„Um sie zu entpersonalisieren“: Russland tätowiert seine Söldner jetzt offenbar mit „Inventarnummern“
Das russische Militär soll seine ausländischen Söldner und Kämpfer im andauernden Ukraine-Krieg mit fortlaufenden Nummern kennzeichnen. Das geht aus einem Bericht des ukrainischen Militärgeheimdienstes (GUR) hervor, der am Montag via Telegram veröffentlicht wurde. „Russland kennzeichnet ausländische Söldner der Besatzungsarmee, um die Kontrolle zu verstärken und sie zu entpersonalisieren“, heißt es in der Mitteilung. Demnach nutze das Militär ein System von fortlaufenden „Inventarnummern“, die auf die Ausrüstung oder die Haut aufgebracht werden. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben nicht. Wie werden Russlands Kämpfer gekennzeichnet? Der Militärnachrichtendienst schreibt dazu: „Die Markierung wird mit dauerhaften Farben – Henna oder Jagua – angebracht, sodass diese Markierungen wochenlang halten und sich nicht mit Wasser und Seife abwaschen lassen. Wenn die Markierung verblasst und kaum noch sichtbar ist, wird sie erneuert.“ Normalerweise greife man demnach zur Identifikation auf feuer- und wasserfeste Metallmarken zurück, die eine Personenkennziffer enthalten und an einer Kette um den Hals getragen werden. Bei Henna- oder Jagua-Farbstoffen handelt es sich um pflanzliche Farbstoffe, die für temporäre Tattoos verwendet werden und je nach Zusammensetzung ein bis drei Wochen halten. Während Hennafarbe auf der Haut rötlich bis bräunlich erscheint, färbt Jagua-Gel aus dem Saft der südamerikanischen Genipa-Americana-Frucht die Haut in ein tiefes Dunkelblau bis Schwarz. Der ukrainische Blogger und ehemalige Berater des ukrainischen Innenministeriums Anton Gerashchenko postete via X Videos, die zwei russische Kämpfer zeigen sollen, die von ukrainischen Streitkräften in der Region Saporischschja gefangen genommen worden seien. Die beiden Männer berichten, vor laufender Kamera, dass sie sich während ihrer unzureichenden Ausbildung ihre Dienstnummern hätten tätowieren lassen müssen. Dies sei „ein obligatorischer Vorgang gewesen, dem man sich nicht entziehen könne“. Einer der Männer berichtete: „Als wir auf dem Truppenübungsplatz ankamen und zum Ausfüllen der Formulare geführt wurden, wurden wir nacheinander aufgerufen, damit sie uns unsere Dienstnummern auf Brust und Beine tätowieren konnten. Sie erklärten uns, dass dies ein obligatorischer Vorgang sei, dem man sich nicht entziehen könne.“ Der andere Mann erklärte: „Lasst euch diesen Mist nicht tätowieren. Verschwindet von dort und denkt nicht einmal daran, es euch tätowieren zu lassen. Das ist eine Straße ohne Wiederkehr. Niemand kommt zurück.“ Im Video ist auf seiner Brust ist einer Nummer zu sehen. Ob die beiden Männer tatsächlich vom russischen Militär ausgebildet und permanent tätowiert wurden, wer sie sind und wann die Videos aufgenommen wurden, lässt sich nicht unabhängig überprüfen. Wozu dienen Russlands „Inventarnummern“? Der Militärgeheimdienst mutmaßt, dass Russland seine ausländischen Kämpfer durchnummeriert, um einerseits stetige Kontrollen zu erleichtern. Demnach seien Fälle dokumentiert worden, in denen die russische Polizei insbesondere „ausländische Staatsangehörige, wie etwa Studenten oder Gastarbeiter, angehalten und auf das Vorhandensein solcher Nummern überprüft hat“. Im GUR-Bericht heißt es weiter: „Auf diese Weise suchen die Sicherheitskräfte nach Deserteuren.“ Darüber hinaus diene die Markierung wohl dazu, die Kämpfer „zu entpersonalisieren“, so der Geheimdienst. Mithilfe der Kennzeichnung könne Moskau „die Leichen der getöteten Ausländer als ‚Unbekannte‘ auf dem Schlachtfeld zurücklassen, sie als ‚Vermisste‘ deklarieren und sich den Entschädigungszahlungen entziehen“, die aktuell wohl vornehmlich an betroffene Familien in Afrika und Asien getätigt werden. „Das tatsächliche Ausmaß der Verluste wird dadurch verschleiert“, berichtet die GUR. Ukraine-Geheimdienst zieht historischen Vergleich „Das System erinnert an die Praktiken in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern, wo den Häftlingen eine Nummer zugewiesen wurde, um ihre Persönlichkeit, ihren Namen und ihren Rechtsstatus auszulöschen“, kritisiert der ukrainische Geheimdienst. Damit mache Russlands Armee seine „ausländischen Söldner faktisch zu einer Kriegsware – in Form von durchnummerierten Angriffseinheiten“. Den Angaben zufolge wolle die GUR sämtliche dokumentierte Daten und Fotos an ausländische Partner und Strafverfolgungsbehörden weiterleiten, damit die Informationen „in die Akten künftiger internationaler Tribunale gegen die militärisch-politische Führung des Angreiferlandes aufgenommen werden können“. Russland soll Kämpfer aus 135 Ländern rekrutiert haben Ende März berichtete der ukrainische Koordinierungsstab für den Umgang mit Kriegsgefangenen, dass Russland neuesten Schätzungen zufolge 27.407 ausländische Staatsbürger aus 135 Ländern für den Angriffskrieg gegen die Ukraine rekrutiert habe.