US-County errichtet 37 Rechenzentren und muss jetzt in Schulen das Licht dimmen, um Energiekosten zu senken
Seit dem 1. Juli kosten Stromtarife im US-Kreis Henrico fast ein Viertel mehr. Das treibt die Kosten für den Betrieb von Einrichtungen der Verwaltung und der Schulen um etwa fünf Millionen US-Dollar pro Jahr in die Höhe. Ein Resultat: Ende Juni schickte ein Bezirksverwalter eine Rundmail an seine Mitarbeiter, in der er verschiedene Maßnahmen zum Stromsparen auflistete. Ursache für den Preisanstieg ist der Bau von mehreren Rechenzentren. Was Sie wissen müssen: Die USA investieren Milliarden in den Aufbau von Rechenzentren. Einer der Ballungspunkte ist der Bundesstaat Virginia. Behörden aus Henrico County, Virginia, müssen mehr für Strom bezahlen. Rechenzentren treiben in Virginia die Stromkosten hoch Wie das US-Magazin „Inc“ berichtet, hat Henrico County (gelegen im US-Bundesstaat Virginia) schon lange um Rechenzentren geworben. Im Laufe der Zeit haben sich 37 dieser Zentren in Henrico angesiegelt, die meisten großen Anlagen befinden sich im Umfeld des White Oak Technology Park, wo auch Facebook-Mutter „Meta“ einen Sitz hat. Das treibt die Stromkosten in der Region. Laut der Virginia Energy Purchasing Governmental Association (VEPGA) müssen die Mitglieder ab dem 1. Juli 24,9 Prozent mehr für Strom bezahlen. Im Juli 2027 soll eine weitere Erhöhung stattfinden, um mindestens zwölf Prozent. Dafür sorgt ein neuer Stromvertrag, den VEPGA ausgehandelt hatte. Die Organisation beschafft Strom für Kommunalverwaltungen, Schulbezirke, Städte, Gemeinden und öffentliche Einrichtungen im Einzugsgebiet von Dominion Energy. ANZEIGE ANZEIGE In der Mail, die der Bezirksverwalter John Vithoulkas an seine Mitarbeiter geschickt hat, bat er sie unter anderem darum, die Computer herunterzufahren, Aufladegeräte abzustöpseln, die Lichter auszumachen und die Blenden zu justieren. Das soll pro Jahr 150 bis 300 US-Dollar einsparen. Offiziell heißt es, die Nachricht sei nicht nur dazu da, um Kosten einzusparen. Sie spiegele eine „umweltbewusste Pionierhaltung“. Fast 63 Prozent höhere Großhandelsstrompreise Laut dem Marktbeobachter Monitoring Analytics sind die Großhandelsstrompreise im Netzgebiet der Rechenzentren zwischen Januar und Mai 2026 im Vorjahresvergleich um 62,7 Prozent gestiegen. Über 74 Prozent dieses Anstiegs seien auf den Strombedarf von Rechenzentren zurückzuführen. Die Nachfrage wird mehr und mehr zum Streitpunkt. Darüber hinaus trieb dieser Bedarf die Großhandelsstrompreise in den ersten fünf Monaten 2026 um 11,26 US-Dollar pro Megawattstunde in die Höhe. Rechenzentren wehren sich Die Rechenzentren wiederum sehen sich als Sündenböcke für ein umfassenderes Stromproblem. Die Branche sei aber „bereit, die vollen Kosten für die von ihr verbrauchte Energie zu tragen“, zitierte „Inc“ Nicole Riley, Leiterin für Regierungsbeziehungen in Virginia bei der Data Center Coalition. „Überparteiliche Studien von JLARC, dem Lawrence Berkeley National Laboratory und anderen sind durchweg zu dem Ergebnis gekommen, dass Rechenzentren die Energiepreise nicht in die Höhe treiben und dass sie – genau wie jeder andere Kunde – für den gesamten von ihnen verbrauchten Strom bezahlen“, sagt Riley. „So oder so sind wir dran“ Henrico County dürfte nicht der letzte Kreis sein, der solche Probleme vermeldet. Die USA befinden sich noch immer in einem KI-Boom – entsprechend groß ist der Bedarf an neuen Rechenzentren. Alle großen Tech-Konzerne stecken Milliarden in den Aufbau. Das wiederum steigert den Strombedarf. Analysten gehen davon aus, dass sich der Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2027 auf 66 Gigawatt verdoppeln wird – von 31 Gigawatt im Jahr 2025. Anwohner Virginias haben allerdings auch Sorge um ihre Gesundheit. „Nichts sagt so sehr Leben, Freiheit und die Jagd nach Glück wie das Atmen von Benzindämpfen“, zitierte „Politico“ Elena Schlossberg, die eine Bewegung gegen die Rechenzentren anführt. Niemand wolle, dass das Stromnetz zusammenbreche, aber es sei nicht fair, wenn Virginias Anwohner den zusätzlichen Strom mit ihrer Gesundheit bezahlen. „So oder so sind wir dran. Entweder unsere Lichter gehen aus oder wir atmen Umweltverschmutzung“.