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Verschollener Forschungsfund - Überraschende Entdeckung

Wissenschaft

Startseite Wissen Verschollener Forschungsfund aus der Arktis: Foto von 1948 führt zu überraschender Entdeckung Von: Tobias Utz Uns auf Google folgen Ein Foto aus dem Jahr 1948 wurde zum Schlüssel: Wissenschaftler haben ein arktisches Fossil als neue Art identifiziert – den größten bekannten Plagiosauriden überhaupt. Bjørnøya/Stuttgart – Das Rätsel um ein Fossil, das die Wissenschaft seit Jahrzehnten beschäftigt hat, wurde offenbar gelöst: Auf der sogenannten Bäreninsel (Bjørnøya), einer Insel zwischen Norwegen und Spitzbergen, entdeckten britische Forscher im Sommer 1948 ein gewaltiges Knochenfragment an einem Berghang. Ohne die nötige Ausrüstung zur Bergung packten sie lediglich einige Stücke ein, fotografierten den Rest und überließen das Fossil dem unwirtlichen Polarboden. Sie gingen davon aus, es werde die arktischen Winter kaum überstehen. Rund 80 Jahre nach diesem ersten Fund steht nun fest: Das Tier gehörte zu einer bislang vollkommen unbekannten Art. Wie das dänische Magazin Illustreret Videnskab berichtet, hat ein deutsch-norwegisches Wissenschaftlerteam unter Leitung von Rainer R. Schoch vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart das Fossil als „Arctobatrachus urdensis“ beschrieben. Die zugehörige Studie erschien im Fachjournal Papers in Palaeontology. Vom Berghang in die Eiseskälte: Das Fossil verschwand für Jahrzehnte Mit einer Körperlänge von etwa 2,7 Metern ist das Tier das bislang größte bekannte Exemplar der Plagiosauriden, einer ausgestorbenen Gruppe flacher, krokodilartiger Raubtiere, die vor mehr als 200 Millionen Jahren in der Trias-Zeit auf der Erde lebte. Als die britische Expedition das Fossil 1948 zurückließ, rechnete niemand damit, dass es die langen Polarnächte überstehen würde. Doch das Gestein bewahrte die Knochen besser als erwartet. Erst im Jahr 1984 stieß eine norwegische Geologengruppe bei Feldarbeiten zufällig auf die Überreste. Im darauffolgenden Jahr 1985 wurde das Plagiosaurier-Fossil aus der Arktis schließlich offiziell ausgegraben. Die Witterung hatte in der Zwischenzeit allerdings erhebliche Schäden angerichtet: Viele Knochen waren durch Frost und Tauwetter in zahlreiche Fragmente zersplittert, was eine vollständige Analyse erheblich erschwerte. Alte Fotos als Schlüssel zur Rekonstruktion des Riesenschädels Genau an diesem Punkt erwiesen sich die fast 80 Jahre alten Aufnahmen von 1948 als unschätzbarer wissenschaftlicher Schatz. Mithilfe der Schwarz-Weiß-Fotografien konnten die Forscher fehlende Partien des massiven Schädels digital rekonstruieren und das Tier zweifelsfrei den Plagiosauriden zuordnen. Massenaussterben öffnete dem Urzeit-Raubtier den Weg nach ganz oben Diese Tiere lebten typischerweise am Grund von Gewässern und lauerten ihrer Beute, ähnlich wie heutige Krokodile, auf. Arctobatrachus urdensis stach jedoch mit großen, eng zusammenstehenden Zähnen, einem außergewöhnlich breiten Rachen und seiner enormen Körpergröße aus dieser Gruppe heraus. Diese Merkmale deuten auf ein Tier an der Spitze der damaligen Nahrungskette hin. „Als mutmaßliche Lauerjäger stellten Plagiosauriden in der Regel kleinere Zeitgenossen der 3–5 m langen, krokodilähnlichen Capitosaurier und Metoposauriden dar, die in den Süßwasserökosystemen der mittleren bis späten Trias die unbestrittene Spitze der Nahrungskette bildeten. In nährstoffreicheren Ökosystemen koexistierten Plagiosauriden mit ihnen und besetzten deren ökologische Nische als bodenlebende Raubtiere auf gut durchlüfteten Seegründen“, so die Autoren der Studie. Fakten zum Plagiosaurus Plagiosauriden lebten in der sogenannten Trias, circa vor 251 bis 201 Millionen Jahren. Das analysierte Exemplar stammt laut Angaben der Wissenschaftler aus der sogenannten Mitteltrias. Was die Tiere auszeichnete, war ihre extrem bizarre Körperform, besonders durch am Boden lebend und flachkörperig auffällig. Laut der Studie lebten diese Kreaturen am Grund von Meeren, Flüssen und Seen. Hauptautor Rainer R. Schoch erklärte gegenüber dem Wissenschaftsportal Phys.org: „Diese Art war eine der vielen, die von einer extrem warmen Periode profitierten, die einige Millionen Jahre zuvor ein umfassendes Massenaussterben ausgelöst hatte.“ Der Klimawandel der Urzeit schuf also erst die ökologischen Nischen, die Tiere wie Arctobatrachus urdensis zu Spitzenräubern aufsteigen ließen. Zudem zeigt die anatomische Analyse, dass die neue Art nahe der Wurzel des Plagiosauriden-Stammbaums einzuordnen ist. Das macht den Fund besonders wertvoll: Er könnte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern helfen, zu verstehen, wie die frühen Vertreter dieser Gruppe von Urzeitraubtieren ursprünglich ausgesehen und gelebt haben.

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