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Vergewaltigung? Deutsche erhebt Vorwürfe gegen israelische Soldatinnen

Welt

Journalistin im Einsatz Deutsche: Wurde von israelischen Soldatinnen vergewaltigt Von Tobias Schibilla Aktualisiert am 17.07.2026 - 14:17 UhrLesedauer: 4 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Israelische Soldatinnen sollen sie gedemütigt und sogar vergewaltigt haben. Nun erhebt die deutsche Journalistin Anna Liedtke Anklage in Israel. Die deutsche Journalistin und Aktivistin Anna Liedtke erhebt schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter des israelischen Strafvollzugs. Wie sie dem britischen "Guardian" schilderte, sei sie nach der Aufbringung eines Gaza-Hilfsschiffs im Oktober 2025 während ihrer fünftägigen Haft mehrfach gegen ihren Willen entkleidet und in einem Fall von Gefängniswärterinnen vergewaltigt worden. Die 25-Jährige, vertreten von der israelischen Menschenrechtsorganisation Adalah, hat inzwischen Strafanzeige in Israel eingereicht. Nach Angaben des "Guardian" richtet sich die Beschwerde an die israelische Generalstaatsanwältin, den Rechtsberater des Gefängnisdienstes Israel Prison Service (IPS), die Ermittlungsbehörde für Gefängnispersonal (Yahas) sowie den Kommandeur des Givon-Gefängnisses. Ziel ist eine strafrechtliche Untersuchung der Vorwürfe. Liedtke begleitete "Gaza Flotilla" Liedtke war Ende September 2025 an Bord der "Conscience" von Süditalien aus in Richtung Gazastreifen aufgebrochen. Das Schiff der Freedom Flotilla Coalition, auf dem Medienschaffende und medizinisches Personal mitfuhren, gehörte zu einer Flottille mit rund 145 Teilnehmern, die die israelische Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen wollte. Am 8. Oktober 2025 wurde die "Conscience" nach Angaben der Aktivisten in internationalen Gewässern von israelischen Streitkräften gestoppt und in den Hafen von Aschdod gebracht. Anschließend wurde die Deutsche fünf Tage lang festgehalten – zunächst im Wüstengefängnis Ketziot, ab dem 10. Oktober im Abschiebegefängnis Givon. Am 12. Oktober 2025 wurde sie nach Jordanien abgeschoben. Empfohlener externer Inhalt Wir benötigen Ihre Einwilligung, um den von unserer Redaktion eingebundenen X -Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren X -Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren. X-Inhalte immer anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen. Liedtke ist Mitglied der sozialistischen Frauenorganisation Zora und war nach eigenen Angaben als Journalistin an Bord. Die Journalistenschutzorganisation Committee to Protect Journalists (CPJ) führt ihren Fall in ihrer Datenbank zu inhaftierten Medienschaffenden. Journalistin schildert sexuellen Übergriff Im Gespräch mit dem "Guardian" beschreibt Liedtke drei Leibesvisitationen, die nach ihrer Darstellung gegen ihren ausdrücklichen Willen durchgeführt wurden – im Hafen von Aschdod, im Gefängnis Ketziot und schließlich in Givon. Besonders schwer wiegt der Vorwurf einer Vergewaltigung bei der dritten Durchsuchung am 10. Oktober 2025 im Givon-Gefängnis. "Sie begannen, mich zu berühren. Ich sagte Nein. Ich sagte ihnen, dass ich nicht angefasst werden möchte und dass sie mir wehtun", zitiert die Zeitung die 25-Jährige. Als sie sich gewehrt habe, hätten mehrere Wärterinnen sie festgehalten, auf die Knie gezwungen und ihr den Mund zugehalten. Eine der Frauen habe sie anschließend gegen ihren Willen penetriert – nach israelischem Recht gilt jede nicht einvernehmliche Penetration als Vergewaltigung. Währenddessen habe sie männliche Sicherheitskräfte lachen hören. Weil der Bereich nur durch