Uni feierte ihn als jüngsten schwarzen Professor – nun tritt er nach Plagiatsvorwürfen zurück
Audioplayer wird geladen Anzeige Der britische Soziologe Jason Arday, der als jüngster schwarzer Professor in der Geschichte der Universität Cambridge gefeiert wurde, ist zurückgetreten. Er gab seine Entscheidung am Mittwochabend bekannt, wenige Stunden nachdem die Universität eine Untersuchung zu seinen akademischen Qualifikationen und Ehrenämtern eingeleitet hatte. Arday war bei seiner Ernennung 2023 erst 37 Jahre alt. Vorausgegangen waren wochenlange Vorwürfe wegen Plagiaten in seinen wissenschaftlichen Arbeiten sowie Fragen zu seinen Angaben über sportliche Leistungen und Erfolge bei der Anwerbung von Spenden. Anzeige Die Universität hatte die Berufung im Februar 2023 selbst als Erfolgsgeschichte präsentiert. Der damalige Vizekanzler für Bildung, Bhaskar Vira, nannte Arday einen „außergewöhnlichen Wissenschaftler“, der die Forschung in Cambridge erheblich voranbringen werde. „Auch wenn Kritik ein unvermeidlicher Teil des akademischen Lebens ist, ging das, was ich erlebt habe, weit über wissenschaftliche Meinungsverschiedenheiten hinaus“, sagte Arday. „Die unaufhörlichen Anschuldigungen, Spekulationen und öffentlichen Äußerungen haben mich und meine Angehörigen schwer belastet.“ Anzeige Lesen Sie auch Die Erklärung wurde von der Kampagnen-Organisation „Good Law Project“ verbreitet, die Arday unterstützt, seit die Kritik an ihm im vergangenen Monat an die Öffentlichkeit gelangte. In einem früheren, von der Gruppe verbreiteten und von mehr als zwei Dutzend Akademikern und Politikern unterzeichneten Schreiben wurden die Plagiatsvorwürfe als „Verleumdungskampagne“ bezeichnet, die darauf abziele, Arday und andere schwarze Menschen in „einflussreichen Positionen“ zu diskreditieren. Legasthenie und Autismus überwunden, sagte Arday Bei Ardays Ernennung stand seine persönliche Geschichte im Vordergrund. Nach Angaben der Universität war er mit drei Jahren mit einer Form von Autismus diagnostiziert worden, konnte bis zum Alter von elf Jahren nicht sprechen und sei ins späte Jugendalter Analphabet gewesen. Lesen Sie auch In einer aufwendig bebilderten Mitteilung der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät hieß es zudem, Arday habe sich mit 27 Jahren während seiner Promotion Ziele an die Schlafzimmerwand seines Elternhauses geschrieben – eines davon: „Eines Tages werde ich in Oxford oder Cambridge arbeiten.“ Die Pressemitteilung wurde mittlerweile gelöscht. Lesen Sie auch Kritische Fragen zu Ardays Qualifikationen wurden im vergangenen Monat öffentlich von Nathan Cofnas aufgeworfen. Cofnas war zuvor Forscher im Bereich Philosophie in Cambridge. Er hatte die Universität verlassen, nachdem seine Kritik an Programmen für Vielfalt, Chancengleichheit und Inklusion heftige Proteste ausgelöst hatte. Am 24. Juli veröffentlichte die „Times“ eine Analyse von Ardays Dissertation aus dem Jahr 2015. Darin wurden zahlreiche Textpassagen aufgezeigt, die nach Angaben der Zeitung „identisch oder nahezu identisch“ mit einer früheren Arbeit eines anderen Forschers waren. Britische Medien hinterfragten zudem Ardays Angaben, er habe durch sportliche Leistungen – etwa den Lauf von 30 Marathons in 35 Tagen oder einer Strecke von 600 Meilen in sechs Tagen – 5,5 Millionen Pfund (7,4 Millionen US-Dollar) für wohltätige Zwecke gesammelt. Damit stehen genau jene Angaben infrage, mit denen Arday über die Wissenschaft hinaus bekannt geworden war. Lesen Sie auch Weltplus Artikel339 Wissenschaftler Arday sagte der Zeitung „The Guardian“, dass die Gelder über einen Zeitraum von 20 Jahren mit der Unterstützung anderer Personen beschafft worden seien. Er gab an, dass Geheimhaltungsvereinbarungen ihn daran hinderten, die Namen dieser Personen zu nennen. Cambridge hatte Arday zunächst verteidigt und im Juni von einer „widerwärtigen Kampagne“ gegen seine Glaubwürdigkeit gesprochen. Die Universität verwies darauf, dass die Plagiatsvorwürfe bereits von der Liverpool John Moores University geprüft worden seien – jener Hochschule, die Arday den Doktortitel verliehen hatte. Die Vorwürfe wurden dort nicht bestätigt; Arday beruft sich seither auf dieses Ergebnis. Doch dann wurde die Hochschule aktiv. „Die University of Cambridge hat eine Untersuchung eingeleitet, nachdem neue Informationen über die Qualifikationen und Ehrenämter von Professor Arday bekannt wurden“, teilte die Universität in einer Erklärung mit. „Um ein faires Verfahren zu gewährleisten, werden wir uns bis zum Abschluss der Untersuchung nicht weiter dazu äußern.“ Wie die Londoner „Times“ berichtete, entschied sich Cambridge zu diesem Schritt, nachdem neue Beweise aufgetaucht waren, wonach Teile von Ardays Forschung „frei erfunden“ seien und „unmögliche“ Belege enthielten. In einem in der Woche vor dem Rücktritt veröffentlichten Interview mit der Zeitung hatte Arday den Plagiatsvorwurf zurückgewiesen, jedoch einige Fehler zugegeben. Diese seien teilweise auf eine mangelnde Betreuung während seiner Promotionszeit zurückzuführen. Auch in seiner Rücktrittserklärung verteidigte sich Arday und betonte, seine Entscheidung dürfe nicht als „Verlust des Glaubens an die Wissenschaft“ ausgelegt werden. „Sie darf auch nicht als Akzeptanz der Narrative missverstanden werden, die um meine Person entstanden sind“, sagte er. „Es ist schlicht die Entscheidung eines Menschen, der an die Grenzen dessen gestoßen ist, was man einer Person zumuten kann.“ Ob die Untersuchungen nach dem Rücktritt fortgeführt werden, ließ Cambridge offen. Neben der Prüfung von Qualifikationen und Ehrenämtern läuft nach Angaben der Universität ein separates Verfahren wegen wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Der 2015 verliehene Doktortitel ist davon bislang nicht berührt. AP/krö