Verliert Trump den Rückhalt der Republikaner?
Während US-Präsident Donald Trump vor allem aus eigennützigen Motiven den Bau von KI-Rechenzentren unterstützt, lehnen immer mehr republikanische Politiker und Wähler die Ressourcenfresser ab. Das Thema könnte die Partei kurz vor den Midterms spalten.
Eine Analyse
von Lukas Hermsmeier
Dieser Text enthält eine Einordnung aktueller Ereignisse, in die neben Daten und Fakten auch die Einschätzungen von Lukas Hermsmeier sowie ggf. von Expertinnen oder Experten einfließen. Informiere dich über die verschiedenen journalistischen Textarten.
Die Konservativen in den USA haben ein neues Streitthema. Es geht um die zahlreichen Rechenzentren, die derzeit landesweit errichtet werden. Während US-Präsident Donald Trump den Bau der Datacenter vehement vorantreibt, steht ein zunehmend großer Teil seiner Partei dieser Entwicklung inzwischen kritisch gegenüber.
In dieser Woche hat sich der Konflikt weiter zugespitzt. Trump schrieb am Montag auf seiner Plattform Truth Social, dass diejenigen Communitys, die sich den Datacenters widersetzten, "rückständig und arm" enden würden. Wer hingegen "erfolgreich und reich" sein wolle, lasse "die Daten regieren".
Trump reagierte damit auf den wachsenden Widerstand gegen Rechenzentren. Diese ablehnende Bewegung setze seiner Meinung nach die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit der USA aufs Spiel. "China könnte über diese Anti-Data-Center-Bewegung nicht glücklicher sein", so Trump weiter.
Trumps finanzielle Motive für den Bau von Rechenzentren
Kein anderes Land baut derzeit so viele Rechenzentren wie die USA. Laut "Euro News" gibt es bereits über 5.400 im ganzen Land (Stand: 2025), weitere 3.000 sollen auf dem Weg sein. Größter Treiber für den Ausbau ist die wachsende Nachfrage im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI). Seit Trump im Januar 2025 ins Weiße Haus zurückgekehrt ist, hat er verschiedene politische Maßnahmen getroffen, um dieser Branche das Geschäft zu erleichtern.
Dass Trump diese Entwicklung unterstützt, ist nicht sonderlich überraschend. Hinter dem Boom stehen große Tech-Konzerne wie OpenAI, Oracle, Meta und Amazon. Trump wiederum wird von diesen Unternehmen finanziell unterstützt, ist mit der Tech-Branche grundsätzlich eng verbandelt. Zu seinen wichtigsten Spendern im Wahlkampf 2024 zählten die Unternehmer Elon Musk und Ralph Ellison, die beide umfassend in KI investieren.
Dazu kommt, dass Trumps Familie auch privat vom KI-Hype profitiert. Sowohl der Präsident selbst als auch seine Söhne Eric Trump und Donald Trump Jr. besitzen Aktien im Millionenwert bei KI-orientierten Firmen. Wie das Online-Recherche-Portal "More Perfect Union" kürzlich enthüllte, habe Trump zudem mindestens 25 Millionen Dollar in diverse Unternehmen gesteckt, die für die physische Entwicklung von Rechenzentren zuständig sind.
Mehrheit gegen Rechenzentren
Trumps Problem: Bis auf wenige Profiteure hält sich die Euphorie für KI im Land stark in Grenzen. In den USA hat sich innerhalb kürzester Zeit eine massive Skepsis gegenüber der gesamten Industrie entwickelt. Zum Teil ist sie in offene Feindschaft umgeschlagen.
Der Widerstand gegen die Rechenzentren ist längst nicht nur ein Thema progressiver Kräfte. Auch immer mehr republikanische Wähler und Politiker sehen die Entwicklungen kritisch. Dort, wo die Ressourcen-schluckenden Einrichtungen entstehen, werden Wassermangel, erhöhte Strompreise, überlastete Versorgungsinfrastrukturen und Umweltschäden beobachtet. Zusätzlich fürchten viele Menschen einen massenhaften Verlust von Arbeitsplätzen.
Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage für das Magazin "The Economist" sehen 51 Prozent der amerikanischen Bevölkerung die Errichtung neuer Rechenzentren als "schlecht für das Land". Lediglich ein Fünftel der Befragten hält den Bau für positiv. Auffällig ist, dass sich die Stimmung auch an der rechten Basis verschoben hat. Während 39 Prozent der republikanischen Wähler neue Datacenter ablehnen, sind nur 31 Prozent dafür.
Noch deutlicher ist das Ergebnis einer Umfrage von Heatmap Pro and Embold Research. Demnach lehnen zwei Drittel der republikanischen Wähler den Bau von Rechenzentren in ihrem direkten Umfeld ab. Bemerkenswert sind auch die Resultate einer Umfrage von Data for Progress aus dem Juni: Darin sprachen sich 67 Prozent der demokratischen und 58 Prozent der republikanischen Wähler für ein temporäres Verbot neuer Rechenzentren aus. Ein entsprechendes Moratorium wird von immer mehr Politikern gefordert.
Wandel auch bei den Republikanern
Die Haltung innerhalb der US-Politik hat sich spürbar gewandelt. Wie die Washington Post Ende August in einer Analyse darlegte, betonen die Vertreter beider großer Parteien inzwischen vor allem die Probleme, die die KI-Rechenzentren mit sich bringen. Die Zeitung wertete dafür die Online-Posts republikanischer und demokratischer Politiker aus. Waren diese noch bis ins letzte Jahr mehrheitlich positiv, sind sie heute überwältigend negativ.
