Verstaubtes Bild für 30 Dollar bringt 1,35 Millionen Dollar
Ein Mann entdeckt auf einem Nachlassverkauf in den USA ein verstaubtes Bild in einer dunklen Ecke – und erkennt die Signatur einer berühmten Künstlerin. Jetzt wurde das Werk für ein Vielfaches seines Kaufpreises versteigert.
Ein kleines Ölgemälde, das für gerade einmal 30 Dollar auf einem Nachlassverkauf im US-Bundesstaat Michigan erstanden wurde, hat bei einer Auktion in New York 1.352.600 Dollar (rund 1,24 Millionen Euro) eingebracht. Damit wurde ein neuer Weltrekord für ein Werk der amerikanischen Künstlerin Gertrude Abercrombie aufgestellt, wie das Auktionshaus Freeman's mitteilte.
Millionen-Gemälde: Zufallsfund in einer dunklen Ecke
Das Bild befand sich während des Nachlassverkaufs laut Freeman's in einer dunklen Ecke – übersehen von allen anderen. Ein Mann erkannte die kaum sichtbare Signatur "Abercrombie, '51" auf dem dunklen Hintergrund und griff für 30 Dollar zu.
Um seine Vermutung zu überprüfen, besuchte der Käufer anschließend eine Ausstellung zu Werken Abercrombies im Milwaukee Art Museum, wie "CNN" berichtet. Im Ausstellungskatalog stieß er auf ein Zeitungsfoto von 1952 – es zeigte genau dieses Gemälde im Originalrahmen neben den echten Muschel- und Schneckenschalen, die darauf abgebildet sind.
Da Freeman's als Sponsor der Ausstellung in Milwaukee fungierte, wandte sich der Finder an das Auktionshaus. Die renommierte Abercrombie-Expertin und Kunsthistorikerin Susan Weininger bestätigte die Echtheit des Gemäldes.
Verkaufspreis von 1,35 Millionen Dollar deutlich höher als Schätzung
Bei der Auktion des Gemäldes in New York übertraf das Ergebnis dann alle Erwartungen.
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Freeman's hatte den Schätzwert auf 150.000 bis 250.000 Dollar angesetzt. Das Eröffnungsgebot lag bei 80.000 Dollar, bevor sich mehrere Interessenten ein Bietergefecht lieferten. Der endgültige Verkaufspreis lag bei 1.352.600 Dollar – mehr als das Fünffache der Schätzung.
Das Bild war ein Wendepunkt in Abercrombies Schaffen
Gertrude Abercrombie (1909 bis 1977) gilt als gefeierte Surrealistin der amerikanischen Kunst. Das 1951 entstandene Gemälde mit dem Titel "Alderman Merriam's Shells" zeigt Muschel- und Schneckenschalen auf einer schiefergrauen Fläche, wobei eine einzelne kegelförmige Muschel an einem Faden vor tiefschwarzer Wand zu schweben scheint. Die dargestellten Muschel- und Schneckenschalen gehörten dem damaligen Stadtrat von Chicagos Hyde Park, wo Abercrombie lebte und arbeitete. Kunstexperten betrachten das Werk als Wendepunkt in Abercrombies Karriere, wie "CBS News" berichtet. Erstmals malte sie darin jene gesprungene Muschel, die zu einem wiederkehrenden Motiv ihres gesamten Spätwerks werden sollte.
Abercrombie verschenkte es als Gegenleistung für ärztliche Dienste. In der Familie des Arztes verblieb es unbeachtet, bis es nun bei dem Nachlassverkauf wieder auftauchte. (red)