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USA: Hoffnungsträger der Demokraten Jon Ossoff greift Trump an

Welt

Hoffnungsträger der Demokraten

"Er ist jemand, der sich gegen Donald Trump auflehnt"

Eine Reportage von David Schafbuch

21.10.2026 - 12:43 UhrLesedauer: 5 Min.

Jon Ossoff gilt als eines der größten politischen Talente der US-Demokraten. Aber er beteuert, dass er kein Interesse hat, Präsidentschaftskandidat zu werden. Wer ihm zuhört, könnte daran Zweifel haben.

David Schafbuch berichtet aus Atlanta

Gleich zu Beginn wurde Jon Ossoff deutlich. Vergangene Woche lautete bei einer TV-Debatte die erste Frage, ob er plane, Präsidentschaftskandidat für die Demokraten bei der Wahl 2028 zu werden. Es folgte ein scharfes Dementi: "Null Interesse" habe er daran.

Ossoff tritt dieser Tage bei einer anderen Wahl an: Er möchte bei den Zwischenwahlen im November als Senator des Bundesstaats Georgia wiedergewählt werden. Das Amt wolle er die vollen sechs Jahre ausüben, versichert er derzeit regelmäßig.

Trump im Weißen Haus: Alle Informationen im Newsblog

US-Zwischenwahlen: Das sagen die Umfragen

Dem Rummel um seine Person tut das allerdings kein Abbruch. Nicht wenige politische Beobachter sehen in ihm nämlich trotz der Absage einen Politiker, der für Höheres bestimmt sein könnte. Die "New York Times" schrieb schon im Juni über ihn: "Wenn man im Labor den idealen Kandidaten für 2028 erschaffen würde, sähe er – und seien wir ehrlich, es wird wahrscheinlich ein Mann sein – Ossoff sehr ähnlich."

Trotzdem beteuert Ossoff weiter, er habe kein Interesse daran, sich um den Posten im Weißen Haus zu bewerben. Wer ihm allerdings zuhört, nimmt eine andere Botschaft wahr: die eines Politikers, der eine Wiederwahl als Senator anstrebt, aber längst Ziele formuliert, die weit über dieses Amt hinausgehen.

Zur Person

Vor seiner Karriere als Politiker leitete Jon Ossoff, geboren 1987 in Atlanta, zwischen 2013 und 2021 eine Produktionsfirma für Dokumentarfilme. Während dieser Zeit entstanden etwa Recherchen über Korruptionsfälle im Fußball oder Vergewaltigungen von jesidischen Frauen durch IS-Terroristen. 2017 scheiterte er erstmals bei einer Wahl für das US-Repräsentantenhaus. 2021 wurde er zum Senator in Georgia gewählt. Seitdem ist er der heute 39-jährige der jüngste Senator im Kongress. Laut Umfragen liegt er bei der aktuellen Wahl teilweise mehr als zehn Prozentpunkte vor seinem republikanischen Herausforderer Mike Collins. Bei der Präsidentschaftswahl 2024 hatte Donald Trump den Bundesstaat Georgia gewonnen.

An einem Samstagabend hat Ossoff in einen Kongresssaal in seiner Heimatstadt Atlanta zu einer Wahlkampfveranstaltung eingeladen. Deutlich mehr als 1.000 Menschen sollen laut dem Hallenbetreiber dort Platz finden. Spricht man mit Besuchern, findet man Themen wieder, die Ossoff schon vor seiner Politkarriere als Journalist beschäftigt hatten: Er habe etwa mit einer Untersuchung Missbrauchsfälle im Pflegesystem für Kinder aufgedeckt, lobt etwa Tabatha Cook. Das sei ihr wichtig, denn schließlich seien die Kinder die Zukunft.

"Er hat ein Problem gesehen und es gelöst", meint Cook dazu. Ossoff wird später sagen, es erstaune ihn selbst, dass die Menschen in den USA es schlicht nicht gewohnt seien, wenn man sich wirklich um sie kümmern möchte.

Bevor der Politiker die Bühne betritt, spricht ein Farmer davon, wie es Ossoff gelungen ist, die indischen Einfuhrzölle für Pekannüsse um 70 Prozent zu senken. Georgia ist das größte Anbaugebiet der Nüsse in den USA. Und: "Er ist jemand, der sich gegen Donald Trump auflehnt", meint Besucher David Schaer. Bis vor einigen Jahren habe sich Schaer noch als unabhängiger Wähler gesehen. Doch seit Trump erstmals ins Weiße Haus gewählt wurde, unterstützt er die Demokraten.

Ähnlich sieht es auch eine Besucherin, die sich als Caroline vorstellt. Ossoff sei gut für Georgia und für Washington. Noch vor einigen Jahren habe sie und ihre gesamte Familie die Republikaner gewählt. Doch mittlerweile stehe Caroline auf der Seite der Demokraten. Auch den Rest ihrer Familie habe sie davon überzeugt. Die Trump-Regierung sei dagegen nichts anderes als ein "Zirkus", klagt die junge Frau.

