ und hinreißende Jazzstandards wie Erroll Garners „Misty“ mit Helge himself am Altsaxofon zeigten ihn als das, was er ist: ein exzellenter Musiker. Das blödelnde Drumherum bräuchte es nicht.

Als Zugabe dann eine virtuos aus dem Ärmel geschüttelte Ellwangen-„Hymne“, Lobgesang auf die „kommende Stadt“ und das „Paris Schwedens, Korrektur, Schwabens“: „Eines Tages spricht man nicht mehr von New York…“. Ellwangen, was willst du mehr.

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