Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht?: Polizei ermittelt nach Schiffsunfall gegen Kapitän der „Mein Schiff 3“
Nach dem Schiffsunfall in Bremerhaven ermittelt die Polizei gegen den Kapitän des Tui-Kreuzfahrtschiffes „Mein Schiff 3“. Es sei ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen ihn eingeleitet worden, teilte eine Polizeisprecherin mit. „Es wird geprüft, ob er gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen hat.“ Weitere Angaben, etwa worauf genau sich der mögliche Sorgfaltspflicht-Verstoß bezieht, machte die Polizei zunächst nicht. Zuvor hatte der Sender RTL berichtet.
Am späten Sonntagabend waren bei dem Zusammenstoß insgesamt drei Schiffe im Hafen beschädigt worden. Auslöser für den Unfall war nach Angaben der Polizei eine Windböe. Demnach wurde die „Mein Schiff 3“ beim Auslaufen am Sonntagabend von Schleppern unterstützt, als die Böe sie erfasste. Das Schiff sei daraufhin auf zwei Containerschiffe zugetrieben, die am Containerterminal Stromkaje ankerten.
Nach Informationen von „t-online“ seien Schiffsexperten der Meinung, dass das Schiff wegen der Orkanböen eventuell später hätte auslaufen müssen. Einem Bericht des Privatsenders RTL zufolge hatten Ermittler noch in der Nacht zum Montag mit den Schiffsführern auf allen drei Schiffen gesprochen. Die Polizeibehörde berichtete am Sonntagabend: „Die weiteren Ermittlungen der Wasserschutzpolizei dauern an.“
Laut dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) gibt es in Bremerhaven keine Windfahrverbote. „Es war die Entscheidung des Kapitäns, mit dem Schiff loszufahren“, sagte ein zu dem Thema befragter Kapitän dem NDR. Schiffe hätten seiner Meinung nach in Bremerhaven selten Probleme mit dem Ab- und Anlegen. Die Hafenlotsen dort seien sehr gut. „Die Verantwortung trägt immer der Kapitän, der Lotse ist lediglich Berater“, so der Kapitän.
Die Polizei schätzt den entstandenen Sachschaden auf eine Millionensumme. An dem kleineren Containerschiff entstand ein leichter Schaden, bei dem größeren ein erheblicher. Auch das Tui-Schiff wurde erheblich beschädigt. Auf Bildern waren Schäden an Rettungsbooten und der Brücke zu sehen.
Tui sagt die geplante Kreuzfahrt ab
Tui sagte nach dem Vorfall die geplante Kreuzfahrt ab. „Die festgestellten Schäden machen kurzfristige Reparaturarbeiten in einer Werft erforderlich“, erklärte eine Sprecherin der Reederei Tui Cruises. Ursprünglich sollte das Schiff am Abend zu einer 20-tägigen Kreuzfahrt zu den Kanaren aufbrechen. Laut dem Reiseveranstalter waren zum Unfallzeitpunkt 2428 Gäste und 922 Crewmitglieder an Bord.
Die Absage der Kreuzfahrt zu den Kanaren sei bedauerlich, aber nach Angaben von TUI Cruises „die einzig verantwortungsvolle Entscheidung“, um „unsere hohen Sicherheitsstandards zu gewährleisten“. Auf dem Kreuzfahrtschiff sei ein „erheblicher Sachschaden“ an den Rettungsbooten, den dazugehörigen Kränen und an der Außenhaut entstanden. Für alle drei Schiffe sei durch die Dienststelle Schiffssicherheit ein Auslaufverbot verhängt worden.
Durch den Zusammenstoß sind laut Polizei die Backbordseite des großen Containerschiffs auf mehreren Metern aufgerissen und Containerführungen deformiert worden. Die Schäden befanden sich jeweils mehrere Meter über der Wasserlinie und es kam auf keinem der Schiffe zum Wassereinbruch oder zu Personenschäden, teilte die Polizei weiter mit.
Wie kam es zu dem Crash der „Mein Schiff 3“?
Auf einem von der Deutschen Presse-Agentur verifizierten Augenzeugenvideo ist zu sehen, wie das Kreuzfahrtschiff von Schleppern begleitet bei deutlichem Wellengang ausläuft. Für Bremerhaven hatte der Deutsche Wetterdienst für Sonntag eine amtliche Warnung vor Windböen herausgegeben. Tief „Manja“ fegte über Deutschland.
In dem Video ist zu sehen, wie der Abstand zu einem an der Hafenmauer liegenden Containerschiff immer kleiner wird, dann rammt das Kreuzfahrtschiff das Containerschiff, das Video ruckelt. „Ich glaube, das war es mit der Reise“, sagt eine Frau in dem Video. Auf den Bildern sind auch Trümmer zu sehen.