US-Senator Graham stirbt nach Kiew-Besuch
Startseite Politik Trump-treu und Kreml-kritisch: US-Senator Lindsey Graham stirbt nach Kiew-Besuch an „plötzlicher Krankheit“ Von: Jakob Maurer Uns auf Google folgen Der republikanische Senator war am Freitag noch in der Ukraine und handelte Russland-Sanktionen aus. Auch die Krankheit eines anderen Republikaners führt zu Rätselraten in den USA. Noch Ende vergangener Woche war Lindsey Graham in der Ukraine. Er traf den Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, besuchte eine Drohnenfabrik und gab ein Statement in Kiew zu Russland-Sanktionen und der Lage im Ukraine-Krieg ab: „Ich denke, wir haben die größte Chance der vergangenen fünf Jahre, seit ich hierherkomme, Putin an den Tisch für Friedensgespräche zu bekommen.“ Das sagte der erfahrene US-Außenpolitiker am Freitag – am Sonntagmorgen folgte die überraschende Meldung: Der langjährige republikanische Senator und Trump-Verbündete ist tot. Er sei am Samstagabend (Ortszeit) nach „plötzlicher Krankheit“ gestorben, war auf seinen Online-Profilen in einer Mitteilung seines Büros zu lesen. NBC berichtete, in der Nacht zum Sonntag habe es einen Noteinsatz in Grahams Washingtoner Wohnung wegen eines Herzstillstands gegeben. Graham war am Donnerstag 71 geworden. Für Sonntag hatte Lindsey Graham ein Interview im US-Fernsehen geplant Bis zuletzt war er in seinem außenpolitischen Element. Von Kiew aus fädelte er eine Einigung in den USA für verschärfte Russland-Sanktionen ein. Er sagte vor Ort, er habe einen Gesetzentwurf mit der Trump-Regierung abgestimmt, der hohe Strafzölle gegen Länder ermöglichen soll, die weiter Öl und Gas aus Russland importieren. Für Sonntag war ein Interview im US-Fernsehen geplant. In Kiew trat er ohne sichtbare Hinweise auf einen medizinischen Missstand auf, wie Bilder und Videos zeigen. Er ging lässig mit Händen in den Hosentaschen durch die Drohnenfabrik. Er redete und gestikulierte normal: im Südstaaten-Akzent mit langgezogenen, nasalen Vokalen, der typisch ist für seine Heimat South Carolina. Trump verliert einen loyalen „Hawk“, einen Hardliner, wenn es um die US-Außenpolitik geht Das Statement bezeugte zudem Grahams Handlungsdrang: „Wenn ich nach Washington zurückkomme, werde ich gemeinsam mit Senator Blumenthal zu den Führern der Republikaner und Demokraten gehen, um zu sehen, ob wir Zeit finden können, dieses Sanktionspaket gegen Russland voranzubringen, das Präsident Trump Mittel an die Hand geben würde, um zur Beendigung dieses Krieges beizutragen.“ Trump verliert einen loyalen „Hawk“, einen Hardliner, wenn es um die US-Außenpolitik geht. Er nannte die iranischen Mullahs „religiöse Nazis und forderte Mitte Februar bei der Münchner Sicherheitskonferenz – zwei Wochen bevor die USA und Israel die jüngste Eskalation starteten – einen Regime Change. Neben neben Trump kondolieren auch Selenskyj, Israels Premier Benjamin Netanjahu und Friedrich Merz Zwei Tage nach der US-Operation gegen Venezuelas Diktator Nicolás Maduro fiel er Trump an Bord der Air Force One ins Wort und setzte das nächste Ziel im „Hinterhof“ der USA: „Wartet nur ab, was mit Kuba passiert“ – Graham lieferte ein Loblied auf Trumps imperialistische Aktivitäten –, „ihre Tage sind gezählt.“ Nun kondolierten neben Trump auch Selenskyj und Israels Premier Benjamin Netanjahu. Friedrich Merz schrieb: „I will miss him.“ Er werde Graham vermissen, „ein wahrer Freund und Partner Deutschlands im transatlantischen Bündnis“. Die CDU war mit dem Maga-Politiker gut vernetzt. Graham nannte Trump einst einen „rassistischen, fremdenfeindlichen, religiösen Fanatiker“ Trump und Graham waren jedoch nicht immer gute Freunde. Als Konkurrenten im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur übte Graham 2015 harsche Kritik. Trump sei ein „rassistischer, fremdenfeindlicher, religiöser Fanatiker“, sagte Graham bei CNN. „Wissen Sie, wie man Amerika wieder großartig macht? Sagen Sie Donald Trump, er soll zur Hölle fahren.“ Neben Grahams Tod erschüttert die republikanische Partei derzeit auch das Rätselraten um den Gesundheitszustand des bekannten US-Senators Mitch McConnell. Ein vierwöchiger Krankenhausaufenthalt des 84-jährigen Republikaners hat in Washington Spekulationen genährt, das Kongress-Urgestein sei unheilbar krank. Folgen für die US-Zwischenwahlen? McConnell war am 14. Juni ins Krankenhaus eingeliefert worden. Sein Büro erklärte dazu lediglich, der frühere Mehrheitsführer erhalte eine „ausgezeichnete Versorgung“. Medien berichteten, Rettungskräfte seien wegen einer bewusstlosen Person zu McConnells Adresse gerufen worden, es seien Schritte zur Wiederbelebung eingeleitet worden. Bestätigt wurden die Angaben nicht. Im Kongress musste McConnell kurz zuvor von Mitarbeitern gestützt und im Rollstuhl zu Terminen geschoben werden. Graham wollte im November zur fünften Wiederwahl bei den Midterms antreten. Er und McConnell, der bereits seinen Rückzug bekanntgegeben hatte, machen eine Lücke im Senat auf für die mit Spannung erwarteten Wahlen. Trumps Partei muss um jeden Sitz und die knappe Mehrheit kämpfen, um den Kongress für den Präsidenten auf Kurs zu halten. Anfang Juli stellte die „New York Times“ die Frage: „Ruinieren alte Menschen die US-Demokratie?“ Dahinter stand eine Rezension des Buchs „Gerontocracy in America“ von Samuel Moyn. Es postuliert eine (Über-)Macht der Älteren (Gerontokratie) und erinnert an den Wahlkampf von 2024: Joe Biden (81) gegen Trump (damals 78, seit Juni 80): „Es war leider im Trend, alte Menschen zum Sündenbock zu machen, weil sie die Macht mit aller Kraft festhielten.“ Genau daran arbeitet sich Moyn dann aber ab. Und wie schon bei Biden zeigt sich jetzt die Fragilität dieser (frei nach Moyn) „Oldiegarchie“.