Vertrauliches Papier aus Reiches Ministerium entzaubert Mini-AKW
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche verweist öffentlich gerne auf kleine modulare Kernreaktoren als Baustein der Energiezukunft. Doch ein internes Dokument ihres eigenen Hauses kommt zu einem gegenteiligen Befund.
Katherina Reiche (CDU) zählt als Befürworterin einer atomaren Renaissance in Deutschland. Immer wieder machte sich die CDU-Politikerin in der Vergangenheit für die sogenannten Small Modular Reactors (SMRs) stark. SMRs sind kleine, modulare Kernreaktoren, die aufgrund ihrer modularen Bauweise günstiger und schneller gebaut werden sollen als herkömmliche Atomkraftwerke.
"Europas SMR-Potenzial ist riesig", soll laut "Spiegel" auf Reiches Sprechzettel für ihren Besuch auf der US-Energiemesse Ceraweek gestanden haben. Das Magazin bezieht sich auf ein Dokument, das "FragdenStaat" veröffentlicht hatte. Den deutschen Atomausstieg nannte sie dort außerdem einen "großen Fehler".
Doch nun kommen Zweifel ausgerechnet aus Reiches eigenem Haus. Wie der "Spiegel" berichtet, hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) eine vertrauliche Unterrichtung an den Wirtschafts- und Energieausschuss des Bundestags übermittelt, die den SMR-Ideen der Ministerin widerspricht. Das als "Verschlusssache – nur für den Dienstgebrauch" eingestufte Dokument liegt dem Magazin vor.
Reiches SMR-Pläne: "Derzeit noch nicht marktfähig"
Der Befund fällt demnach deutlich aus: "Faktisch existieren jedoch bislang keine kommerziell etablierten, serienmäßig vorgefertigten SMRs", heißt es darin. Die kostensparende Serienfertigung, die der angebliche Vorteil dieser Technologie sein soll, sei somit bislang nicht umsetzbar.
Statt einer Konzentration auf wenige einheitliche Reaktortypen gebe es "zahlreiche unterschiedliche Konzepte, Prototypen und Anbieter" – von einer Standardisierung sei man "derzeit weit entfernt". Auch die erhofften Kostenvorteile durch den modularen Aufbau seien "nicht empirisch belegt", heißt es in dem Papier weiter. Das Gesamturteil der Ministeriumsexperten lautet demnach: "Global gesehen sind SMRs derzeit noch nicht marktfähig."
Rechtliche Hürden für SMRs
Entsprechende Projekte wären demnach "auf finanzielle Unterstützung durch die staatliche Hand angewiesen". Private Investoren würden das Risiko kaum eigenständig eingehen wollen.
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Neben den wirtschaftlichen Zweifeln existieren auch rechtliche Hürden. Wie die "Frankfurter Rundschau" unter Verweis auf eine Antwort des bayerischen Umweltministeriums auf eine Grünen-Anfrage im Landtag berichtet, müsste für die Zulassung von SMRs das Verbot der Neugenehmigung kommerzieller Kernkraftwerke im Atomgesetz des Bundes aufgehoben werden. Zusätzlich müsste die Regierung das Verbot der Wiederaufarbeitung bestrahlter Kernbrennstoffe kippen. (red)