Uniper plant neues Kraftwerk Staudinger
Startseite Region Main-Kinzig-Kreis Uniper plant neues Kraftwerk Staudinger mit 900 Megawatt – und 40 Hektar Rechenzentren Von: Detlef Sundermann Uns auf Google folgen Der Energiekonzern Uniper will am Standort Großkrotzenburg ein neues Gas-Kraftwerk bauen. Im September und Dezember entscheidet sich in staatlichen Auktionen, ob es die Milliarden-Förderung dafür gibt. Großkrotzenburg – Dass sich beim „Staudinger“ die Dinge ändern, ist seit geraumer Zeit der weithin sichtbaren industriellen Landmarke von außen anzusehen. Mit dem Abriss der Altanlagen, die Blöcke 1 bis 3 aus den 1960er und 1970er Jahren, ist die Präsenz geschrumpft. Das bedeutet jedoch nach den gegenwärtigen Plänen der Betreiberfirma Uniper alles andere als einen Rückbau zu einer Konversionsfläche. Veränderungen für Kraftwerk Staudinger stehen an – Entscheid zu Block 8 fällt in diesem Jahr Es wird Platz gemacht und räumlich umstrukturiert für Rechenzentren, hausgroße Batteriespeicher gegen Dunkelfluten, Ausbau, Netzknoten, und ein neues Kraftwerk soll dort ebenfalls entstehen. Ob Block 8 gebaut werden kann, wird sich im September respektive Dezember dieses Jahres entscheiden. Dann laufen die staatlichen Auktionen um Bundeszuschüsse für Kraftwerksbau, sagt Kraftwerksleiter Andreas Armenat unserer Zeitung. Auf dem rund 110 Meter hohen Kesselhaus von Block 5 sieht die Umgebung nicht nur naturgemäß kleiner, sondern auch überschaubarer aus. Armenat zeigen gen Westen. „Zwischen Kohlerundlager und Block 4 soll der künftige Block 8 stehen“, sagt er. Dann Blickwechsel. Dort, wo noch vor zwei Jahren an der L 3309 die Kühltürme der seit 2013/14 stillgelegten Kohlekraftwerke 1 bis 3 standen, ist nun eine Fläche für Rechenzentren entstanden, heißt es. Die Betriebsgebäude der Altanlagen sollen gleichfalls bald fallen, um weiten Platz für KI und Cloud-Anbieter zu schaffen. „Wir beabsichtigen, 40 Prozent der Gesamtfläche für Datacenter vorzusehen“, sagt Armenat. Das wären rund 40 Hektar. Wie viele dieser hallenartigen Gebäude auf dem Areal mal stehen sollen und wer nach Großkrotzenburg ziehen wird, ist noch offen. „Zurzeit führen wir Gespräche mit Investoren“, heißt es. Armenat beschreibt die Lage für die Branche als ideal. Man sitze unmittelbar am Netzknotenpunkt der Energieversorgung, der gegenwärtig vom Netzbetreiber Tennet am bestehenden Umspannwerk ausgebaut wird. „Staudinger hat sich somit zusätzliche Strommengen gesichert“, bemerkt der Kraftwerksleiter. Der Wunsch: „Raus aus der Kohle“ und das Gelände weiterentwickeln Die beiden noch aktiven Kraftwerksblöcke 4 (Gas) und 5 (Kohle) müssen nach gegenwärtiger Anordnung der Bundesnetzagentur bis März 2031 in Reserve gehalten werden. „Unser Wunsch lautet, raus aus der Kohle, sowie 4 und 5 vor dem Enddatum aus der Reservehaltung herauszunehmen, um das Gelände weiterzuentwickeln“, heißt es. Die beiden Anlagen seien zudem betriebswirtschaftlich keine Freude mehr. Die erhofft man sich mit dem geplanten Block 8, der bereits im Oktober 2024 von Uniper vorgestellt wurde. Die Benennung „8“ ergibt sich aus zwei nicht verwirklichten Vorgängerprojekten, darunter der hochumstrittene Kohleblock 6, der 2010 von der einstigen Staudinger-Betreiberin Eon zu den Akten gelegt wurde. SPIE modernisiert Technik an Block 4 Der Multitechnik-Dienstleister SPIE modernisiert die Elektro- und Leittechnik von Block 4 am Uniper-Kraftwerksstandort