DAX +0,74 % 25.648,20 Pkt 15:19:12 MDAX -0,34 % 32.135,13 Pkt 15:19:12 Euro Stoxx 50 +0,47 % 6.374,07 Pkt 15:19:00 Dow Jones +1,60 % 52.420,11 Pkt 15:34:13 S&P 500 +2,30 % 7.484,46 Pkt 15:34:11 Nasdaq +3,95 % 25.407,45 Pkt 15:34:10 Nikkei +4,03 % 64.362,02 Pkt 08:45:03 Gold +0,03 % 4.101,50 USD 15:24:11 Silber -1,90 % 57,70 USD 15:24:11 Brent +1,48 % 90,35 USD 15:08:23 WTI +2,57 % 85,74 USD 15:24:06 Bitcoin -1,84 % 63.536,74 USD 15:32:32 EUR/USD +0,27 % 1,14980 USD 15:33:22 EUR/GBP -0,17 % 0,85630 GBP 15:34:13 EUR/CHF -0,14 % 0,93140 CHF 15:34:12 EUR/JPY -2,27 % 183,010 JPY 15:34:12

Urlaub in Gefahr: Diese Reiseziele jetzt und im Herbst vermeiden

Unterhaltung

Der moderne Tourist scheint unbeirrbar. Er reist, als liefe ihm die Zeit davon, als sei der Klimawandel ein Hirngespinst und geopolitische Krisen bloß lästige Begleiterscheinungen. Im Ohr hat er die Zeile „Summertime, and the livin’ is easy“. Stur steht er bei 41 Grad vor dem Eiffelturm und harrt auf der Plaza Mayor in Madrid aus. Er pocht auf sein vermeintliches Recht, jeden Winkel dieser Welt zu jeder Zeit besuchen zu dürfen. War diese Grenzenlosigkeit nicht das Versprechen einer globalisierten Welt? Billigflieger, Billigunterkünfte, Uber (von A nach B zum festen Preis) und Airbnb (Eintauchen ins „echte“ Leben) machten Mobilität leicht verfügbar. So wurde aus dem Privileg des Reisens ein Konsumgut. Jene, die in ihren Urlaub so viel Geld investieren wie andere in eine Trophy-Kitchen, buchen sich in einer vermeintlich nachhaltigen Luxuslodge in der Wüste, auf dem Land oder im Dschungel ein und sitzen bei Sonnenaufgang auf der Yogamatte, um ein klein wenig transzendiert nach Hause zu kommen. Die Welt ist vermessen, die notwendige Infrastruktur existiert. Mithilfe von Google Street View kann man am Bildschirm die Gegend vor Reiseantritt erkunden. Hauptsache, man glaubt zu wissen, was einen erwartet. 2007, als der Bilderdienst gegründet wurde, stammten die in dreidimensionaler Ansicht verfügbaren Aufnahmen aus lediglich fünf Städten: San Francisco, New York, Las Vegas, Denver und Miami. Mittlerweile besteht die digitale Kartierung der Welt aus mehr als 220 Milliarden Street-View-Bildern aus über 100 Ländern und Regionen. Darunter ist auch Frankreich. F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.A.Z. bei Google bevorzugen Frankreich hat zu wenig Löschflugzeuge Jetzt brennen in Südeuropa die Wälder, verheerender denn je. Weil Frankreich 2024 aus Spargründen auf die Bestellung neuer Löschflugzeuge verzichtet hat, fehlen sie nun. Als Laie glaubt man ja, in einem an Waldbrände gewöhnten Land wie Frankreich müssten mindestens dreißig Löschflugzeuge einsatzbereit im Hangar stehen. Tatsächlich sind es nur zwölf Flugzeuge, von denen aus Wartungsgründen lediglich fünf bis sieben gleichzeitig zum Einsatz kommen können. Im Großraum Bordeaux, in Regionen in Spanien, Italien, Griechenland und der Türkei stellt sich jedenfalls längst nicht mehr die Frage: Abreisen oder bleiben? Sondern: Wann muss der letzte bislang als „sicher“ geltende Ort evakuiert werden? Mehr als zweihunderttausend Menschen sind unter dem glutroten französischen Himmel derzeit auf der Flucht. Sie lassen ihr Hab und Gut zurück oder die Illusion, dass sich mit Geld der perfekte Entschleunigungsurlaub kaufen ließe. Die Bilder lichterloh brennender Wälder und Häuser sowie von den Einsatzkräften preisgegebener Landstriche sind apokalyptisch. Sie rufen Erinnerungen an Brandkatastrophen in Kalifornien und Australien wach. Sie erinnern aber auch an den furchtbaren Sommer 2018 in Griechenland, als die Brände Athen beängstigend nah kamen. In Mati, einem kleinen Küstenort, starben in den