Veit Lang ist 19 - und hat bereits einen Uniabschluss mit Bestnote
Veit Lang ist 19 – und hat bereits ein Studium hinter sich. Mit 14 Jahren begann er ein sogenanntes Frühstudium. Fünf Jahre später hat er nicht nur zehn Semester sowie sein Abitur in der Tasche, sondern auch einen Bachelor-Abschluss in Mathe und Physik. Die Note? 1,0.
Als ihm das Zeugnis an diesem Tag vom Leiter der Julius-Maximilian-Universität (JMU) in Würzburg in die Hand gedrückt wird, lächelt Veit Lang. 180 Punkte für die Teilnahme an Lehrveranstaltungen hätte er gebraucht, Lang hat 243 Punkte gesammelt. "Wenn mir Mathe nicht Spaß machen würde, hätte ich mich nicht für diesen Weg entschieden", sagt Lang – dunkle Locken, Baumwollsakko, offenes Lächeln – bei der Zeugnisübergabe. Er spricht mit fester Stimme und Händen, die seine Worte unterstreichen, während er den Blickkontakt zu den ihm gegenübersitzenden Journalistinnen sucht.
Was Veit Lang als Spaß bezeichnet, bedeutet in diesem Fall, dass der junge Mann aus dem unterfränkischen Hörblach in den letzten Jahren ein bis zwei Lehrveranstaltungen in der Woche besuchte – Mathe und Physik. Dafür blieb er nach einer Vereinbarung mit seiner Schule dem Matheunterricht fern – schließlich war es ausgerechnet seine Mathelehrerin am Egbert-Gymnasium in Münsterschwarzach, die vor einigen Jahren bemerkte: Er ist mit seinem Wissen und Interesse besser im Frühstudium an der JMU aufgehoben.
Mit Riesen im Hörsaal
Doch als er das erste Mal im Hörsaal saß, überkamen ihn Ängste: "Die Studierenden um mich herum waren Anfang 20, quasi Riesen für mich", sagt er. "Ich dachte mir: Was, wenn sie herausfinden, dass ich erst 14 bin?" Manchmal musste er auch sagen: Da kann ich nicht, da hab ich Schule. Im Laufe der Zeit habe er aber schöne Bekanntschaften an der Uni gemacht, auch mit anderen Frühstudierenden.
Pro Semester schreiben sich für das Frühstudium an der JMU etwa 50 bis 60 Schülerinnen und Schüler ein. Seit über 20 Jahren gibt es dieses Programm, doch Veit Lang hat etwas geschafft, das es so bisher nicht gab: Lang studierte nicht nur wie die meisten Schüler im Vorstudium ein Fach, sondern Mathe und auch Physik. Während viele der Frühstudierenden den Unialltag oft für ein oder zwei Semester kennenlernen, blieb er über zehn Semester und machte auch seinen Abschluss. Letzteres gelang erst einem Frühstudierenden vor ihm.
Wie es dazu kam? Im Corona-Lockdown langweilte sich der damals 14-Jährige, der sich schon immer für Naturwissenschaften interessiert hatte. Veits Vater schlug ihm vor, sich am Computer frei zugängliche Vorlesungen anzuhören. Wie dort über Mathe gesprochen wurde, ließ den damals 14-Jährigen nicht mehr los. "An der Mathematik liebe ich die Gedankenstruktur dahinter, das Analysieren", sagt er. Es falle ihm nicht schwer, mehrere Stunden konzentriert über mathematische Gleichungen nachzudenken.
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Und doch hat es nicht nur Vorteile, wenn man herausragend begabt ist und als Wunderkind gilt. "Es gibt viele Vorurteile über Mathematiker", sagt Lang. Er spricht vom Klischee des Einzelgängers, der zu Hause hockt und über Formeln grübelt. "So bin ich nicht", sagt Lang.
In seiner Freizeit stemmt er Gewichte im Fitnessstudio und hat Tennis gespielt. Er verbringt gerne Zeit mit seinen Freunden – die mitunter gar nichts mit Mathe anfangen können – und geht mit ihnen auf Weinfeste. "Ich habe mir nie gedacht: Sowas macht ein Mathematiker nicht", sagt Lang, bevor er mit einem Lachen ergänzt: "Aber ich sage auch immer zu meinem Vater: Ich bin Mathematiker, ich kann auch nicht ganz normal sein." Die Frage, ob er mal einen IQ-Test gemacht hat, verneint er: "Ob ich jetzt einen höheren oder niedrigeren IQ habe, es würde für mich nichts ändern."