Verlust von Wohlstand? Was passiert, wenn AfD in Sachsen
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Folgen für Wohlstand befürchtet: „Wir halten die AfD für eine Katastrophe für Deutschland“
Von: Katja Thorwarth
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Unrealistisch ist ein Sieg der AfD in Sachsen-Anhalt nicht. Mögliche Szenarien werden bereits durchgespielt, auch die Wirtschaft warnt.
Magdeburg – Wenn am 6. September in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt wird, dürfte die AfD als Siegerin hervorgehen. Und dies, obwohl der Landesverband von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund als gesichert rechtsextrem eingestuft wird – die Partei liegt in den Umfragen im Mittel bei 42 Prozent. Zwar heißt das längst nicht, dass sie auch den Ministerpräsidenten stellt, doch Szenarien werden im Falle schon einmal durchgespielt, zumal die AfD auch bundesweit im Trend vorn liegt.
Betrachtet man die wirtschaftlichen Folgen einer AfD-Regierung, so hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) nachgewiesen, dass Regionen mit starkem AfD-Stimmenanteil durch eine AfD-Regierungspolitik überproportional hohe wirtschaftliche Einbußen erleiden würden. Konkret würde eine solche Politik nach der DIW-Kurzstudie die Menschen in Sachsen-Anhalt im Schnitt rund 1600 Euro pro Kopf und Jahr kosten. Als Ursachen nennt die Studie den präferierten Euro- und EU-Austritt, Abschottung, einen Zuwanderungsstopp sowie Kürzungen staatlicher Leistungen.
Wahl in Sachsen-Anhalt: AfD gegen ausländische Arbeitskräfte – doch die erwirtschaften 700 Milliarden Euro
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kommt zu einem ähnlichen Schluss: „Die AfD ist nicht nur eine Gefahr für den Standort Deutschland, sie vergiftet auch den Diskurs“, sagte Knut Bergmann bei der Vorstellung einer Studie des IW bereits 2025. Ein Punkt ist die Tatsache, dass die AfD ausländische Arbeitskräfte abschreckt. Jedoch braucht die Wirtschaft diese, selbst wenn Siegmund Fachkräftemangel mit Familienpolitik und einer höheren Geburtenrate ausgleichen möchte.
Massiver Bevölkerungsschwund
Rund 1,8 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung entfallen auf das Bundesland zwischen Harz und Elbe. Das Bruttoinlandsprodukt lag im vergangenen Jahr nominal bei 81,8 Milliarden Euro, pro Kopf war es mit 38.452 Euro das niedrigste aller Länder. Bei der wirtschaftlichen Entwicklung hinkte Sachsen-Anhalt zuletzt dem bundesweiten Trend hinterher. 24,1 Prozent der Einwohner waren 2025 von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Im Bundesschnitt waren es 21,2 Prozent.
Sachsen-Anhalt hatte nach der Wiedervereinigung mit schweren sozialen Verwerfungen zu kämpfen, die Bevölkerung schrumpft seit Jahrzehnten massiv und überaltert immer mehr. Dies wird sich laut offiziellen Prognosen fortsetzen. Demnach wird die Zahl der Einwohner bis 2040 verglichen mit 2022 um weitere 15 Prozent auf knapp 1,83 Millionen sinken. Bereits seit der Jahrtausendwende büßte Sachsen-Anhalt etwa eine halbe Million Menschen ein, fast ein Fünftel der Bevölkerung.
Um Zahlen zu nennen: In Deutschland erwirtschaften rund 6,7 Millionen ausländische Beschäftigte um die 13,7 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Für das Jahr 2024 waren das 700 Milliarden Euro. Dies zeigt entgegen der AfD‑schen Planung, wie stark ausländische Arbeitskräfte die deutsche Wirtschaft prägen und wie wichtig deren Integration in den Arbeitsmarkt ist.
Ein weiterer Punkt ist die Energiepolitik und die Leugnung des Klimawandels. Die Süddeutsche Zeitung hat aktuell mit Bergmann gesprochen, der näher auf diesen Aspekt eingeht. „AfD-Wähler sind oft sich ausgeliefert fühlende Durchschnittsverdiener, die denken: Erst will man uns das Fleischessen und normale Sprechen verbieten, dann das Dieselauto und die Gasheizung“, wird er von der SZ zitiert. Dazu passt, dass die AfD den Klimawandel leugnet und eine Lebenshaltung propagiert, die sowohl gesundheitliche, als auch klimarelevante Aspekte ignoriert.
Experte warnt vor Landtagswahl vor AfD-Regierung wegen bei Rente, Klima und Energie
Hinzu kommt, dass auf billiges Gas aus Russland, wie es übrigens auch das BSW tut, gesetzt wird, wobei Bergmann hierzu aufklärt: „Es war Wladimir Putin, der die Gaslieferungen nach Deutschland eingestellt hat.“ Was sei der Preis, den Putin verlangte, wollte man wieder russisches Gas beziehen? Antworten auf diese Frage liefert die AfD wohl nicht.
Beim Thema Rente werden die Wahlversprechen noch unrealistischer. Auf 70 Prozent des Durchschnittseinkommens will die AfD die Rente anheben, derzeit sind es 48 Prozent. „Das kostet dreistellige Milliardenbeiträge. Das AfD-Programm sagt insgesamt: Einnahmen runter, Ausgaben rauf, und dabei die Schuldenbremse einhalten. Das geht nicht“, betont Bergmann in der SZ.
„Wir halten die AfD für eine Katastrophe für Deutschland“
Die aufgeführten Punkte werden durch den Hauptgeschäftsführer des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), Reinhard Lüken, bestätigt. Er sieht angesichts der boomenden Branche Herausforderungen, etwa: „Wo finden wir das Personal?“ Nötig seien auch Fachkräfte aus dem Ausland, weshalb Lüken eindringlich vor einer Regierungsbeteiligung der AfD in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt warnt.
„Wir halten die AfD für eine Katastrophe für Deutschland. Die Partei hat keine Lösung, die uns weiterhilft“, erklärte Lüken. Gerade das Thema Fachkräfte könnte bei einer Regierungsbeteiligung der AfD „echt Schaden“ nehmen. Er wies darauf hin, dass nicht nur Mecklenburg-Vorpommern ein wichtiger Werftenstandort sei. Sachsen-Anhalt sei im Binnenschiffbau sogar das Bundesland Nummer 1. Mit Blick auf die AfD betonte er: „Das muss man den Menschen deutlich machen, für die Wirtschaft ist das eine Katastrophe.“ (Quellen: Süddeutsche Zeitung, eigene Recherche, RND, dpa) (ktho)