Als ein Beispiel wird der republikanische US-Senator Jon Husted aus Ohio genannt. 2024 unterstützte Husted den Bau eines Google-Projektes in seinem Bundesstaat mit den Worten, dass Rechenzentren "unerlässlich für unser digitales Leben" seien. In diesem Frühjahr hingegen brachte er eine Gesetzesvorlage in den Senat ein, um die Bevölkerung vor den "Kosten neuer Rechenzentren" zu schützen.
Wie Husted haben sich viele andere republikanische Politiker in Reaktion auf den wachsenden Unmut ihrer Wählerschaft gegen einen uneingeschränkten Datacenter-Boom positioniert. So zum Beispiel auch der texanische Gouverneur Greg Abbott, lange Zeit ein Befürworter, der heute Regulierungen unterstützt. Abbotts Umschwenken erklärt sich wohl nicht zuletzt damit, dass er im November wiedergewählt werden will.
Alarm hinter den Kulissen
Trump und die Republikaner stehen knapp zwei Monate vor den Midterms also vor einem selbstverschuldeten Dilemma. Einerseits will der US-Präsident seine Geldgeber aus der Tech-Branche nicht verprellen und ist auch aus privaten Motiven an einer KI-Entfesselung interessiert. Andererseits steht Trumps Unterstützung für Rechenzentren immer stärker im Widerspruch mit der republikanischen Basis.
Könnte dieses Problem die sich abzeichnende Niederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen im November besiegeln?
Wie verschiedene Medien berichten, herrscht im republikanischen Lager jedenfalls Alarmstimmung. So habe sich das National Republican Senatorial Committee kürzlich mit einem Memo an die großen KI-Unternehmen gewandt. Weil der Unmut über die Maschinenparks zu einem dominierenden Wahlkampfthema geworden sei, müssten die KI-Firmen effektivere PR betreiben, heißt es darin. Sollte das nicht gelingen, würden am Ende sowohl die Konzerne als auch die Republikanische Partei leiden.
Kritik aus den eigenen Reihen
Manch republikanischer Politiker wagt bereits die offene Konfrontation mit Trump. "Dann bin ich wohl rückständig und arm", sagte der Kongressabgeordnete Tim Burchett aus Tennessee Anfang der Woche in Reaktion auf Trumps entsprechende Aussage. Burchetts Fraktionskollege Tom Barrett aus Michigan gibt in einem Wahlkampfvideo an, in Sachen Rechenzentren "gegen seine eigene Partei aufgestanden" zu sein.
Andere Republikaner wiederum versuchen, die Verantwortung an den politischen Gegner abzugeben. Ein Beispiel: Tom Tiffany, der in der Gouverneurswahl in Wisconsin antritt, beschuldigt in seinen Kampagnenvideos den demokratischen Kandidaten David Crowley, nicht stark genug gegen die Rechenzentren vorzugehen.
Vizepräsident JD Vance versucht derweil, das Thema herunterzuspielen. Der Widerstand gegen die Rechenzentren erkläre sich einzig durch die gestiegenen Strompreise, sagte Vance in dieser Woche bei einer Veranstaltung in Michigan. Solange die Unternehmen hinter dem KI-Boom nicht das lokale Stromnetz überstrapazierten, seien "Rechenzentren nicht allzu kontrovers", so Vance.
Grundsätzlich ist jedoch festzuhalten, dass Rechenzentren einen enormen Energiebedarf haben. Allein in Deutschland geht man davon aus, dass 2037 zehn Prozent des erzeugten Stroms in den Betrieb dieser Zentren fließt. Zudem haben besonders Rechenzentren in den USA einen riesigen Wasserbedarf. Dieses wird zur Kühlung der Computer verwendet. In Amerika sind zudem Kreislaufkühlungen eher unüblich, was den Wasserbedarf noch einmal stark erhöht. Außerdem erzeugen große Rechenzentren vermehrt Wärme. Untersuchungen ergaben bereits, dass die Temperatur in der Nähe dieser Einrichtungen um mehrere Grade ansteigen kann.
Gesellschaftliche Dimensionen
Die Realität ist anders als von Vance beschrieben. US-Amerikaner geben ein großes Spektrum von Gründen an, warum sie Rechenzentren ablehnen, seien es Umweltverschmutzung, eine Entwertung ihrer Grundstücke oder fehlende Transparenz der Konzerne.
Im Konflikt um die Rechenzentren würden ganz grundsätzliche Fragen verhandelt, schreibt der renommierte Journalist David Wallace-Wells in einem neuen Artikel für die "New York Times". Es gehe darum, "was Fortschritt eigentlich ausmacht, wie die Zukunft aussehen wird und wer die Bedingungen festlegt, unter denen sich die Bürger den Visionen der Technologen und ihrer Geldgeber unterwerfen", so Wallace-Wells.
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Einfach abschütteln lässt sich das Thema für die Republikaner also gewiss nicht. Und schon bei den Midterms könnte die Partei die Quittung dafür bekommen, dass Trump die Rechenzentren so kompromisslos propagiert. Einer aktuellen Umfrage zufolge vertrauen mehr Amerikaner der Demokratischen Partei, die Themen KI und Rechenzentren politisch anzugehen, als den Republikanern.