Flammen Dutzende von Menschen. Wer konnte, rettete sich an den Strand oder floh ins Wasser. Von einem „Inferno“ war die Rede. Oder 2023: Auf Rhodos mussten 30.000 Einheimische und Touristen vor Feuern in Sicherheit gebracht werden. Was bleibt von einem solchen Urlaub? Das Glück, davongekommen zu sein? Endlich aufrichtiges Interesse der Nachbarn an den Urlaubsnächten auf Feldbetten in einer Turnhalle? Ein paar krasse, instagrammable Fotos? Wohin kann man noch reisen, sofern man weder nach Sylt (versnobt, Overtourism) noch in den Harz (unterschätzt), an die Ostsee oder nach Oberbayern möchte? Dubai, das Lieblingsauswanderungsziel deutscher Influencer und Strandurlauber im Winter, die Bräune als Statussymbol betrachten, ist seit dem Krieg in Iran unsicher geworden. Von Reisen nach Dubai rät das Auswärtige Amt ab. Auf der Liste der Länder im Nahen Osten, die man meiden sollte, stehen außerdem Oman, Qatar, Bahrain, Kuwait, Jordanien und Saudi-Arabien. Seit Donald Trumps zweiter Präsidentschaft ist Amerika als Urlaubsland nicht verlockender geworden. Niemand möchte in eine Demonstration gegen die Einwanderungsbehörde ICE geraten und schussbereiten Polizisten gegenüberstehen. Auf Kuba schließen viele Hotels Nach Ecuador zu fliegen, ist ebenfalls eine schlechte Idee, denn das Land ist inzwischen ein Hauptumschlagplatz für Kokain. Besonders gefährlich sind die Küstenregionen sowie die Gebiete in der Nähe der kolumbianischen Grenze. Auf Kuba, einst das „Las Vegas der Karibik“, hat die Kette Iberostar kürzlich alle verbliebenen Hotels geschlossen. Auch der Konkurrent Meliá hat sich aufgrund der verschärften US-Sanktionen nach mehr als dreißig Jahren auf der Insel zurückgezogen. Die weißen Flecken auf der Weltkarte sind verschwunden. An ihre Stelle treten immer mehr Warnflaggen. Der Klimawandel hat Sehnsuchtsorte in Gefahrenzonen verwandelt. Die Welt des vernünftig Reisenden wird kleiner. Jene Orte, die von Bränden, Kriegen und geopolitischen Krisen bislang verschont geblieben sind, werden umso begehrter. Dass die Mallorquiner, Venezianer und Barcelonesen auf ihren Straßen gegen den Massentourismus protestieren, ändert an der Attraktivität ihrer Städte nichts. Was also bleibt dem Reisenden? Asien womöglich, Thailand, Japan und Vietnam. Dorthin zieht es seit dem Ende der Corona-Pandemie immer mehr Menschen. Der Hauch des Exotischen wahrscheinlich. Doch in diesem Herbst droht das Klimaphänomen El Niño ungewöhnlich stark zu werden. Betroffen davon ist zwar das globale Wetter, doch besonders dramatisch werden die Auswirkungen Südostasien, Nordafrika, Südamerika, Australien und das Amazonas-Gebiet treffen. Tim Stockdale vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage sagte kürzlich gegenüber dem Deutschlandfunk, es habe noch nie einen El Niño gegeben, der so stark und stetig in den (Vorhersage-)Modellen war. Es wäre „eine sehr große Überraschung“, wenn dies kein Rekord-El-Niño werde. Für das Wetter heißt das, dass man dort, wo es sonst trocken ist wie an der südamerikanischen Küste, mit sintflutartigem Regen und Überschwemmungen rechnen muss. In Südostasien und Teilen Australiens steigt hingegen die Wahrscheinlichkeit für Hitzewellen, Dürren und Waldbrände. Es war verführerisch, sich jahrelang einzureden, die globalisierte Welt sei ein nahezu grenzenloser Raum, der jederzeit offensteht. Das Wetter erschien berechenbar, die Jahreszeiten verlässlich. Ein kurzer Blick auf die Klimadiagramme reichte. Wer das Reisen für ein selbstverständliches Recht hält, wird trotzig daran festhalten und die Katastrophenbilder dieses Sommers im Herbst längst verdrängt haben.

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