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US-Blockade gegen Iran: Funksprüche zeigen Warnungen der US-Marine

Welt

Warnungen vor Beschuss

Diese Funksprüche zeigen den Ernst der US-Blockade

Von t-online, ast

Aktualisiert am 07.10.2026 - 14:04 UhrLesedauer: 4 Min.

Die USA setzen ihre Blockade iranischer Häfen notfalls mit Waffengewalt durch. Funkmitschnitte zeigen, wie angespannt die Lage für zivile Besatzungen auf See sein kann.

Die Warnung kommt über den Seefunk: "Ich bereite mich darauf vor, auf Ihr Heck zu feuern." Für die Besatzung des Tankers bleibt wenig Raum für Missverständnisse. Die US-Marine will das Schiff stoppen und macht deutlich, was passiert, wenn es seinen Kurs nicht ändert.

Solche Funksprüche sind auf einer der weltweit wichtigsten Schifffahrtsrouten seit Monaten zu hören. Das "Wall Street Journal" hat Dutzende Aufnahmen ausgewertet, die Seeleute im Persischen Golf und im Golf von Oman aufgezeichnet haben. Sie dokumentieren, wie die USA ihre Blockade gegen den Iran durchsetzen. Dabei geraten zivile Besatzungen mitunter in gefährliche Situationen.

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Attacken am Golf: Tanker in Straße von Hormus getroffen – Feuer bricht aus

Bis zum 5. Oktober haben die US-Streitkräfte mehr als 270 Schiffe umgeleitet und fast zwei Dutzend weitere außer Gefecht gesetzt oder zerstört, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf das für den Nahen Osten zuständige US-Zentralkommando Centcom.

Die Blockade richtet sich gegen Schiffe, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen. Der übrige Verkehr durch die Straße von Hormus soll nach Angaben des US-Militärs nicht behindert werden. Mehrfach setzte das US-Militär jedoch Waffen gegen Schiffe ein, die nach seiner Darstellung wiederholten Aufforderungen nicht folgten.

Erst Warnungen, dann Schüsse

Wie ernst diese Drohungen gemeint sind, zeigte sich am 6. Mai. An diesem Tag beobachteten US-Streitkräfte den unter iranischer Flagge fahrenden Tanker "Hasna" in internationalen Gewässern im Golf von Oman. Das Schiff war unbeladen und nach Angaben von Centcom auf dem Weg zu einem iranischen Hafen.

Die US-Streitkräfte forderten die Besatzung mehrfach zur Umkehr auf. In den vom "Wall Street Journal" ausgewerteten Funkaufnahmen ist zu hören, wie die US-Marine schließlich ankündigt, auf das Heck der "Hasna" zu feuern.

Als die Besatzung den Aufforderungen nicht folgte, feuerte ein vom Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" gestarteter Kampfjet auf das Ruder des Tankers. Laut Centcom wurde das Ruder durch den Beschuss funktionsunfähig. Die "Hasna" konnte ihre Fahrt Richtung Iran nicht fortsetzen.

Die Funkmitschnitte zeigen, was Vorfällen wie diesem vorausgeht: einerseits Warnungen, aber auch Rückfragen und Missverständnisse zwischen Kriegsschiffen und zivilen Besatzungen.

Besonders deutlich wurde das am 24. Juli bei der "Lavine". Der Tanker unter Flagge von Mosambik erhielt nach den vom "Wall Street Journal" ausgewerteten Aufnahmen 15 Minuten Zeit, seine Besatzung aus dem Maschinenraum zu bringen. Dann, so die Botschaft der US-Marine, werde auf diesen Teil des Schiffes gefeuert.

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Auf benachbarten Schiffen entstand zunächst Verwirrung. Seeleute versuchten über Funk herauszufinden, welches Schiff überhaupt gemeint war. Grund war hier offenbar eine Sprachbarriere. Genau 15 Minuten später setzte die "Lavine" einen Notruf ab. Centcom bestätigte anschließend, das Schiff im Golf von Oman außer Gefecht gesetzt zu haben.

Wenn die Warnung nicht verstanden wird

Nicht alle Seeleute verstehen offenbar die englischen Befehle der US-Marine. Auf den Handelsschiffen arbeiten Seeleute aus Indien, China, den Philippinen und zahlreichen weiteren Staaten.

Am 25. Juli geriet etwa der unter panamaischer Flagge fahrende Frachter "Liao Fan" ins Visier eines US-Militärflugzeugs. Das Schiff hatte zuvor einen iranischen Hafen angelaufen.

Der chinesische Kapitän versuchte über Funk zu erklären, dass er den Iran bereits verlassen habe und inzwischen vor den Vereinigten Arabischen Emiraten liege. Andere chinesische Seeleute auf Schiffen in der Umgebung schalteten sich schließlich ein. Sie drängten ihn nach Angaben des "Wall Street Journal" auf Chinesisch, den Anweisungen des US-Militärs zu folgen. Die "Liao Fan" wurde schließlich nicht angegriffen.

Für zivile Seeleute ist die US-Blockade dabei nur eine Seite der Gefahr. Auch iranische Kräfte haben Handelsschiffe angegriffen und den Verkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt: Nach Angaben der indischen Regierung gerieten am 18. April zwei unter indischer Flagge fahrende Schiffe in der Meerenge unter Beschuss.

Blockade läuft seit April

Die Vereinigten Staaten begannen am 13. April mit der Blockade von Schiffen, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen. Die erste Phase dauerte bis zum 18. Juni. Nach Angaben von Centcom wurden in diesen gut zwei Monaten mehr als 140 Schiffe umgeleitet und neun Schiffe außer Gefecht gesetzt. Mehr als 50 Handelsschiffe mit humanitären Lieferungen durften demnach passieren. Am 14. Juli nahmen die USA die Blockade wieder auf.

Centcom betont, dass die Blockade professionell durchgesetzt werde. Schiffe würden vor einem Waffeneinsatz mehrfach gewarnt. Völkerrechtlich umstritten ist vor allem der Einsatz von Gewalt gegen Handelsschiffe neutraler Staaten. Dabei stehen Regeln des Seekriegsrechts und das Gewaltverbot der UN-Charta in einem Spannungsverhältnis.

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Für Washington ist die Blockade vor allem ein Mittel, um eine zentrale Einnahmequelle Teherans zu treffen. Öl ist eines der wichtigsten Exportgüter des Iran, China der wichtigste Abnehmer. Mit der Blockade setzt Washington unmittelbar an der Ausfuhr über See an.

Die Folgen sind inzwischen messbar: Die iranischen Öllieferungen nach China sanken im September auf rund 590.000 Barrel pro Tag und damit auf den niedrigsten Stand seit Januar 2023, berichtete Reuters am Dienstag.

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