Unerwarteter Trend: Überraschung bei US-Beschäftigungszahlen
Auch Löhne enttäuschen Zahl der Beschäftigten in den USA sinkt überraschend Von t-online 07.08.2026 - 16:49 UhrLesedauer: 3 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Die neuen Arbeitsmarktdaten in den USA enttäuschen. Jetzt sinken die Erwartungen an eine Zinserhöhung der US-Notenbank, der Dax stieg dafür auf ein Rekordhoch. In den USA hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Juli überraschend deutlich verschlechtert. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft sank um 23.000, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt 80.000 neue Stellen erwartet. Zuletzt war die Beschäftigtenzahl im Februar gesunken. Auch die beiden Vormonate fielen schwächer aus als bisher bekannt. Für Mai und Juni revidierte das Ministerium den Beschäftigungsaufbau um insgesamt 103.000 Stellen nach unten, damit entstanden in beiden Monaten zusammen nur 83.000 Jobs. Stellen fielen im Juli vor allem in der öffentlichen Bildung auf lokaler Ebene und im Einzelhandel weg. Zusätzliche Arbeitsplätze entstanden bei Gesundheits- und Sozialdienstleistungen, allerdings in geringerem Umfang als zuvor. Die Arbeitslosenquote fiel dennoch um 0,1 Prozentpunkte auf 4,1 Prozent; Volkswirte hatten einen unveränderten Wert von 4,2 Prozent erwartet. Insgesamt waren im Juli 6,9 Millionen Menschen in den USA arbeitslos. Hinter dem Rückgang steht, dass sich viele Menschen ganz vom Arbeitsmarkt zurückgezogen haben. Die Erwerbsquote der Menschen im arbeitsfähigen Alter ging seit Jahresbeginn um 0,7 Prozentpunkte zurück, unter anderem weil Trumps Politik die Zuwanderung verringert hat. Löhne steigen kaum noch Auch die Löhne legten schwächer zu als erwartet. Zum Vormonat stiegen sie um 0,1 Prozent, im Jahresvergleich um 3,2 Prozent. Experten hatten hier mit 3,5 Prozent gerechnet. Dirk Chlench, Volkswirt der LBBW, nannte die Zuwächse bei den Stundenlöhnen "äußerst bescheiden". Der Bericht sei "in nahezu allen Belangen enttäuschend" gewesen, erklärte er. Analysten der Commerzbank sprachen von einer "kalten Dusche". Thomas Altmann von QC Partners verwies auf die Korrektur der Vormonate: "Das ist die größte Negativ-Revision seit 12 Monaten." Zinserhöhung rückt in die Ferne Für die Geldpolitik der Fed spielt der Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle, weil die Notenbank für Vollbeschäftigung und stabile Preise sorgen soll. Zuletzt hatte sie den Leitzins unverändert in der Spanne zwischen 3,50 und 3,75 Prozent gehalten. Angesichts der hartnäckig hohen Inflation hatten sich in der Fed zuletzt die Rufe nach einer Zinserhöhung gemehrt. Notenbankchef Kevin Warsh hielt sich zum weiteren Kurs bedeckt. Nach den neuen Daten schwächte sich die Spekulation auf einen Zinsschritt nach oben ab. Die Chance auf eine Erhöhung im September schätzen die Finanzmärkte nun auf etwa 44 Prozent, zuvor waren es 59 Prozent. Christoph Balz, Volkswirt der Commerzbank, erklärte: "Aus Sicht der US-Notenbank sind zwar vermutlich die Verbraucherpreise wichtiger. Aber der heutige Bericht stützt zumindest unsere Einschätzung, dass die Fed die Zinsen entgegen den Marktspekulationen nicht anheben wird." Die Zahlen kommen wenige Monate vor den US-Zwischenwahlen im November. Präsident Donald Trump dringt auf niedrigere Zinsen und braucht dafür gute Wirtschaftsdaten. Seit seinem erneuten Amtsantritt im Januar 2025 hatte sich die Beschäftigungslage zunächst verschlechtert, die Arbeitslosenquote stieg zwischenzeitlich auf das höchste Niveau seit der Corona-Pandemie. Experten führten das unter anderem auf die Unsicherheit durch seine Zollpolitik zurück, aber auch auf den Abbau von Arbeitsplätzen durch Künstliche Intelligenz. An den Aktienmärkten beschleunigten die Daten den Kursanstieg, weil viele Anleger nun auf stabile Zinsen setzen und eine straffere Geldpolitik in weiterer Ferne sehen. Der Dax stieg am Freitagnachmittag um 1,2 Prozent auf ein Rekordhoch von 26.445,18 Punkten, auch die US-Futures bauten ihre Gewinne aus. Der Dollar geriet unter Druck: Der Euro legte ein halbes Prozent auf 1,1576 Dollar zu. Der Goldpreis stieg um drei Prozent.