einen teilweise geöffneten Vorhang abgetrennt gewesen sei und in israelischen Gefängnissen zahlreiche Überwachungs- und Körperkameras im Einsatz seien, hält Liedtke es für möglich, dass der Übergriff gefilmt wurde. Öffentlich gemacht hatte Liedtke den Vergewaltigungsvorwurf bereits im Dezember 2025 auf einer Konferenz zu politischen Gefangenen in Paris – als erste Teilnehmerin der Flottille. Neu sind die Strafanzeige und ihr erstes Interview dazu. Liedtke sieht in dem Vorgehen kein individuelles Fehlverhalten, sondern System: "Es ist klar, dass sie unseren Willen brechen und uns zum Schweigen bringen wollen", sagte sie dem "Guardian". Ziel sei es gewesen, die Aktivisten so zu traumatisieren, dass sie sich künftig nicht mehr für die Rechte der Palästinenser engagierten. Israel weist Vorwürfe zurück Die israelischen Behörden bestreiten die Vorwürfe entschieden. Ein Sprecher der israelischen Armee erklärte dem "Guardian", man weise sämtliche Misshandlungsvorwürfe gegen die an der Aufbringung der Flottille beteiligten Soldaten zurück. Für weitere Fragen verwies das Militär an den Israel Prison Service (IPS). Auch der Gefängnisdienst widersprach den Schilderungen: "Die in Ihrer Anfrage beschriebenen Behauptungen werden kategorisch zurückgewiesen und sind völlig unbegründet", erklärte ein Sprecher laut "Guardian". Der IPS weise "jede Behauptung über Vergewaltigung, sexuelle Übergriffe oder systematischen Missbrauch durch sein Personal" zurück. Unabhängig bestätigt sind Liedtkes konkrete Vorwürfe bislang nicht. Vorwurf: Sexualisierte Gewalt als Mittel der Kriegsführung Liedtkes Schilderung steht allerdings nicht allein. Mehr als ein Dutzend weitere Flottillen-Teilnehmer haben laut "Guardian" von sexuellen Übergriffen in israelischer Haft berichtet, überwiegend anonym. Der italienische Journalist Vincenzo Fullone machte öffentlich, er sei dreimal vollständig entkleidet und invasiven, schmerzhaften Analuntersuchungen unterzogen worden, begleitet von Verhöhnungen und Beschimpfungen. Die australische Polizei ermittelt seit Mai zu Folter- und Vergewaltigungsvorwürfen heimgekehrter Flottillen-Aktivisten, in Frankreich hat die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen an französischen Staatsbürgern in israelischer Haft eröffnet. Großbritannien sprach Berichte über sexuelle Übergriffe in israelischen Haftanstalten im Juli im UN-Sicherheitsrat an. Auch die Vereinten Nationen erheben seit Längerem schwere Vorwürfe: Eine unabhängige UN-Untersuchungskommission kam im März 2025 zu dem Schluss, israelische Sicherheitskräfte setzten sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt gegen Palästinenser zunehmend "als Methode der Kriegsführung" ein; erzwungenes Entkleiden, sexuelle Belästigung und Übergriffe seien Teil des Standardvorgehens geworden. Loading... Loading... Loading... Im Mai 2026 setzten die Vereinten Nationen Israel zudem auf ihre Schwarze Liste der Konfliktparteien, die für sexualisierte Gewalt verantwortlich gemacht werden. Die israelische Menschenrechtsorganisation B'Tselem hatte bereits 2024 Gewalt und sexuelle Übergriffe in israelischen Haftanstalten dokumentiert, darunter in Ketziot. Hinweis der Redaktion: Von sexualisierter Gewalt Betroffene erhalten beim Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" unter der Nummer 116 016 rund um die Uhr kostenlos und anonym Unterstützung. Das "Hilfetelefon Sexueller Missbrauch" berät Betroffene am Montag, Mittwoch und Freitag jeweils von 9 bis 14 Uhr und dienstags und donnerstags von 15 bis 20 Uhr unter der Telefonnummer 0800 22 55 530.

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