„Unmöglich“: Was norwegische Kita-Kinder können, macht Deutsche neidisch
Startseite Panorama „Unmöglich“: Was norwegische Kita-Kinder können, macht Deutsche neidisch Von: Sophia Sichtermann Uns auf Google folgen In Norwegen eignen sich Kinder schon im Kindergarten eine Fähigkeit an. Eine Psychologin beschreibt, wieso diese so bedeutsam ist. Hamburg – „Absolut toll“, „wunderbar“, und „traumhafte Vorstellung“ – kommentieren Instagram-Nutzer unter einem Beitrag der Auswanderin Marion Sorg (@meermond). Darin filmt sie sich in einem Restaurant in Norwegen an einem Samstagabend, in einem nach eigener Aussage „rappelvollen“ Lokal. Trotzdem: Die Atmosphäre ist bemerkenswert ruhig, nur leise Gespräche sind zu hören. „Das Lokal war bis auf den letzten Platz besetzt und wir konnten uns in normaler Lautstärke unterhalten“, schreibt Sorg. Der Grund dafür sei ein typisch norwegisches Phänomen: die sogenannte „innestemme“ – zu Deutsch: Innenstimme. Das Konzept ist einfach: „Innestemme“ bedeutet Innenstimme, „utestemme“ steht für Außenstimme. Bereits in norwegischen Kindergärten lernen Kinder den Unterschied zwischen beiden – und passen ihre Lautstärke entsprechend an, je nachdem, ob sie sich in Innenräumen oder draußen aufhalten. „Norweger sind wirklich leiser und das merkt man im öffentlichen Raum überall“, schreibt Sorg in ihrem Beitrag. Im Gegensatz zu Deutschland, wie viele in den Kommentaren finden: „Hier brüllen viele Leute sogar als Besucher im Krankenhaus. Unmöglich“. Padägogin: Kinder in Norwegen lernen schon früh, ihre Lautstärke anzupassen Fabienne Becker-Stoll, Diplom-Psychologin und Direktorin des Staatsinstituts für Frühpädagogik und Medienkompetenz, bestätigt gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media: „In skandinavischen Ländern ist das Konzept von Ruhe tief in der Gesellschaft verankert. Kinder lernen früh, zwischen Innenstimme und Außenstimme zu unterscheiden.“ Kinder könnten von klein auf lernen, leise zu sein, ohne sich unterdrückt zu fühlen – sondern aus gegenseitiger Rücksichtnahme. Denn: „Lärm ist ein Stressor – sowohl für Kinder als auch für die Erzieherinnen und Erzieher“, so die Expertin. In Norwegen werde der Unterschied zwischen Innen- und Außenstimme auch durch räumliche Übergänge vermittelt. Jede Kita-Gruppe verfüge über einen eigenen Garderobenraum. Dort legten die Kinder nicht nur Jacken, Matschhosen und Schuhe ab – sondern auch die Außen-Lautstärke. „Wenn die Kinder von draußen kommen, verstehen sie durch dieses Ritual, dass sie sich drinnen der Zimmerlautstärke anpassen“, erklärt Becker-Stoll. Psychologin: „Wohliges Leisesein“ ist zentral, damit Kinder sich wohlfühlen Doch warum ist ein solches Konzept in Deutschland so schwer umzusetzen? Diplom-Pädagogin und Kita-Expertin Nicole Kwaśnik sieht den Hauptgrund im Personalmangel. „Wenn Kinder sich selbst überlassen werden und klare Handlungsfähigkeit fehlt, sind Gruppen laut und unstrukturiert“, sagt sie gegenüber BuzzFeed News Deutschland. Es gebe dann durchgehend Freispiel und wenig konkrete Angebote, da die Pädagoginnen und Pädagogen überfordert seien. Becker-Stoll ergänzt: Einige Kinder in chaotischen Kita-Situationen würden schreien und laut sein, um überhaupt gehört und wahrgenommen zu werden. In manchen Einrichtungen komme es sogar vor, dass Erzieherinnen und Erzieher selbst laut werden, um sich durchzusetzen. Woran erkennt man eine qualitativ hochwertige Betreuung? Becker-Stoll nennt ein klares Merkmal: ein „wohliges Leisesein“, das den Alltag prägt – ein Zustand, der Kindern Sicherheit vermittelt. „In guten Kitas zeigt sich, dass es entweder ruhig oder fröhlich laut ist, aber nicht chaotisch“, erklärt die Psychologin. „Feinfühlige Betreuung bedeutet, die Bedürfnisse der Kinder rechtzeitig zu erkennen – ob hungrig, müde oder überfordert.“ (Quellen: Instagram, eigene Recherche)