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USS Lincoln fast neun Monate im Dauereinsatz - die Verzweiflung wächst

Welt

KI-Stimme. Info „Ich glaube, meine Tochter denkt inzwischen, dass sie nie nach Hause kommt.“ Der Satz fiel kürzlich bei einem Treffen von Angehörigen der Besatzung des Flugzeugträgers „USS Abraham Lincoln“ mit der Marine-Führung im kalifornischen San Diego. Rund 200 Familienmitglieder waren gekommen, einige weinten, andere wurden laut. Sie wollten vor allem wissen: Wann kommen unsere Väter, Mütter, Söhne und Töchter zurück? Eine Antwort blieb ihnen verwehrt. Seit dem 21. November 2025 ist der atomgetriebene Flugzeugträger im Einsatz. Was als ungefähr siebenmonatige Mission begann, wurde zweimal verlängert. Knapp 5000 Frauen und Männer leben und arbeiten seit fast neun Monaten auf dem 333 Meter langen Militär-Giganten. Zwar war die „Lincoln“ nicht neun Monate ununterbrochen auf See: Im Dezember lief sie den Pazifik-Stützpunkt Guam an, Anfang Juli Oman. Doch dazwischen verbrachte sie 208 Tage ohne Hafenaufenthalt auf See – nach Angaben der Navy länger als jeder moderne amerikanische Flugzeugträger zuvor. USS Lincoln: Crew leidet unter Toilettenproblemen und Versorgungsmängeln Die „Lincoln“ funktioniert. Wie lange das noch für ihre Mannschaft gilt, ist fraglich. Frische Berichte des TV-Senders MS NOW (früher MSNBC), der mit Angehörigen von Besatzungsmitgliedern sprach und Mitschnitte von Treffen mit der Navy auswertete, zeichnen ein prekäres Bild. Berichtet wird nicht mehr nur wie schon vor einigen Wochen über verstopfte oder ausgefallene Toiletten, Probleme mit Duschen und Waschmaschinen, fehlende Hygieneartikel, lange Schlangen vor den Essensausgaben und zeitweise Schwierigkeiten mit Lebensmitteln und Post. Noch schwerer wiegen die Schilderungen über die angerauhte Psyche der Besatzung. Angehörige berichten von Matrosen, die erschöpft, gereizt oder verzweifelt seien. Bonnie York, deren Stiefsohn auf dem Träger dient, sagte nach Gesprächen mit ihm, die Moral sei schlecht. Ein medizinischer oder psychologischer Betreuer an Bord habe nach ihrer Darstellung gewarnt, die Besatzung müsse bald einen Hafen erreichen, sonst würden Menschen „anfangen, den Verstand zu verlieren“. Eine andere Mutter erzählte bei dem Treffen in San Diego, ihre Tochter habe inzwischen Angst, auf dem Schiff zu sterben. Solche Aussagen, die man schon von der USS Gerald Ford kennt, lassen sich von außen nicht medizinisch überprüfen. Dass ein monatelanger Einsatz ohne verlässliches Enddatum die Menschen an Bord außergewöhnlich belastet, bestreitet jedoch auch die US-Navy nicht. Deutsch-Iraner vor Hinrichtung: Warum Gazelle Sharmahd vor jedem Samstag zittert Ein Jahr Proteste: „Wenn die Mullahs bleiben, hat der Iran keine Chance“ Proteste im Iran: 70-Jährige kämpft zum zweiten Mal für eine Revolution Flugzeugträger sind schon in normalen Zeiten Arbeitsplätze am Anschlag: Schichtbetrieb rund um die Uhr, gefährliche Starts und Landungen auf engstem Raum, Lärm, Hitze, Schlafmangel – und kaum Privatsphäre. Seit Ende Februar kommt der Krieg gegen Iran hinzu. Kampfflugzeuge der „Lincoln“ flogen viele Einsätze gegen iranische Ziele; der Träger unterstützt amerikanische Operationen rund um den Persischen Golf und die Straße von Hormus. Beschwerden über Verpflegung auf der „Lincoln“ sorgen für Diskussionen Dabei war die „Lincoln“, anders als gelegentlich dargestellt, zuvor nicht am Venezuela-Einsatz beteiligt. Dort kam vor allem die „USS Gerald R. Ford“ zum Einsatz. Die „Lincoln“ war zunächst im Pazifik unterwegs und wurde dann im Januar in Richtung Nahost beordert. Schon im Frühjahr waren Beschwerden über das Essen an Bord öffentlich geworden. Bilder zeigten kärgliche und wenig appetitliche Mahlzeiten. Verteidigungsminister Pete Hegseth tat entsprechende Berichte als „Fake News“ ab. Die Navy erklärte, sämtliche Besatzungen erhielten genügend Lebensmittel und ausgewogene Mahlzeiten. An dieser Linie hält das Pentagon im Grundsatz fest. Commander Joseph Hontz von der 5. US-Flotte räumt zwar ein: „Mehr als 250 Tage Einsatz sind eine Herausforderung für die Besatzung und ihr Gerät.“ Gleichzeitig betont die Navy, die „Lincoln“ sei „vollständig in der Lage, sämtliche Einsatzaufträge zu erfüllen“. Berichte über schwere Schäden am Flugdeck weist sie zurück. „Eine mechanische Betrachtungsweise“, sagen Kritiker. Militärische Einsatzbereitschaft werde in Washington traditionell an Flugzeugen, Raketen, Reaktoren und Startbahnen gemessen. Die Belastbarkeit von Menschen lasse sich schwerer in Tabellen fassen. Eine Frau berichtete in San Diego, ihr Mann habe seine während des Einsatzes geborene Tochter noch kein einziges Mal im Arm gehalten. Die Navy verweist auf Seelsorger und psychologische Betreuung an Bord. Vizeadmiral Joseph Cahill versicherte den Familien, man höre ihre Sorgen „laut und deutlich“ und wisse, welchen Tribut der Dauereinsatz von Soldaten und Angehörigen fordere. Immerhin zeichnet sich eine Ablösung ab. Die ebenfalls in San Diego stationierte „USS Theodore Roosevelt“ wird auf einen neuen Einsatz vorbereitet. Der amtierende Marineminister Hung Cao bestätigte Angehörigen, dass ihre Trägergruppe die „Lincoln“ im Nahen Osten ablösen soll. Wann genau, hält die Navy aus Sicherheitsgründen geheim. Flugzeugträger der US-Armee: USA kämpfen mit Personalmangel auf hoher See So wird das Symbol amerikanischer Seemacht zunehmend zum Sinnbild eines größeren Problems. Die USA besitzen elf Flugzeugträger. Doch Wartungszeiten, Ausbildung und mehrere Parallel-Krisen reduzieren die Zahl der tatsächlich verfügbaren Schiffe. Einen Träger kann Washington vergleichsweise schnell von einem Meer ins andere schicken. Mit Menschen funktioniert das nicht. Nach fast neun Monaten Einsatz stellt sich auf der „Abraham Lincoln“ deshalb diese Frage: Was nützt ein vollkommen einsatzfähiges Schiff, wenn seine Besatzung nervlich am Limit angekommen ist?

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