Unfälle wegen Zeitdruck: Peking stoppt für Essenslieferanten an roten Ampeln die Uhr
Viele Menschen in China verdienen ihren Lebensunterhalt als Essenskuriere. Wie viele es genau sind, ist nicht bekannt. Schätzungen gehen aber von einer Zahl von bis zu zehn Millionen Menschen aus. Ihr Arbeitsalltag wird im Wesentlichen von Algorithmen gesteuert: Die Systeme teilen Bestellungen zu, berechnen Routen und legen fest, bis wann das Essen ankommen soll. Bislang lief die Uhr auch an roten Ampeln weiter. Manche Fahrer versuchen daher, durch zu schnelles Fahren oder Verkehrsverstöße Zeit aufzuholen. Mit einer ungewöhnlichen Regel wollen Pekings Behörden und die großen Lieferplattformen den Zeitdruck für Essenskuriere senken: Wartezeiten an roten Ampeln werden künftig gutgeschrieben. Die Technik soll helfen, den von ihr mit verursachten Zeitdruck zu lindern: Wie die Pekinger Marktaufsicht mitteilte, verständigten sich drei große Lieferplattformen bei Gesprächen mit Behörden und Fahrervertretern darauf, die Wartezeit an roten Ampeln künftig automatisch aus der für die Bewertung der Fahrer maßgeblichen Lieferzeit herauszurechnen. Zudem wollen die Plattformen die Lieferzeiten neu berechnen. Dabei soll eine durchschnittliche Geschwindigkeit von höchstens 15 Kilometern pro Stunde zugrunde gelegt werden. Bei schlechtem Wetter und schwierigen Verkehrsverhältnissen sollen die Fahrer mehr Zeit bekommen. Auch bei weitergegebenen Aufträgen soll die dem neuen Fahrer zur Verfügung stehende Zeit verlängert werden. In Chinas Großstädten liefern Millionen Menschen Essen und andere Waren aus. Für viele hängt der Verdienst stark von der Zahl der erledigten Aufträge ab. Direkte Abzüge wegen verspäteter Lieferungen wurden inzwischen weitgehend abgeschafft oder zurückgedrängt. Fahrer berichten jedoch weiterhin von hohem Zeitdruck und der Angst vor schlechteren Bewertungen.