DAX +0,25 % 26.457,66 Pkt 11:37:11 MDAX +0,22 % 32.296,89 Pkt 11:37:12 Euro Stoxx 50 +0,56 % 6.570,61 Pkt 11:37:00 Dow Jones -0,38 % 53.770,27 Pkt 22:43:59 S&P 500 -0,06 % 7.748,50 Pkt 22:36:53 Nasdaq -0,06 % 26.588,49 Pkt 23:15:59 Nikkei +1,16 % 68.308,59 Pkt 08:45:03 Gold +0,61 % 4.436,00 USD 11:42:10 Silber -1,26 % 64,73 USD 11:41:53 Brent -1,66 % 87,50 USD 11:42:07 WTI -1,75 % 81,81 USD 11:42:11 Bitcoin +0,47 % 63.699,57 USD 11:52:06 EUR/USD -0,09 % 1,15340 USD 11:51:20 EUR/GBP +0,07 % 0,85500 GBP 11:52:12 EUR/CHF +0,05 % 0,93670 CHF 11:52:11 EUR/JPY -0,06 % 183,746 JPY 11:52:12

USA drängen Ukraine zu Zurückhaltung bei Angriffen

Welt

Das Schwarze Meer ist einer der wichtigsten Schauplätze des Drohnenkriegs. Ukrainische Mittelstreckendrohnen nehmen nicht nur die russischen Versorgungsrouten an Land ins Visier, sondern greifen auch Ziele auf dem Wasser an. Allein seit dem 6. Juli hat die Ukraine laut eigenen Angaben etwa 220 Schiffe getroffen, die mit Russland in Verbindung stehen, mehr als die Hälfte davon im Asowschen Meer. Diese Angriffe dienen teilweise direkten militärischen Zwecken. Meist geht es aber darum, den Export von Rohstoffen zu verhindern, der für Moskaus Finanzierung des Krieges von zentraler Bedeutung ist. Umschlagsplatz für Öl aus Kasachstan Auf Drängen der USA unterliegen diese Angriffe seit Anfang August gewissen Einschränkungen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg vergangene Woche berichtete und die «Financial Times» am Mittwoch bestätigte, hat sich die Ukraine bereit erklärt, keine Schiffe mehr anzugreifen, die in Noworossisk kasachisches Erdöl laden. Der russische Schwarzmeerhafen ist der wichtigste Umschlagsplatz für Öl aus dem zentralasiatischen Binnenland. Vom kasachischen Tengis-Feld am Kaspischen Meer an die russische Schwarzmeerküste gelangt das Rohöl über eine 1500 Kilometer lange Röhre, die vom Caspian Pipeline Consortium (CPC) betrieben wird. Auch die Infrastruktur des CPC im Hafen von Noworossisk soll laut der Vereinbarung geschont werden. Tatsächlich gab es seit Beginn des Monats keine Angriffe mehr auf entsprechende Schiffe oder Anlagen. Laut der «Financial Times» hat der amerikanische Vizepräsident J. D. Vance am 31. Juli während eines Telefonats mit dem ukrainischen Staatschef Wolodimir Selenski um die Einschränkung der Angriffe gebeten. Amerikanische Geschäftsinteressen Die USA möchten keine zusätzlichen Verwerfungen auf dem Ölmarkt, der wegen der Blockade der Strasse von Hormuz ohnehin stark angespannt ist. Die CPC-Röhre transportiert etwa 2 Prozent des weltweit geförderten Rohöls. Diese Mengen sind vor allem für die Belieferung europäischer Raffinerien von grosser Bedeutung. Hinzu kommen konkrete Geschäftsinteressen amerikanischer Firmen. Der Energiekonzern Chevron hält 15 Prozent an der CPC-Pipeline und 50 Prozent an der Gesellschaft, die das kasachische Ölfeld Tengis ausbeutet. Das Unternehmen ExxonMobil ist zu 25 Prozent an der Fördergesellschaft beteiligt. Im Juli hatten ukrainische Angriffe auf Öltanker in Noworossisk und die dortigen Hafenanlagen zu vorübergehenden Lieferunterbrüchen über die CPC-Pipeline und einer drastischen Erhöhung der Kosten für Transport und Versicherung des Öls geführt. Es wurde auch mindestens ein Tanker getroffen, der im Auftrag von Exxon unterwegs war. Auch Kasachstan beobachtet die Entwicklung im Schwarzen Meer mit Sorge. Dass Präsident Kasym-Schomart Tokajew vor zwei Wochen Wladimir Putin bei einem Treffen unerwartet direkt dazu aufrief, den Krieg zu beenden, dürfte auch damit zu tun haben. Eine Abkehr von der Balance-Politik des zentralasiatischen Landes zwischen Russland und dem Westen bedeutet das aber nicht. Dafür ist der grosse Nachbar im Norden zu wichtig. Laut Medienberichten hat die Regierung in Astana dem russischen Onlinehändler Wildberries die Bewilligung erteilt, Warenhäuser in Kasachstan zu errichten, um sie vor ukrainischen Drohnenangriffen zu schützen. Beziehungspflege mit Washington Die Vereinbarung zwischen Washington und Kiew ist ein Kompromiss. Grundsätzlich ist der Ukraine jede Handelstätigkeit mit Russland ein Dorn im Auge. Auch beim Export von kasachischem Öl verdient Moskau über Transitgebühren Geld. Doch Kiew kann es sich nicht leisten, amerikanische Interessen zu ignorieren. Beim erwähnten Telefonat mit Vance kam Selenski erneut auf den dringenden Bedarf an Patriot-Abwehrlenkwaffen zu sprechen, ohne die sich die Ukraine nicht gegen russische Raketenangriffe schützen kann. Auch mit Blick auf den angekündigten Besuch der amerikanischen Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner in Kiew möchte man das bilaterale Verhältnis nicht belasten. In Moskau ist man ebenfalls um Gesten des guten Willens bemüht. Die beiden Sondergesandten des amerikanischen Präsidenten, werden auch in der russischen Hauptstadt erwartet. Am Dienstag entliess Russland einen amerikanischen Staatsbürger vorzeitig aus der Haft und erlaubte ihm die Rückkehr in die USA, angeblich ohne Gegenleistung. In der Regel besteht Russland vor einem solchen Schritt auf die gleichzeitige Entlassung eines russischen Gefangenen. Russische Angriffe auf Odessa Der Drohnenkrieg im Schwarzen Meer wird dennoch weitergehen. Kiew behält sich das Recht vor, auch weiterhin Schiffe anzugreifen, die das CPC-Terminal in Noworossisk anlaufen, falls sich diese in russischem Besitz befinden oder sonst ukrainischen Sanktionen unterliegen. Schläge gegen Ziele ohne Bezug zum CPC werden ohnehin fortgeführt, auch in Noworossisk. In der Nacht auf Mittwoch führte die ukrainische Armee einen neuerlichen kombinierten Angriff auf den russischen Hafen durch. Dabei wurden vier Kriegsschiffe im Marinestützpunkt von Noworossisk beschädigt. Auch mindestens zwei Terminals für die Verladung von Getreide kamen zu Schaden. Gleichzeitig zerstört Russland seinerseits im Westen des Schwarzen Meeres gezielt ukrainische Exportkapazitäten. Die Angriffe auf die Häfen bei Odessa und dort liegende Schiffe haben in letzter Zeit spürbar zugenommen. Wie zu Beginn des Krieges will Moskau erreichen, dass die Ukraine ihre landwirtschaftlichen Produkte nicht mehr auf dem Seeweg ausführen kann.

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