UN-Bericht: Rückgang der Kindersterblichkeit gerät ins Stocken
Berlin. Im Jahr 2024 sind weltweit schätzungsweise 4,9 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag gestorben. Darunter waren 2,3 Millionen Neugeborene, die den ersten Lebensmonat nicht überlebten. Das geht aus einem aktuellen Bericht der UN Inter-Agency Group for Child Mortality Estimation (UN IGME) hervor, der unter Federführung des Kinderhilfswerks UNICEF veröffentlicht wurde. Die Zahlen markieren einen historischen Tiefstand. Gleichzeitig warnen die Vereinten Nationen, dass die Fortschritte im Kampf gegen die Kindersterblichkeit sich deutlich verlangsamen. Nach Angaben von UNICEF hat sich die weltweite Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren seit dem Jahr 2000 mehr als halbiert. Die absolute Zahl der Todesfälle sank von 12,5 Millionen im Jahr 1990 auf 4,9 Millionen im Jahr 2024. Impfprogramme, eine bessere Versorgung während Schwangerschaft und Geburt sowie Fortschritte bei der Behandlung von Infektionskrankheiten haben zu diesem Rückgang beigetragen. Fortschritte bei der Senkung der Kindersterblichkeit verlangsamen sich Laut UNICEF hat sich der Rückgang der Kindersterblichkeit seit 2015 erheblich verlangsamt. Gleichzeitig geraten viele Gesundheitssysteme durch Konflikte, wirtschaftliche Krisen und sinkende internationale Hilfsgelder unter Druck. Die Vereinten Nationen sehen darin eine Gefahr für die bislang erzielten Erfolge. Nach Angaben des Berichts sterben weltweit weiterhin etwa neun Kinder pro Minute, bevor sie das fünfte Lebensjahr erreichen. Die meisten dieser Todesfälle wären nach Einschätzung der Vereinten Nationen vermeidbar. Bereits kostengünstige Maßnahmen wie Impfungen, die Behandlung von Mangelernährung, eine bessere Betreuung rund um die Geburt und ein verlässlicher Zugang zur medizinischen Grundversorgung könnten Millionen Kinderleben retten. Fast die Hälfte aller Todesfälle unter Fünfjährigen entfiel im Jahr 2024 auf die ersten 28 Lebenstage. Die Neugeborenensterblichkeit bleibt damit eine der größten Herausforderungen der globalen Gesundheitspolitik. Nach Angaben von UNICEF sterben täglich rund 6.200 Neugeborene innerhalb ihres ersten Lebensmonats. Häufige Ursachen sind Komplikationen durch Frühgeburten, Probleme während der Geburt, schwere Infektionen und angeborene Fehlbildungen. Große regionale Unterschiede bei den Überlebenschancen Der Bericht zeigt erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Weltregionen. Besonders hoch ist die Kindersterblichkeit in Ländern südlich der Sahara. Im Jahr 2024 entfielen 58 Prozent aller Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren auf Subsahara-Afrika. Dort starben mehr als die Hälfte der Kinder an den häufigsten Infektionskrankheiten wie Lungenentzündung, Malaria, Durchfallerkrankungen, Sepsis, Tuberkulose, Masern, HIV/AIDS oder Tetanus. Auch Südasien bleibt stark betroffen. Dort wurden 25 Prozent aller Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren registriert. Dagegen entfallen auf Europa und Nordamerika zusammen lediglich 1,1 Prozent der weltweiten Todesfälle in dieser Altersgruppe. Die Daten verdeutlichen nach Einschätzung der Vereinten Nationen, wie eng die Überlebenschancen von Kindern mit dem Zugang zu Gesundheitsversorgung und den allgemeinen Lebensbedingungen verknüpft sind. Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren weltweit rund zehnmal höher als in Deutschland Nach Angaben von UNICEF lag die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren in Deutschland im Jahr 2024 bei 3,7 Todesfällen pro 1.000 Lebendgeburten. Weltweit betrug die Rate 37,4 Todesfälle pro 1.000 Lebendgeburten. In Subsahara-Afrika lag sie mit 69 Todesfällen pro 1.000 Lebendgeburten fast 19-mal höher als in Deutschland. Kinder in fragilen und konfliktbetroffenen Staaten tragen ein besonders hohes Risiko. Laut UNICEF ist die Wahrscheinlichkeit, vor dem fünften Geburtstag zu sterben, in diesen Ländern nahezu dreimal so hoch wie in stabileren Regionen. Kriege, Vertreibung und die Zerstörung von Gesundheitseinrichtungen erschweren dort die Versorgung von Müttern und Kindern erheblich. Mangelernährung und Infektionskrankheiten bleiben zentrale Ursachen Zu den wichtigsten Ursachen der Kindersterblichkeit zählen weiterhin Infektionskrankheiten und Mangelernährung. Der aktuelle UN-Bericht enthält erstmals detaillierte Schätzungen zu Todesfällen infolge schwerer akuter Mangelernährung. Demnach starben im Jahr 2024 mehr als 100.000 Kinder unter fünf Jahren direkt an den Folgen schwerer Unterernährung. Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, da Mangelernährung auch zahlreiche andere Erkrankungen begünstigt und dadurch indirekt zum Tod vieler Kinder beiträgt. Lungenentzündungen, Durchfallerkrankungen und Malaria gehören weiterhin zu den häufigsten vermeidbaren Todesursachen. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass sich die Todesursachen mit zunehmendem Alter verändern. Selbstverletzung die häufigste Todesursache bei Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren Der Bericht enthält erstmals Schätzungen zur Sterblichkeit in der Altersgruppe der 5- bis 24-Jährigen. Im Jahr 2024 starben weltweit schätzungsweise 2,1 Millionen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in dieser Altersgruppe.