Ossoff ist spätestens seit einer Aktion vor einigen Monaten in den USA einem größeren Publikum bekannt, als er Trump auf eine ungewöhnliche Art angriff: Es interessiere den Präsidenten nicht, den Iran-Krieg zu beenden, sagte der 39-Jährige in einer Wahlkampfrede. "Er möchte seinen Ballsaal errichten und mit Natalie in seinem offenbar schutzlosen fliegenden Palast reisen, den ihm der Emir von Katar geschenkt hat", sagte der Politiker unter dem Jubel seiner Anhänger.

Er spielte damit auf Trumps Assistentin Natalie Harp an: Trump hatte im Juli bei seiner Rückreise vom Nato-Gipfel in der Türkei wegen Drohungen aus dem Iran den Flieger gewechselt. Zunächst unbemerkt war Trump mit wenigen Gefolgsleuten mit einem Cateringwagen zu einer anderen Maschine geschleust worden. Zu ihnen zählte auch Harp.

"Mar-a-Lago-Mafia"

Die Aussage blieb nicht ohne Wirkung: Viele Trump-Unterstützer empfanden, dass Ossoffs Spruch unter die Gürtellinie gegangen sei, und überzogen ihn mit Beschimpfungen. Der Name des Senators ist seitdem aber auch vielen Amerikanern außerhalb Georgias ein Begriff.

Als Ossoff, blaues Hemd, hochgekrempelte Ärmel, an diesem Abend die Bühne in Atlanta betritt, ist Natalie Harp kein Thema. Der Präsident und andere Mitglieder seines Umfelds dagegen umso mehr: Etliche Male nennt Jon Ossoff Trump einen "Gauner", dessen Gefolgschaft die "Mar-a-Lago-Mafia". Die aktuelle US-Regierung sei die korrupteste, die es je gegeben habe, und jeder wisse das, so Ossoff.

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Die Beispiele dazu liefert Ossoff gleich mit: Er weist etwa darauf hin, wie der Nationale Sicherheitsberater der Vereinigten Arabischen Emirate eine halbe Milliarde Dollar in das Kryptounternehmen der Trump-Familie investiert haben soll. Oder wie die US-Regierung 1,6 Milliarden Dollar in Kasachstan in einen Rohstoffdeal investiert, bei dem laut Informationen der "New York Times" auch die Söhne von Trump mitverdienen.

"Eliten, die sie selbst hassen"

Die Erzählung, nach der Ossoff seinen Wahlkampf ausrichtet, ist größer, als es bloße Korruptionsvorwürfe sind: Es sei nicht zu akzeptieren, dass Trump und seine Gefolgsleute sich die Taschen vollmachen, während für alle anderen Amerikaner das Leben immer teurer werde. "Sie sind buchstäblich die Eliten, die sie selbst hassen", wirft Ossoff der Trump-Regierung vor.

Trump sei aber nicht die Wurzel der Korruption in den USA, sondern lediglich ein Symptom. Es sei schon vor ihm üblich gewesen, dass sich große Firmen und wohlhabende Spender politische Macht erkaufen, hebt Ossoff hervor. Dieses System gelte es zu reparieren, weil es für die Amerikaner nicht mehr funktioniere: "Man arbeitet härter und härter, aber das Laufband wird immer nur schneller und steiler."

Zum Ende seiner Rede zeichnet der Politiker ein größeres Bild davon, wie er sich die USA vorstellt: Er wolle seinen beiden Töchtern eine andere Welt hinterlassen als die heutige. Ossoff spricht von Umweltverschmutzung, Bedrohungen durch Nuklearwaffen oder durch Künstliche Intelligenz. Man könne all das ändern, und es beginne damit, dass Ossoff die kommende Wahl gewinne.

Enges Rennen um Spitzenposition

Spricht so tatsächlich jemand, dem es ausschließlich um seine Wiederwahl geht? Es könne schon sein, dass er seinen Hut bei den Präsidentschaftswahlen in den Ring wirft, glaubt David Schaer. Im Saal sind viele andere noch skeptisch: Erst mal gelte es, die Senatswahl zu gewinnen. Denn Umfragen könne man nicht mehr trauen, heißt es von einigen Besuchern. Aber vorstellen können sich viele der Unterstützer, dass Ossoff eines Tages ins Weiße Haus möchte.

Landesweit haben schon viele Ossoff auf der Liste. Wenn Umfrageinstitute nach potenziellen Präsidentschaftskandidaten fragen, wird sein Name abgefragt. Auf den US-Wettportalen Kalshi und Polymarket liefert er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Spitzenposition: Der Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, hat in den vergangenen Monaten einen großen Vorsprung eingebüßt. Ossoff liegt gerade mit ihm und der Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez fast gleichauf auf Rang eins.

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