US-Doppelschlag gegen China geplant
Startseite Wirtschaft US-Doppelschlag gegen Chinas Dominanz: Zölle auf Schlüsselrohstoff drohen noch diese Woche Von: Sebastian Oppenheimer Uns auf Google folgen Washington plant einen Doppelschlag gegen Chinas Dominanz bei Chips und Solar – die Aktie des deutschen Chemie-Giganten Wacker legte daraufhin zu. Washington – Die US-Regierung bereitet einem Insiderbericht zufolge einen Doppelschlag gegen Chinas Vormacht bei einem Schlüsselrohstoff vor: Polysilizium. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mehrere mit den Plänen vertraute Personen berichtete, wollen die USA voraussichtlich schon an diesem Donnerstag einen Zollsatz von 15 Prozent auf Polysilizium-Derivate sowie eine Reihe von Mindestpreisen für Wafer, Zellen und Module verkünden. Polysilizium ist in unterschiedlichen Reinheitsstufen der Grundstoff für Solarmodule und Computerchips. Für Washington geht es darum, im Wettlauf um Künstliche Intelligenz und Energieversorgung nicht von China abhängig zu werden. Rechtliche Grundlage ist Abschnitt 232 des Trade Expansion Act von 1962, der dem Präsidenten erlaubt, Importe aus Gründen der nationalen Sicherheit zu beschränken – eine Befugnis, die Donald Trump bereits bei Stahl, Autos und Aluminium genutzt hat. Chinas Vormachtstellung bei Solaranlagen Die Dimension des Ungleichgewichts ist erheblich: China kontrolliert rund 80 Prozent der weltweiten Produktionskapazität für Solaranlagen, während nach Daten der Semiconductor Industry Association nur 2,4 Prozent der globalen Polysilizium-Nachfrage überhaupt auf die Chipindustrie entfallen. In den USA stellen bislang lediglich Hemlock Semiconductor sowie die deutsche Wacker Chemie den Rohstoff her. Polysilizium-Pläne sorgen für Kurssprung bei Wacker-Chemie Der Bericht sorgte bereits für Kursbewegungen: Die Wacker-Aktie legte am Mittwoch um 6,5 Prozent zu, wie dpa-AFX berichtete. Analyst Sebastian Bray von der Privatbank Berenberg wertete den Vorstoß als möglichen Kurstreiber, da eine Entscheidung Klarheit schaffen und dem Unternehmen erlauben würde, sich stärker auf das profitable Halbleitergeschäft zu konzentrieren. Der Münchner Chemie-Gigant hat ein historisches Verlustjahr hinter sich: 2025 belief sich das Minus auf 800 Millionen Euro. Experte: Mindestpreise könnten das Überleben der US-Hersteller sichern Craig Singleton von der Foundation for Defense of Democracies erklärte gegenüber Reuters, China habe seine Dominanz durch Subventionen und chronische Überkapazitäten aufgebaut, was die Preise unter ein tragfähiges Niveau gedrückt und Konkurrenten geschwächt habe. Mindestpreise könnten das Überleben der US-Hersteller sichern – doch die Maßnahmen seien ein Balanceakt: Höhere Kosten für Polysilizium könnten sich auf Chips, Solarmodule, Konsumelektronik und Autos durchschlagen, da viele US-Firmen weiterhin auf Wafer- und Zellimporte etwa aus Malaysia, Singapur oder von Wacker angewiesen sind. Die chinesische Botschaft in Washington kritisierte die Pläne bereits und forderte einen „Dialog auf Augenhöhe“. (Quellen: Reuters, dpa-AFX) (sop)