Verurteilte Mörderin überlebt die Giftspritze: So könnte es für Christa Pike nun weitergehen
Die verurteilte Mörderin Christa Pike sollte als erste Frau seit 1819 im US-Bundesstaat Tennessee hingerichtet werden. Die heute 50‑Jährige wurde 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten, Colleen Slemmer, zum Tode verurteilt. Pike war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. Zusammen mit zwei anderen Teenagerinnen folterte und tötete Pike das Opfer nahe der Universität von Tennessee in Knoxville.
Am 30. September sollte Pike deswegen mit einer Injektion mit dem Mittel Pentobarbital-Natrium hingerichtet werden, doch sie überlebte nicht nur die erste, sondern auch eine zweite Spritze. Nach Informationen ihrer Anwälte sei Pike weiterhin bewusstlos und an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Sie werde in einem Krankenhaus in Nashville künstlich beatmet, hieß es am Freitag. Es gibt nun mehrere Möglichkeiten, wie es mit der verurteilten Mörderin weitergehen könnte.
Szenario 1: Pike stirbt im Krankenhaus an den Folgen der gescheiterten Hinrichtung
Aktuell versuchen Krankenhausangestellte, ihr Leben zu retten und das Pentobarbital aus ihrem Körper zu entfernen, berichten Pikes Anwälte. Während das Krankenhaus die 50-Jährige behandelt, stehen die medizinischen Fachkräfte vor einem moralischen Dilemma, so die „New York Times“.
„Fachkräfte im Gesundheitswesen sehen sich ständig mit schwierigen moralischen Situationen konfrontiert – diese ist eine besonders herausfordernde“, sagte Dr. Jeffrey Kahn, Direktor des Johns Hopkins Berman Institute of Bioethics, der US-Zeitung. „Ich glaube auch, dass sie wissen, dass es ihre Aufgabe ist, das Beste für den Patienten zu tun, der vor ihnen liegt, und nicht darüber nachzudenken.“ Denn sollten sie Pike retten, könnte es sein, dass der Bundesstaat Tennessee ihre erneute Hinrichtung anordnet. Noch sei jedoch vollkommen offen, ob Pike den fehlgeschlagenen Hinrichtungsversuch überleben werde.
Szenario 2: Pike überlebt und die Hinrichtung wird wiederholt
Pike ist nicht der einzige zum Tode verurteilte Mensch, dessen Hinrichtung in Tennessee dieses Jahr fehlschlug. PBS zufolge sei das auch bei Tony Carruthers der Fall gewesen. Auch nach mehr als einer Stunde und mehreren Versuchen fanden die Ärzte keine geeignete Vene für die tödlichen Injektionen, berichtete die Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“. Noch zwei Tage zuvor habe der Gouverneur die Begnadigung von Carruthers abgelehnt.
Nachdem der Bundesstaat die Hinrichtung nicht wie geplant vollstrecken konnte, gewährte der Gouverneur Carruthers einen einjährigen Aufschub der Hinrichtung. Carruthers dürfe demnach frühestens 2027 hingerichtet werden; grundsätzlich könnte der Bundesstaat einen erneuten Hinrichtungsversuch anordnen, wenn ein erster scheiterte, berichtete „Newsweek“.
Ein jüngstes Beispiel dafür ist Kenneth Eugene Smith. Er sollte 2022 mit der Giftspritze hingerichtet werden, doch den Ärzten gelang es nicht, einen passenden Venenzugang zu legen. Rund anderthalb Jahre später richtete die Behörde Smith mit einer neuen Stickstoff-Methode hin. Smith rang 29 Minuten lang um sein Leben. Nach Angaben eines anwesenden Pfarrers sei es eine „Tortur“ gewesen.
Szenario 3: Pike überlebt, aber ihre Hinrichtung wäre gegebenenfalls verfassungswidrig
Die öffentlichen Forderungen für die Aussetzung von Pikes Todsurteil werden lauter, berichtet „The Guardian“. Während es als wahrscheinlich gilt, dass Pikes Anwälte den Gouverneur von Tennessee darum bitten werden, ihre Strafe in eine lebenslange Haft umzuwandeln, ist noch offen, ob er dies gewähren wird.
Sollte Pike ihren ersten Hinrichtungsversuch überleben, könnte ihr gesundheitlicher Zustand entscheidend für diese Frage sein. Der Rechts- und Ethikexperte John H. Blume erklärte im Interview mit der „New York Times“, dass ein erneuter Hinrichtungsversuch nach dem achten Zusatzartikel zur US-Verfassung als grausame und ungewöhnliche Strafe gelten könnte.
Die „New York Times“ berichtet, dass das Oberste Gericht vor mehr als 20 Jahren die Hinrichtung von Menschen mit einer geistigen Behinderung als verfassungswidrig eingestuft hat. Zudem habe es die Hinrichtung von Menschen verboten, die rational nicht in der Lage sind zu verstehen, wieso sie hingerichtet werden sollen.