Staudinger in Großkrotzenburg. Die Arbeiten sollen bis 2028 abgeschlossen sein. Nach Angaben des Unternehmens werden unter anderem Schaltanlagen, Transformatoren sowie Nieder- und Mittelspannungskabel erneuert. Das Gaskraftwerk gilt laut Bundesnetzagentur als systemrelevant für die Netzstabilität und soll deshalb mindestens bis 2031 in Betrieb bleiben. Der Standort soll zudem schrittweise für CO₂-ärmere Technologien weiterentwickelt werden, darunter eine wasserstofffähige Gas- und Dampfturbinenanlage. Die neue kombinierte Gas- und Dampfturbinenanlage soll eine Leistung von knapp 900 Megawatt liefern und damit annähernd so viel Leistung bieten wie Block 4 und 5 zusammen. Damit soll die Netzstabilität bei Spitzenverbräuchen gesichert und sogenannte Dunkelflauten überbrückt werden, also wenn Photovoltaik mangels Licht und/oder Windräder wegen Flauten nicht ihren Anteil in das Netz einspeisen können. In einer ersten Betriebsphase läuft die Anlage mit Erdgas, später mit Wasserstoff. Dies werde nach der Fertigstellung des Wasserstoff-Kernnetzes, das an Staudinger vorbeilaufen soll, und bei ausreichender Menge von H₂ der Fall sein. Dann werde die Anlage nahezu emissionsfrei Strom produzieren. Sinkende Wirtschaftlichkeit: Kraftwerke nicht mehr privat finanziert Betriebsbeginn könnte gegen Ende 2030 sein, vorausgesetzt, Uniper gewinnt die staatliche Auktion, bei der es um eine große Fördersumme geht. „Wegen der sinkenden Wirtschaftlichkeit kann heute kein Kraftwerk mehr privat finanziert werden. Die Kosten bewegen sich im Bereich von Milliarden“, sagt Armenat. Uniper rechnet sich gute Chancen aus, bereits nach der zweiten Runde den Zuschlag zu erhalten. Die Zuversicht wird mit einem positiven Vorbescheid des Regierungspräsidiums Darmstadt hinsichtlich der Umweltprüfung begründet. Laut Armenat bestehen zudem erhebliche Standortvorteile. Die komplette Infrastruktur sei vorhanden, der Bau würde den Betrieb der Blöcke 4 und 5 nicht beeinträchtigen und „wir haben bereits das Personal mit dem nötigen Know-how‘“, sagt Armenat. Staudinger zählt 160 Beschäftigte, davon sind 20 Auszubildende. Sollte Staudinger scheitern, gibt es noch Hoffnung im kommenden Jahr, in der 3. oder 4. Runde des Verfahrens, den Erfolg einzufahren. Sollte jedoch das eintreten, was man sich bei Uniper derzeit kaum vorstellen kann, bliebe noch der „Business case, ein Kraftwerk nur für die Datacenter auf dem Gelände zu errichten“. Armenat betont jedoch, „es wird keine Wandlung zu einem Industrieort etwa mit Logistikerhallen geben“. Der dritte Fokuspunkt der Transformation von Staudinger liegt auf Speicherbatterien, in erheblicher Dimension. Block 8 soll im Bedarfsfall in ein, zwei Stunden hochgefahren sein, um ans Netz zu gehen. Nicht schnell genug. Strom aus Sonnen- und Windkraft werde künftig, auch ob des steigenden Verbrauchs, noch schneller reagierende Reserven benötigen. Hier erprobt Uniper an Staudinger mit dem Alzenauer Unternehmen CMBlu Energy AG eine sogenannte Organic Solid Flow-Batterie, die aus vollständig recycelbaren organischen Materialien besteht. Die gegenwärtige Batterietechnik erlaube eine ausreichende Netzeinspeisung von bis zu vier Stunden. Ziel sei es, eine Überbrückung mit Batteriestrom von mehr als zehn Stunden zu erreichen. Dort, wo noch die längst erkalteten Kesselhäuser der Blöcke stehen, soll der riesige Akku gebaut werden, geladen wird er in Zeiten des Stromüberschusses.