Verkehrsminister vertagen Diskussion um neue ÖPNV-Ticket-App
Einsteigen und losfahren
Diskussion über neue einheitliche ÖPNV-App vertagt
Stand: 21.10.2026 17:21 Uhr
Bald könnte im ÖPNV ein Ticketsystem eingeführt werden, das fast zu gut klingt, um wahr zu sein: Eine App, mit der sich Fahrgäste ganz einfach ein- und auschecken können. Die in Bussen und Bahnen deutschlandweit genutzt werden kann. Und die selbst für Gelegenheitsfahrer nicht teurer ist, als das Deutschlandticket. Auch die Verkehrsminister haben die App auf der Agenda.
von Juliane Neubauer, MDR AKTUELL
Der Favorit wird schon in Halle genutzt.
App berechnet das Ticket automatisch zum günstigsten Preis.
Mitteldeutsche Ministerien loben präzise Abrechnung für Verkehrsbetriebe.
Es gibt einen Favoriten für den deutschlandweiten ÖPNV-Ticket-Standard. Die App "Fairtiq" ist schon seit 2019 in Deutschland auf den Markt. Die Hallesche Verkehrs-AG gehörte zu den ersten, die das App-basierte Check-in/Check-out System nutzten, so Iris Rudolph, Pressesprecherin der Stadtwerke Halle.
"Wir haben sehr gute Erfahrungen mit der App 'Fairtiq' gemacht. Wir sind auch schon seit 2019 dabei und waren quasi eines der ersten Verkehrsunternehmen deutschlandweit, was die App genutzt hat. Und es ist natürlich toll, dass die Fahrgäste, die auch von weit her und nicht aus Halle kommen, mit "Fairtiq" hier in bezahlen können."
Beim Ein- und Aussteigen einfach wischen
Und das geht so: Die App auf dem Smartphone installieren, durch ein Wischen die Fahrt aktivieren und sie genauso nach dem Ausstieg auch wieder beenden. Die App berechnet dann automatisch das Ticket zum günstigsten Preis. Ob es zum Beispiel eine Kurzstrecke ist, oder sich ein Tagesticket lohnt. Und bei 63 Euro, dem Monatspreis des Deutschland-Tickets, ist Schluss. Mittlerweile können die App auch Gelegenheitsfahrer im Verkehrsverbund Oberelbe, Mittelthüringen, bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben und einigen anderen nutzen.
Das Schweizer Unternehmen "Fairtiq" ist aktuell eines der erfolgreichsten in Europa mit diesem Angebot. Die Verhandlung auf der Verkehrsministerkonferenz, darüber, das System deutschlandweit zu standardisieren, ist für Clara Dewes, bei Fairtiq zuständig für die Vermarktung in Deutschland, spannend: "Das ist für uns auf jeden Fall ein sehr wichtiger Termin. Unser Produktversprechen ist es ja, dass wir die Zugangshürden zum ÖPNV für die Fahrgäste abbauen wollen."
Verkehrsministerium lobt genaue Abrechnung für Verkehrsbetriebe
Das gleiche Ziel verfolgen auch die Mitteldeutschen Verkehrsministerien. Auf Nachfrage von MDR AKTUELL hebt das Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur die Vorzüge der App gegenüber dem Deutschlandticket hervor. Durch das Ein- und Auschecken könne genau verfolgt werden, welche Verkehrsbetriebe genutzt werden und so könnten auch die Ticketeinnahmen an die gelangen, die am meisten Kunden und Kundinnen befördern.
Clara Dewes von "Fairtiq" hält ihre Erwartungen an die Verkehrsministerkonferenz zurück. "Es soll ja auch erstmal um die Ausarbeitung eines Konzepts gehen, so habe ich das verstanden in der Presse. Und wenn das beschlossen wird, dann unterstützen wir da sehr gerne mit unserer Expertise." Fairtiq habe eine bundesweite Abdeckung in der Schweiz, in Dänemark und in Österreich, also sehr viel Expertise.
"Pro Bahn" für bundesweite App
So wie auch eine Hand voll andere Anbieter, die ein ähnliches Konzept anbieten. Michael Koch vom Bundesverband "Pro Bahn" hat die App auch schon genutzt und praktisch gefunden. Er kann sie sich als bundesweiten Standard gut vorstellen: "Es ist grundsätzlich zu begrüßen, dass diese App eingeführt wird. Es ist jedoch darauf zu achten, dass immer der günstigste Preis ausgegeben wird und es nicht davon abhängig ist, dass das in der App richtig konfiguriert ist oder der Fahrgast bestimmte Sachen richtig eingestellt hat."
Die App kann übrigens auch unabhängig von einer Internetverbindung genutzt werden. Wer im Funkloch die Fahrt beendet, kann zwar nicht direkt zum Abbrechen der Ticketnutzung wischen, mit der nächsten Internetverbindung weiß das Gerät aber über die gespeicherten Standorte, wie weit das Ticket genutzt wurde.
MDR (tli)