Verletzter Flydubai-Pilot schildert erstmals Angriff im Cockpit
Nach dem Messerangriff eines Co-Piloten im Cockpit einer Flydubai-Maschine hat der verletzte Kapitän den Vorfall geschildert. Er habe in den Minuten nach der Attacke um sein Leben gekämpft, sagte der indische Flugkapitän Smit Machchhar dem indischen Premierminister Narendra Modi in einem Videotelefonat.
Ihm sei klar gewesen, dass er wieder aufstehen müsse, um das Leben der Menschen an Bord zu retten, sagte Machchhar, der derzeit in einem Krankenhaus in Abu Dhabi behandelt wird. "Ich hatte so viele Wunden. Ich war zu Boden gestürzt", berichtete er aus dem Krankenhaus mit bandagiertem Kopf und Schläuchen in der Nase.
Beim Gedanken an den Angriff kamen dem Kapitän die Tränen. "Ich kämpfte um mein Leben. Irgendwann wurde mir klar: Wenn ich nicht aufstehe ..., dann würden die Passagiere ihr Leben verlieren."
Kapitän als Held gefeiert
Machchhar war am Mittwoch von seinem Co-Piloten mit einem Messer schwer verletzt worden, wie das saudische Innenministerium nach ersten Erkenntnissen mitteilte. Dennoch gelang es ihm, die Cockpittür zu öffnen, sodass Passagiere eindringen und den Angreifer überwältigen konnten. Währenddessen verlor die Boeing 737 rasch an Höhe, wie Zeugen und israelische Behörden erklärten.
Nach Angaben der Plattform Flightradar24 sank das Flugzeug innerhalb von etwa einer Minute von rund 10.000 auf 5.100 Meter. Wie Flydubai mitteilte, übernahm eine auf dem Flug mitreisende andere Crew das Flugzeug und konnte es schließlich im saudi-arabischen Tabuk notlanden.
Politiker würdigten Machchhar dafür, eine mögliche Katastrophe verhindert zu haben. Modi bezeichnete ihn als Helden. Die Maschine mit 174 Menschen an Bord war auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv. Die meisten Passagiere waren Israelis.
Ermittlungen in den VAE laufen
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben angekündigt, den Vorfall aufzuklären. In Israel gehen viele Medien und Politiker davon aus, dass der Co-Pilot versucht habe, das Flugzeug zum Absturz zu bringen - von einem verhinderten Terroranschlag ist die Rede.
Saudi-Arabien teilte mit, der Co-Pilot sei am Donnerstag in Begleitung eines "Sicherheitsteams aus den VAE" in die Emirate überstellt worden. Erste Ermittlungen hätten ergeben, dass der aus dem Oman stammende Co-Pilot den Kapitän des Flugzeugs angegriffen habe. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu warf ihm eine islamistische Gesinnung vor. Dies bekräftigte er in einer Videobotschaft. "Wir untersuchen derzeit, ob er geschickt wurde, und wer auch immer ihn geschickt hat, wird einen sehr hohen Preis dafür zahlen", so Netanjahu.
Auf eine mögliche Beteiligung Irans angesprochen, erklärte Netanjahu, es sei zu früh für eine Einschätzung. Israel habe vor dem Vorfall keine konkrete Warnung erhalten.
Trump droht Iran
US-Präsident Donald Trump geht bereits davon aus, dass der Angriff unter Beteiligung Irans erfolgte. Danach gefragt, ob Iran damit etwas zu tun habe, sagte Trump: "Ich würde sagen, die Antwort lautet - nach dem, was ich höre - ja. Aber wir arbeiten gerade daran."
Für den Fall einer iranischen Beteiligung drohte Trump der Islamischen Republik mit schwerwiegenden Konsequenzen. "Sie werden sehr hart getroffen werden, keine Sorge", sagte der US-Präsident.
Flüge ausgesetzt - Israelis in VAE gestrandet
Viele israelische Reisende sitzen derzeit in den Emiraten fest und warten darauf, nach Israel zurückkehren zu können. Die emiratische Gesellschaft Flydubai hatte zuvor nämlich angekündigt, ihre Flüge von und nach Israel auszusetzen, solange die Untersuchungen des gewaltsamen Vorfalls von Mittwoch andauerten. Laut Medienberichten sollen deshalb mehr als 10.000 Israelis in Dubai und an anderen Orten gestrandet sein.
Eine erste Maschine der Airline Arkia, die diese Menschen zurück nach Israel bringen soll, hob israelischen Medien zufolge am Nachmittag in Dubai ab. In den kommenden Tagen sind weitere Rückholflüge geplant.
Zuvor hatte die israelische Fluggesellschaft El Al geplante Rückholflüge verschoben. Es gab offenbar zunächst keine Landeerlaubnis für israelische Airlines. Die Vereinigten Arabischen Emirate hätten diese inzwischen erteilt, berichteten israelische Medien.