USA hängen an 34 Billionen Dollar aus dem Ausland – wächst der Zweifel?
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USA hängen an 34 Billionen Dollar aus dem Ausland – wächst der Zweifel?
Von: Stephan Kaufmann
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Ausländer finanzieren die Staatsschulden und den KI-Boom der USA mit insgesamt 34 Billionen Dollar. Wenn ihre Zweifel wachsen, könnten Aktien, Anleihen und Dollar gleichzeitig abstürzen.
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump will die globale Vorherrschaft der Vereinigten Staaten sichern – ökonomisch, militärisch, technisch. Dabei ist sie allerdings abhängig vom Kapitalzufluss aus dem Ausland: Der finanziert große Teile der Verschuldung Washingtons und damit der Aufrüstung. Das ist aber nur ein Bruchteil der Summe, die in den Technologieboom fließt, aus dem sich das Wirtschaftswachstum der USA derzeit speist. Trumps Plan der „KI-Dominanz“ der USA hängt an ausländischem Kapital, was umgekehrt bedeutet: Die Erreichung dieser Dominanz ist eine gigantische Wette, bei der die ganze Welt ihre Einsätze platziert hat.
Um Trumps Steuersenkungen zu finanzieren, um die Konjunktur zu fördern und die Militärausgaben zu erhöhen, legt die US-Regierung riesige Schulden auf. Das Haushaltsdefizit dürfte in diesem Jahr – wie bereits in den Vorjahren – bei sechs Prozent der Wirtschaftsleistung liegen. Zum Vergleich: Deutschland kommt nicht mal auf die Hälfte. Bemerkenswert ist die US-Verschuldung vor dem Hintergrund, dass die Vereinigten Staaten derzeit keine wirtschaftliche Krise durchlaufen – die Arbeitslosigkeit ist gering und die Unternehmensgewinne erreichen Rekordhöhen.
In der Folge sind die Staatsschulden der USA auf 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gestiegen. Da die Schulden absehbar schneller steigen als das BIP, dürfte dieser Wert bis 2036 auf 120 Prozent zulegen, wie das parteiunabhängige Congressional Budget Office schätzt. Der Rekordwert lag bislang bei 106 Prozent kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.
Zur Finanzierung ihres Defizits greift die US-Regierung auf internationale Geldgeber zurück. Ausländer halten derzeit US-Staatsanleihen im Wert von rund neun Billionen Dollar, das ist etwa ein Drittel der gesamten ausstehenden US-Staatsschuld. Ausländische Hauptgläubiger sind Japan, Großbritannien und China.
Was die Welt Washington leiht, ist aber nur ein Bruchteil der Summe, die sie in den US-Boom bei Künstlicher Intelligenz (KI) steckt. Weltweit schätzt die US-Investmentbank Goldman Sachs die KI-Investitionen von Unternehmen auf eine Billion Dollar in diesem Jahr. Rund 60 Prozent davon entfallen auf die USA. Das treibt dort das Wirtschaftswachstum an: Laut Commerzbank nahmen die Investitionen in IT und Software im zweiten Quartal um weitere zehn Prozent zu – „nach geradezu weißglühenden 30 Prozent im 1. Quartal“.
KI als Hebel gegenüber dem Ausland
KI ist aber für die USA nicht nur ein Konjunkturmotor, sondern auch ein politischer Hebel gegenüber dem Ausland. So nutzen laut Ifo-Institut knapp 88 Prozent der deutschen Unternehmen technische Produkte von US-Anbietern, 31 Prozent sehen sich stark von ihnen abhängig. „Die Bereitschaft zum Wechsel ist da, das Angebot fehlt“, sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest.
Daher sollen nach Trumps Wunsch die KI-Investitionen in den USA weiter steigen. Zwar ist weiter unklar, ob sie sich je rentieren werden. An der Börse wird dennoch auf den Erfolg der US-amerikanischen KI spekuliert – und die ganze Welt spekuliert mit: Während ausländische Investoren US-Staatsanleihen im Wert von rund neun Billionen Dollar halten, gehören ihnen US-Aktien im Wert von knapp 25 Billionen Dollar. Die Nettokäufe von US-Aktien durch ausländische Investoren waren im Jahr bis März doppelt so hoch wie die Zuflüsse in Staatsanleihen – die größte Differenz seit Beginn der Aufzeichnungen. „Die Welt vergibt nicht mehr so viele Kredite an Washington wie früher und hat begonnen, in das Silicon Valley zu investieren“, erklärt der Investor Aaron Brown beim Finanzdienst Bloomberg.
Insgesamt stehen die USA damit tief in der Schuld des Auslands. Das zeigt die sogenannte Nettoauslandsvermögensposition, die sämtliche Finanzforderungen von US-Adressen an das Ausland sämtlichen US-Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland gegenüberstellt. Netto ergibt sich hier ein Minus von 21 Billionen Dollar, knapp zwei Drittel des US-BIP. Das bedeutet: „Die Vereinigten Staaten exportieren weltweit Finanzforderungen auf künftige Erträge“, so das Internationale Bankeninstitut IIF. Oder anders gesagt: Die USA schulden der Welt das Wachstum, auf das weltweit spekuliert wird.
Was aber geschieht, wenn Zweifel an diesem Wachstum aufkommen? Bei den US-Staatsschulden zeigen sich erste Risse: Für 30-jährige Kredite musste Washington zuletzt einen Zins von mehr als fünf Prozent zahlen, das war so viel wie im Jahr 2001. Denn die Anleger verlangen angesichts steigender Staatsverschuldung und Inflationsrisiken eine Zinsprämie.
Bei US-Aktien sind derartige Vorbehalte der Anleger bisher nicht zu entdecken, der KI-Boom an der Börse scheint intakt. Sollten jedoch Zweifel aufkommen, könnte es jedoch ernst werden. Denn die Zeiten haben sich geändert: Ging es früher mit den US-Börsen bergab, flüchteten die Anleger in sichere US-Staatsanleihen, der Dollar stieg. „Heute aber suchen ausländische Investoren nach Renditen aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz“, erklärt Brown, „und auf Aktienkursverluste reagieren sie nicht mit einer Umschichtung aus US-Aktien in US-Anleihen, sondern mit der Rückkehr in ihre Heimat.“
Eine Vorahnung davon habe es im April 2025 gegeben: Der S&P-500-Aktienindex fiel innerhalb einer Woche um zwölf Prozent, nachdem Präsident Trump erstmals Zölle angekündigt hatte. Statt wie früher zu steigen, fielen US-Staatsanleihen parallel zu US-Aktien, die Anleiherendite stieg von 4,0 auf 4,6 Prozent und der Dollar fiel ab. Aktien, Anleihen und die Währung – alle gaben gleichzeitig nach.