US-Anleihen unter Druck - scharfe Kritik an Trump-Regierung
Sorge über US-Anleihen unter Trump "Wie das Umstellen von Liegestühlen auf der 'Titanic'" Von t-online, wan Aktualisiert am 21.08.2026 - 08:04 UhrLesedauer: 3 Min. Der Iran-Krieg und die Wirtschaftslage in den USA setzen US-Anleihen unter Druck. Ein Analyst sieht Zeichen für eine Finanzkrise. Das Vertrauen von Investoren in die US-Wirtschaft sinkt, wie die Entwicklung von US-Staatsanleihen zeigt. Einen Tag nachdem die US-Staatsverschuldung die Grenze von 40 Billionen Dollar durchbrochen hat, sind die Anleihen weiter unter Druck gekommen. Sorgen über hohe Ölpreise infolge des Iran-Kriegs und die steigende Staatsverschuldung hatten die Renditen diese Woche auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten getrieben. Eine Ankündigung des US-Finanzministeriums, langlaufende Anleihen zu stützen, brachte nur kurzzeitig Erleichterung. Joe Saluzzi von Themis Trading sagte: "Die Marktteilnehmer merken wahrscheinlich, dass dies nicht wirklich etwas Wesentliches ändert." Am Donnerstag stieg die Rendite der 30-jährigen Anleihe erneut um fünf Basispunkte auf 5,243 Prozent. Die der richtungsweisenden zehnjährigen Anleihe zog ebenfalls an und lag zuletzt bei 4,700 Prozent. US-Dominanz bröckelt: Europa und Deutschland holen auf Trumps "wirtschaftlicher D-Day": Jetzt zahlt Amerika den Preis Staatsanleihen sind eine Form des Kredits, den Anleger einem Kreditnehmer gewähren. Die Rendite entspricht dem Betrag, den ein Anleger für das Halten der Anleihe erhält, ausgedrückt als Prozentsatz des aktuellen Kurses. Die Kurse fallen, wenn die Nachfrage der Anleger nachlässt – zum Beispiel, weil sie weniger Vertrauen haben, dass das Geld zurückgezahlt wird. Das treibt wiederum die Renditen in die Höhe, denn Anleger verlangen nun für ihren Kredit mehr Geld. Die gestiegenen Renditen bei US-Anleihen zeigen somit, dass das Interesse von Investoren nachlässt – und auch das Vertrauen. Gemeinhin werden Anleihen von Großinvestoren verwendet, um Geld zu parken, weil sie als sicher gelten. Immerhin stehen die USA mit ihrer Wirtschaftskraft dahinter. Doch diese Sicherheit steht infrage. Der Iran-Krieg und das Hin und Her der Trump-Regierung bei Verhandlungen haben nicht nur das Vertrauen erschüttert. Der steigende Ölpreis als Folge des Kriegs und ein drohender Anstieg der Inflation machen sich bei der Nachfrage für Anleihen bemerkbar. Eine hohe Inflation verringert den Wert der Anleihen, was wiederum die Rendite ansteigen lässt. Das bedeutet, dass weniger Papiere gekauft werden, gleichzeitig aber der Staat mehr für die Rendite zahlen muss – was wiederum durch neue Schulden finanziert werden muss. Bessent will Rückkäufe verdoppeln Am Mittwoch kündigte US-Finanzminister Scott Bessent an, dass das Finanzministerium seine Rückkäufe langfristiger Anleihen ab dem 9. September mindestens verdoppeln werde – von zwei Milliarden Dollar auf mindestens vier Milliarden Dollar pro Transaktion. Doch das scheint nur ein Tropfen auf den heißen Stein zu sein. "Angesichts der US-Staatsverschuldung von 40 Billionen Dollar mag eine Aufstockung der Liquiditätsrückkaufmaßnahmen um zwei Milliarden Dollar wie das Umstellen von Liegestühlen auf der 'Titanic' erscheinen", erklärte Chris Turner von ING am Donnerstagmorgen dem Magazin "Fortune". Eoin Walsh, Portfoliomanager bei TwentyFour Asset Management, sagte der "Financial Times": "Maßnahmen wie diese wirken wie ein Pflaster." Das "Wall Street Journal" sieht ebenfalls keine langfristige Lösung in den Rettungsversuchen von Bessent. "Statt sich also mit den eigentlichen Ursachen der steigenden Renditen zu befassen, greift Bessent lieber in die Mechanik des Anleihemarkts selbst ein." Anstatt das Volumen der Anleiheauktionen auszuweiten, finanziere er das Haushaltsdefizit verstärkt über kurz laufende Treasury Bills – und deute zugleich an, dass die Auktionen bei manchen länger laufenden Anleihen sogar zurückgefahren werden könnten. Analysten sagten der "New York Times", der jüngste Anstieg der Renditen für US-Staatsanleihen spiegele zum Teil die Erwartung wider, dass das durch Künstliche Intelligenz getriebene Wachstum die Fed dazu veranlassen könnte, die Zinsen auf einem hohen Niveau zu halten. Auch Trumps neuer Chef der Fed, Kevin Warsh, scheint den Kursverfall der Anleihen nicht aufhalten zu können. Albert Edwards, Globalstratege bei der Bank Société Générale, sagte dem britischen "Guardian": "Viele sehen den Ausverkauf bei US-Anleihen auch darin begründet, dass der neue Fed-Chef Kevin Warsh den Investoren nicht mehr die gewohnten klaren Zinssignale liefert, an die sie sich unter seinem Vorgänger gewöhnt hatten." Edwards sieht bereits Bedingungen zusammenkommen, die eine US-Finanzkrise auslösen könnten. Die Folgen einer Anleihenkrise würden auch bei den US-Bürgern zu spüren sein. Hohe Renditen bei Staatsanleihen lassen die Zinsen für Kredite von Banken steigen. Wer mehr aufwenden muss, um sein Haus oder Auto abzubezahlen, hat weniger Geld für den Konsum, was wiederum die US-Wirtschaft schwächt.