Ursaurier vom Bromacker: Einzigartige Fossilien im Thüringer Wald entdeckt
Jährliche Grabungen beendet 310 Funde in drei Wochen: Warum der Bromacker eine Saurier-Goldgrube ist Stand: 21.07.2026 16:31 Uhr Der Bromacker nahe Tambach-Dietharz gilt als bedeutendste Ursaurier-Fundstelle außerhalb Nordamerikas. Die rund 294 Millionen Jahre alten Fossilien geben seltene Einblicke in ein frühes Landwirbeltier-Ökosystem: mit vielen Pflanzenfressern, wenigen Raubtieren und einer modernen Nahrungspyramide – lange bevor Dinosaurier die Erde beherrschten. von MDR WISSEN/ IZ Der Bromacker liegt im Thüringer Wald nahe Tambach-Dietharz. Die Fundstelle zählt zu den weltweit bedeutendsten Grabungsorten für Ursaurier. Die Tiere sind rund 30 bis 60 Millionen Jahre vor den Dinosauriern ausgestorben. Seit 2020 graben internationale Teams jedes Jahr mehrere Wochen am Bromacker – auf der Suche nach den Überresten früher Landwirbeltiere. So auch in den vergangenen drei Wochen. 310 Funde in den vergangenen drei Wochen Man habe insgesamt rund 310 Funde gemacht, darunter seltene Tausendfüßler, zahlreiche Insektenflügel und Kleinschädel. Die Projekt- und Grabungsleiter Dr. Tom Hübner von der Friedenstein Stiftung Gotha und Prof. Jörg Fröbisch vom Museum für Naturkunde Berlin sind begeistert von den neuen Funden. "Die diesjährige Ausgrabung am Bromacker war wieder ein Riesenerfolg und hat zahlreiche neue Einblicke eröffnet. Spektakulär ist auch die Freilegung eines neuartigen Grabgangs eines kleinen Ursauriers, der sich in einem weiten Bogen in die tieferen Schichten zieht und zu den bisher längsten Funden gehört." Neben den Forschenden nutzten auch 1.700 Besucher die Möglichkeit, am Bromacker mehr über die Ausgrabungen zu erfahren. Der Bromacker gehört zur sogenannten unterpermischen Tambach-Formation (das Perm begann vor etwa 299 Millionen Jahren und endete vor rund 252 Millionen Jahren). Die Fossillagerstätte ist seit gut 100 Jahren bekannt und gilt als bedeutendste Fundstelle für Ursaurier außerhalb Nordamerikas. Die Funde sind rund 294 Millionen Jahre alt. Die Forschenden finden hier nicht nur gut erhaltene Skelette, sondern auch versteinerte Trittsiegel, Grabgänge, Hautabdrücke und Pflanzenreste. Damit lässt sich viel über das Leben der Ursaurier herausfinden. Spuren eines besonderen Ökosystems Ungewöhnlich ist aber auch, dass an der Fundstelle am Bromacker viele Pflanzenfresser und nur wenige Raubtiere lebten. Das ähnelt modernen Ökosystemen. Paläontologe Fröbisch betont: Im Gegensatz zu vielen anderen Fundstellen wie der Grube Messel, in Solnhofen oder Holzmaden, die allesamt aquatische Milieus, also das Leben in einem See oder einer Lagune, abbilden, finde man am Bromacker Spuren eines Landwirbeltier-Ökosystems. Das sei sehr außergewöhnlich. "Wir haben hier viele erstmals auftretende wichtige Strukturen moderner Ökosysteme." So sei der Bromacker die erste Fundstelle mit einer modernen trophischen Pyramide, also einem funktionierenden Ökosystem mit Nahrungspyramide, bei dem an der Basis viele pflanzenfressende Wirbeltiere sind und nur wenige Top-Prädatoren an der Spitze. Im heimischen Wald unserer Zeit finden wir diese Nahrungspyramide ebenfalls – genauso wie in der südafrikanischen Savanne. Der Bromacker ermöglicht Einblicke in das komplexe Ökosystem des Unterperm. "Wir finden jedes Jahr etwas Neues, das wir noch nicht kannten", erzählt Paläontologe Fröbisch. Er hoffe, die Ausgrabungen im kommenden Jahr weiterführen zu können. "Und hoffentlich auch in den darauffolgenden Jahren oder Jahrzehnten." Die Fundstelle sei einfach faszinierend.