Unterschrift von Elon Musk gefälscht - und vor Bombe in Tesla-Werk gewarnt
Übelkeit, Erbrechen, Schock und Entsetzen: Wer rechnet schon damit, ein Schweineauge in der Firmenpost zu finden? Genau das ist nach Angaben von Ermittlern einigen Unternehmen im In- und Ausland passiert. Teilweise kamen mehrere Postsendungen pro Tag an. Ohne weiteren Inhalt oder erklärende Schreiben. Nur mit Schweineaugen in verschiedenen Stadien der Verwesung. Teslas Gigafactory soll Terroranschlag drohen Besonders betroffen gewesen sein soll der US-Elektroautobauer Tesla. Die Postsendungen waren an verschiedene Niederlassungen von Tesla sowie an Mitarbeiter in höheren Positionen geschickt worden. Aber auch an andere Automobilhersteller sowie Konsulate und Auslandsvertretungen der Ukraine. Bei den meisten der Postsendungen war die Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg als vermeintlicher Absender angegeben. Insgesamt wurden 68 Sendungen verschickt. In vier Fällen führten die körperlichen Reaktionen der Empfänger - darunter Erbrechen - zu Anzeigen wegen Körperverletzung. Denn die Schweineaugen waren bereits leicht verwest - und stanken dementsprechend übel. Die übrigen Sendungen mit Schweineaugen werden als versuchte Körperverletzung gewertet. 40-Jähriger soll Geschäftsführer gewesen sein Doch wer verschickt solche Pakete? Hinter den Sendungen soll ein 40-jähriger Mann aus dem Kreis Tuttlingen stecken. Bis vor Kurzem war er Geschäftsführer eines kleinen Unternehmens in der Region. Über die Firma wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, als Geschäftsführer wird er nicht mehr geführt. Die Ermittler sehen in diesem Fall jedoch nicht nur die Schweineaugen-Briefe. Die Geschichte reicht mehrere Jahre zurück – und führt überraschend zu Elon Musk. Bewerbung bei Tesla: Unterschrift von Elon Musk gefälscht Offenbar habe sich der Mann beim Tesla-Konzern beworben. Als er nicht eingestellt wurde, soll er die Unterschrift von Elon Musk eingescannt haben, um den Eindruck zu erwecken, der Konzernchef beschwere sich in einem internen Schreiben persönlich darüber, dass diese Bewerbung nicht an ihn weitergeleitet worden sei. Der Schwindel flog auf. Die Folge: eine Anzeige wegen Urkundenfälschung. Später folgten Notrufe und Internet-Anzeigen bei der Polizei. Der 40-Jährige behauptete sogar, bei Tesla sei ein Terroranschlag geplant – auch in der Gigafactory in Brandenburg. Auf dem Gelände sei eine Bombe. Durch einen Zufall erreichte eine seiner Warnungen direkt das Sicherheitspersonal des Unternehmens. Zu diesem Zeitpunkt war der damalige Bundesverkehrsminister Volker Wissing vor Ort. Der Minister wurde daraufhin kurzzeitig in Sicherheit gebracht. Außerdem suchte der Sicherheitsdienst von Tesla den entsprechenden Bereich nach einer Bombe ab und unternahm an diesem Tag verstärkt Streifen. Einzelheiten dazu finden Sie am Ende des Artikels. Angeklagter bei Prozess zu Tesla-Alarmen bleibt fern Diese Vorwürfe aus den Jahren 2022 und 2023 beschäftigen nun das Amtsgericht Tuttlingen. Doch der Angeklagte erscheint nicht zur Verhandlung. Richterin Larissa Terlecki kommentiert das mit den Worten: „Schade, wir hätten uns gerne ein Bild von ihm gemacht.“ Die Vorwürfe gegen den Mann bezeichnet sie als „außergewöhnlich und skurril“. Staatsanwältin Busch erklärt, man wisse nicht, warum er die Taten begangen haben soll. Bleibt die Frage: Woher bekommt jemand überhaupt fast 70 Schweineaugen? Tatsächlich lassen sie sich problemlos im Internet bestellen – allerdings für einen völlig anderen Zweck. Dort werden sie als Anschauungsobjekte für den Biologieunterricht angeboten. Ein „Schweineauge gebrüht“ kostet demnach 3,35 Euro. Strafbefehl von mehreren Tausend Euro Die geladenen Zeugen werden schließlich wieder nach Hause geschickt. Statt einer Verhandlung erlässt das Gericht einen Strafbefehl über 260 Tagessätze zu jeweils 50 Euro. Das entspricht einer Geldstrafe von 13.000 Euro. Für den ehemaligen Geschäftsführer ist es nicht der erste Konflikt mit dem Gesetz. Ein weiterer Strafbefehl stammt von Juni: 11.250 Euro wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und ohne Versicherungsschutz. Zudem finden sich Einträge wegen Sachbeschädigung und vorsätzlicher Körperverletzung im Strafregister. Unklare Finanzen: Widerspruch angekündigt Die Höhe der Geldstrafen basiert offenbar auf Einkommensverhältnissen aus einer Zeit, in der der Mann gut verdient haben dürfte. Wie seine finanzielle Situation heute aussieht, ist unklar. Hat er aktuell ein Einkommen? Lebt er von staatlichen Leistungen? Auch sein Verteidiger Tobias Glaenz konnte dazu keine Angaben machen. Er kündigte jedoch bereits an, gegen den Strafbefehl Widerspruch einzulegen. Damit dürfte sich das Amtsgericht Tuttlingen erneut mit dem ungewöhnlichen Fall beschäftigen. Erscheint der Angeklagte auch am nächsten Verhandlungstag nicht, wird der Strafbefehl rechtswirksam – mit der Möglichkeit, anschließend Berufung einzulegen. Zuständig wäre dann das Landgericht.