Unter den Feldern von Texas liegt ein 22,5 Kilometer langer Tunnel voller Regenwasser
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Unter den Feldern von Texas liegt ein 22,5 Kilometer langer Tunnel voller Regenwasser
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Es sollte ein großes Forschungsprojekt werden – und scheiterte an den Kosten. In Texas liegt ein Tunnelsystem brach. Die Hintergründe im Überblick.
Waxahachie – In Waxahachie, Texas, rund 50 Kilometer südlich von Dallas, liegt bis heute der Anfang eines Tunnels, der einmal 87 Kilometer lang werden sollte. Im Jahr 1987 gab US-Präsident Ronald Reagan grünes Licht für den Superconducting Super Collider (SSC) – ein Projekt, das die Teilchenphysik revolutionieren und den USA die wissenschaftliche Führungsrolle im Kalten Krieg sichern sollte. Die Standortwahl fiel im November 1988 auf Ellis County, die eigentliche Bauarbeit begann 1991. Für kurze Zeit verwandelte sich die texanische Kleinstadt in ein Zentrum der Hochenergiephysik, in dem Physiker, Ingenieure und Bohrmannschaften aus aller Welt zusammenkamen.
Die Dimensionen des SSC waren gewaltig: Zwei Protonenstrahlen sollten mit einer Kollisionsenergie von 40 TeV aufeinanderprallen – etwa dreimal so viel wie später beim europäischen Large Hadron Collider (LHC). Damit hätte die Maschine theoretisch das Higgs-Boson schon ein Jahrzehnt vor CERN nachweisen können, wie der Physik-Historiker Michael Riordan gegenüber dem Magazin Texas Monthly erklärte.
Kosten für Projekte explodierten
Das Problem war das Geld. Die ursprüngliche Kostenschätzung von 4,4 Milliarden Dollar aus dem Jahr 1987 wuchs bis 1991 auf 8,2 Milliarden an, 1993 rechnete man bereits mit über zehn Milliarden Dollar Gesamtkosten, heißt es in einem Bericht des Magazins ScieUntific American. Gleichzeitig veränderte sich das politische Klima: Mit dem Ende der Sowjetunion schwand der wissenschaftliche Wettlauf-Ehrgeiz, der das Projekt einst getragen hatte. Am 21. Oktober 1993 zog der Kongress endgültig die Notbremse und strich die Finanzierung.
Zu diesem Zeitpunkt waren erst rund 20 Prozent des Projekts fertiggestellt: 22,5 Kilometer Tunnel, siebzehn Zugangsschächte und Gebäude auf einer Fläche von 18.600 Quadratmetern standen bereits – gebaut für rund zwei Milliarden Dollar, die mit der Einstellung faktisch im Erdreich verschwanden. Etwa 2000 Menschen verloren damals ihre Jobs, viele Physiker verließen die Branche komplett in Richtung Wall Street, wie ein ehemaliger Mitarbeiter gegenüber Texas Monthly erinnerte.
Tunnel füllte sich mit Regenwasser
Die Zugangsschächte wurden später verfüllt, der verbleibende Tunnel füllte sich mit Regenwasser, das ihn bis heute konserviert. Das Gelände wechselte mehrfach den Besitzer: 2006 kaufte eine Investorengruppe um den Milliardär J.B. Hunt das Areal mit dem Plan, dort ein Hochsicherheits-Rechenzentrum zu errichten – nach Hunts Tod verlief das Projekt jedoch im Sand. Im Jahr 2012 übernahm schließlich das Chemieunternehmen Magnablend, später aufgegangen in Univar Solutions, die oberirdischen Gebäude und nutzt sie bis heute, wie die Dallas Morning News berichten.
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Europäische Forschungsprojekte konnten aus den Fehlern lernen: Der LHC bei CERN nutzte den bereits vorhandenen 27 Kilometer langen Tunnel des Vorgängerbeschleunigers LEP und kam mit neuen Magnettechnologien aus – bei Baukosten von umgerechnet rund fünf Milliarden Dollar, verteilt auf viele europäische Länder. Am 4. Juli 2012 verkündeten die ATLAS- und CMS-Kollaborationen den Fund eines neuen Teilchens, das dem Higgs-Boson entsprach; François Englert und Peter Higgs erhielten dafür 2013 den Physik-Nobelpreis.