US-Army: USA ziehen Drohnen-Spezialeinheit aus Europa ab
"Äußerst bedauerlich und gefährlich"
USA ziehen Spezialeinheit aus Europa ab
Von t-online, wan
Aktualisiert am 22.08.2026 - 09:43 UhrLesedauer: 3 Min.
Die USA haben im Januar ein Drohnen-Bataillon in Europa aufgebaut. Die Soldaten sollen aber jetzt weiterziehen – was zu Kritik führt.
Der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, wie wichtig Drohnen geworden sind. Auch deshalb etablierte die US-Army im Januar ein Bataillon in Europa, das sich auf den Drohnenkrieg spezialisierte. Doch jetzt sollen die Soldaten wieder abgezogen werden, berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ).
Die Einheit aus Mitgliedern der 173. Luftlandebrigade habe im August und im September an Übungen in Deutschland teilgenommen. Diese Erfahrungen sollen nun in einem Bericht ans Pentagon niedergeschrieben werden. Dann sollen sich die Soldaten wieder "auf ihre Kernkompetenzen als eine Luftlandebrigade" konzentrieren, sagte ein Pentagonsprecher der Zeitung.
Eine kleine Gruppe von Angehörigen der Drohnen-Einheit traf sogar ukrainische Kollegen in Kiew. Das Bataillon arbeitete zudem mit ukrainischen Drohnenoperateuren in Nato-Übungsgebieten zusammen.
Niederlage gegen ukrainische Einheit bei Übung
Die Auflösung des Drohnenbataillons ist Teil eines umfassenderen "Back-to-Basics"-Ansatzes, der von General Christopher LaNeve angeordnet wurde, dem amtierenden Stabschef der Armee. Er gilt als Vertrauter von Verteidigungsminister Pete Hegseth. Das Bataillon war eine Vorzeigeinitiative von LaNeves Vorgänger, General Randy George, den Hegseth im April seines Amtes enthoben hatte.
Aus den USA kommt Kritik am Abzug. "Die Ukraine hat den Nahkampf im Grunde revolutioniert", sagte Michael O’Hanlon, Verteidigungsexperte an der amerikanischen Denkfabrik Brookings Institution. "General George begann, das zu begreifen, und jeder Rückschlag bei seinen Bemühungen wäre äußerst bedauerlich und gefährlich."
Die Pentagon-Entscheidung kommt auch vor dem Hintergrund einer peinlichen Niederlage von amerikanischen Panzereinheiten bei einer Übung im Frühling. Bei der "Combined Resolve"-Übung schalteten die ukrainischen Drohnen reihenweise Panzer aus. Diese haltten sich schon durch den aufgewirbelten Staub leicht zu erkennen gegeben.
Ein Sprecher der US-Army sagte dem "Wall Street Journal", dass die USA sich verpflichtet haben, "den Ausbau und die Entwicklung von Drohnen voranzutreiben, um den Anforderungen groß angelegter Kampfhandlungen gerecht zu werden." Das US-Militär hat außerdem die Gründung einer multinationalen Drohneneinheit angekündigt. Mit der Task Force Falcon Strike (TFFS) soll man künftig in der Lage sein, Kampfdrohnen "über, auf und unter dem Meer" einzusetzen, teilte das Regionalkommando Centcom am Donnerstag mit.
Task Force soll nach Südkorea verlegt werden
In einem internen Papier, das dem "WSJ" vorliegt, spricht LaNeve davon, dass die USA auch weiterhin Einheiten mit Drohnentechnologie und Waffen zur elektronischen Kriegsführung aufbauen wollen. Eine darauf spezialisierte "Multi-Domain Task Force" soll aber von Europa nach Südkorea verlegt werden. Vor kurzem hat die Armee auch Pläne gestrichen, hochrangige ukrainische Offiziere im Zentrum für Manöverkriegsführung in Fort Benning in Georgia sprechen zu lassen, wie US-Beamte der Zeitung mitteilten.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat versprochen, Chinas Vorsprung bei der Drohnenentwicklung mit einem Investitionsprogramm in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar aufzuholen. Doch Ausrüstung alleine dürfte nicht ausreichen.
LaNeves Vorgänger George hatte bereits angefangen, die Infanteriebrigaden der Armee in Manöverkräfte umzugestalten, deren Einheiten mit Aufklärungs- und Angriffsdrohnen ausgerüstet waren. Doch der geschasste General forderte, dass die Streitkräfte noch größer und schneller werden müssten.
Sowohl Russland als auch die Ukraine verfügen über Drohnenkampfeinheiten und eigene Teilstreitkräfte, die sich speziell der Drohnen- und Roboterkriegsführung widmen. Die USA haben bislang nur wenig Erfahrung im Einsatz von Drohnen. Sie kommen derzeit im Iran-Krieg zum Einsatz, in dem es aber keine direkten Kampfhandlungen auf einem Schlachtfeld wie in der Ukraine gibt.