Verschwörungstheorie zu Aufhebung der Schwerkraft - Interview mit Physikerin
rbb: Ich höre raus: Sie sind noch nicht ganz in Weltuntergangsstimmung. Gibt es irgendeinen Fall, wo man auf der Erde die Erdanziehungskraft wirklich verlieren könnte? Dörffel: Die Erdanziehungskraft kommt ja durch die Masse der Erde. Damit die verloren geht, müsste die Erde ihre Masse verlieren. Das ist physikalisch unmöglich, weil man die Masse nicht einfach an- oder ausstellen kann. Was ich in den Videos online gesehen habe, ist, dass viele sagen, es könnte von Gravitationswellen kommen, von zwei schwarzen Löchern. Aber selbst das würde nichts daran ändern, dass die Erde ihre Erdanziehungskraft behält. rbb: Wenn wir uns jetzt aber mal vorstellen: Auf Knopfdruck setzte die Erdanziehungskraft aus. Würden wir dann in der Theorie einfach in die Luft schießen oder steigen wir auf wie ein schwerer Ballon? Dörffel: Es käme darauf an, was man genau in dem Moment macht. Wir müssen dafür kurz eine Physiksache klären. Es gibt etwas, das nennt sich Trägheit. Die sorgt dafür, dass Dinge genau das machen wollen, was sie vorher gemacht haben. Es sei denn, eine zusätzliche Kraft wird auf sie ausgeübt. Das klingt jetzt ein bisschen technisch, heißt aber eigentlich nur: Wenn man einen Ball wirft, landet der irgendwann wieder auf der Erde. Das liegt an der Gravitationskraft. Wenn es diese Kraft nicht geben würde, würde er aufgrund der Trägheit, die er hat, einfach weiter geradeaus nach vorne fliegen. Dieses Trägheitsprinzip gilt nicht nur für Gegenstände, sondern auch für uns. Wenn man beispielsweise läuft oder hüpft, stößt man sich dabei ja vom Boden ab. Und wenn die Gravitation aussetzen würde, gäbe es keine Kraft mehr, die einen zurück zum Boden holt. Das heißt: Man würde nach oben fliegen wie Spiderman. rbb: Man müsste sich also ganz genau überlegen, was man am Mittwoch um 15 Uhr, 32 Minuten und 59 Sekunden gerade für eine Bewegung macht. Dörffel: Genau. Im Auto würde es auch spannend beziehungsweise fatal. Die Erde ist ja rund und das Auto fährt durch die Gravitation auf dieser Kreisbahn. Aber wenn man keine Gravitation hat, würde das Auto nicht mehr auf diesem großen Kreis fahren, sondern geradeaus weiter – und dann würde es ein bisschen vom Boden abheben. Dadurch könnten wir dann nicht mehr lenken oder bremsen. rbb: Würden Sie aus physiktechnischer Sicht empfehlen, beim Weltuntergang, wenn die Schwerkraft aussetzt, lieber in geschlossenen Räumen oder draußen zu bleiben? Dörffel: Auf jeden Fall nicht auf einem Trampolin und nicht im Straßenverkehr. Draußen wäre noch schlimmer als drinnen, denn abgesehen von den unkontrollierten Ausflüssen gibt es noch eine Sache, die man beachten müsste: Die Atmosphäre, also die ganze Luft, wird durch die Gravitation am Boden gehalten. Das heißt: Wenn es keine Gravitation mehr gibt, würde uns die Luft abhauen. Das gleiche gilt übrigens für Wasser, das wird auch durch die Gravitation im tiefen Meer gehalten. Das heißt: Es würde auch nach oben gehen. Das ist jetzt erst mal ein Problem mit sieben Sekunden, aber wenn dann die Gravitation wiederkommt, würde die Luft auf einen Schlag wieder nach unten kommen. Das würde richtig heftige Winde und Stürme und im Wasser Tsunamis auslösen.