Ventilatoren und andere begehrte Kühlgeräte vergriffen - und nun?
Hitze in Deutschland Klimaanlagen bis Herbst ausverkauft Von dpa, t-online, jb Aktualisiert am 15.07.2026 - 11:13 UhrLesedauer: 4 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Wer nach Ventilatoren oder Klimageräten sucht, braucht Geduld und Glück. Viele Händler erwarten in diesem Sommer keine neue Ware mehr. Die Temperaturen in Deutschland übersteigen vielerorts wieder die 30-Grad-Marke, der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat tropische Nächte vorhergesagt. Die Folge: Ventilatoren und Klimageräte sind in vielen Geschäften vergriffen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zeigt. Die Nachfrage sei explodiert, sagt Steffen Kahnt, Geschäftsführer des Bundesverbands Technik des Einzelhandels (BVT). Die Geräte seien weitestgehend ausverkauft. Tropische Nacht Eine Topennacht bedeutet, dass die Lufttemperatur zwischen 18 und 6 Uhr nicht unter 20 Grad Celsius sinkt. Wie ist die Situation bei den Händlern? Hornbach: Bei der Baumarktkette sind nur noch vereinzelt Ventilatoren verfügbar, mobile Klimageräte nicht mehr, sagt ein Sprecher. Einen Liefertermin für Nachschub gebe es derzeit nicht. Bauhaus: Bei Ventilatoren und mobilen Klimageräten sind einzelne Modelle nach Angaben eines Sprechers regional ausverkauft, andere je nach Markt in begrenzter Anzahl verfügbar. Die Filialen werden aktuell mit neuer Ware beliefert. "Weitere Mengen werden in diesem Sommer jedoch nicht mehr erwartet", heißt es. Neue Bestellungen träfen erst im Herbst ein. MediaMarktSaturn: "Aufgrund der anhaltenden Hitzeperiode verzeichnen wir weiterhin eine sehr hohe Nachfrage nach Ventilatoren und Klimageräten", teilt die Elektronikfachmarktkette mit. Besonders angespannt ist die Lage bei mobilen Klimageräten. Die Filialen erhalten in diesen Tagen erneut Nachschub. Für die laufende Sommersaison seien dann keine Nachlieferungen mehr zu erwarten. Euronics: Die Nachfrage übersteige vielfach das Angebot, heißt es. Einige Modelle seien nur noch eingeschränkt verfügbar oder ausverkauft. Weitere Warenlieferungen werden in den kommenden Wochen erwartet. Otto: "Bei uns sind derzeit noch ausreichend Ventilatoren und Klimageräte erhältlich", sagt ein Sprecher. Besonders preiswerte Geräte seien kurzfristig ausverkauft gewesen, sollten aber in den nächsten zwei Wochen wieder verfügbar sein. Expert: "Viele Geräte sind inzwischen ausverkauft, sodass aktuell nur noch vereinzelt Restbestände verfügbar sind", sagt eine Sprecherin. Nur in einzelnen Märkten könnten Kunden noch fündig werden. Nachlieferungen kämen jedoch regelmäßig. Wurde der Einzelhandel vom Wetter überrascht? "Das Ausmaß dieser Entwicklung war nur schwer vorhersehbar", heißt es von Euronics. Die Bedarfsplanung orientiere sich an den Erfahrungen und Verkaufszahlen der Vorjahre. Vergleichbar langanhaltende Hitzeperioden seien bislang die Ausnahme gewesen. Bezahlbare und qualitativ gute Geräte ließen sich nicht per Knopfdruck nachliefern, erklärt BVT-Geschäftsführer Kahnt. Produktion und Transport bräuchten Zeit. Zudem könne der Handel keine riesigen Vorräte für heiße Wochen bereithalten – das würde enorme Lagerkosten verursachen und viel Kapital binden. Mit dem Risiko, dass die Geräte im schlimmsten Fall bis zum nächsten Sommer im Lager stünden. Gibt es Alternativen? Als Alternative kommen fest installierte Split-Klimaanlagen infrage. Sie sind leistungsfähiger und effizienter, aber auch teurer. Geräte seien zwar ausreichend vorhanden, teilt der Verband Deutscher Kälte-Klima-Fachbetriebe mit. Allerdings seien die Betriebe so stark ausgelastet, dass ein Einbau nicht kurzfristig möglich sei. Die durchschnittliche Wartezeit liegt bei rund drei Monaten. Wichtig: Die Anlagen dürfen nur von zertifizierten Betrieben installiert werden. Laut Verband dürfen die Geräte jedoch nur von zertifizierten Betrieben installiert werden. Der Grund: Die Anlagen arbeiten mit Kältemitteln, die bei unsachgemäßem Einbau entweichen können. Da es sich bei der Installation zudem um eine bauliche Maßnahme handelt, müssen Mieter zudem vorab ihre Vermieter um Erlaubnis fragen. Wie verbreitet sind Klimaanlagen? Laut einer YouGov-Umfrage haben bereits 17 Prozent aller Haushalte eine Klimaanlage. Jeder Fünfte (20 Prozent) plant, sich eine zuzulegen. Der Anteil ist damit innerhalb eines Jahres deutlich gestiegen. Im Juli 2025 lag er noch bei 10 Prozent. 15 Prozent besaßen damals bereits eine. Besonders ausgeprägt sind die Kaufpläne bei Menschen zwischen 25 und 54 Jahren – bis zu 27 Prozent von ihnen beabsichtigen, sich eine Klimaanlage zuzulegen. 17 Prozent aller Befragten besitzen bereits ein solches Gerät, 60 Prozent möchten sich keines anschaffen. YouGov befragte am 8. Juli mehr als 3.300 Menschen ab 18 Jahren in Deutschland, knapp ein Jahr zuvor am 31. Juli 2025 nahmen gut 3.000 an der Umfrage teil. Der Begriff Klimaanlage war dabei nicht näher definiert. Er umfasst sowohl Split-Anlagen als auch mobile Klimageräte, bei denen die warme Luft über einen Abluftschlauch nach draußen geleitet wird. Loading... Loading... Loading... Wie hat sich der Verkauf entwickelt? Der Absatz von Raumklimageräten – meist Split-Klimaanlagen – stieg zwischen 2023 und 2025 von rund 260.000 auf 320.000 Stück, wie der Fachverband Gebäude-Klima mitteilt. Für 2026 liegen noch keine Zahlen vor, weiteres Wachstum wird aber erwartet. 2020 waren bereits etwa 350.000 Geräte abgesetzt worden. Die meisten Anlagen stammen von asiatischen Herstellern wie Panasonic, Mitsubishi, LG und Daikin, werden aber großteils in Europa produziert. Mobile Klimageräte sind in den Daten nicht enthalten. Was hilft noch bei Hitze? Wer kein Geld für eine Klimaanlage hat oder keine installieren darf, kann auf andere Maßnahmen zurückgreifen, um das Aufheizen der Wohnräume zu verhindern – oder zumindest zu minimieren. Die hilfreichste Maßnahme ist, nur morgens und nachts zu lüften, wenn sich die Luft draußen noch nicht aufgeheizt hat. Tagsüber sollten dann die Fenster geschlossen, die Rollos heruntergelassen und die Vorhänge zugezogen bleiben. Für die Nacht hilft ein ungewöhnlicher, aber dennoch einfacher Trick: Eine Wärmflasche mit kaltem Wasser zwischen die Oberschenkel legen. Die Kälte verteilt sich über die Blutbahnen im Körper und bringt zumindest etwas Erholung.