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„Verzerrtes Bild von der Frontlage präsentiert“: Putin soll Telefonat mit Trump dazu genutzt haben, den Druck auf Kyjiw zu erhöhen

Welt

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sein Telefongespräch mit US-Präsident Donald Trump am 8. September möglicherweise dazu genutzt, ihm ein verzerrtes Bild der Lage an der Front zu vermitteln und Washington zu stärkerem Druck auf die Ukraine zu bewegen. Das geht aus dem jüngsten Bericht des US-amerikanischen „Institute for the Study of War“ (ISW) hervor, der am Dienstag veröffentlicht wurde.

Die Analysten berufen sich auf Angaben des russischen Präsidentenberaters Juri Uschakow. Dieser erklärte in einer Mitteilung des Kremls, dass Putin dem US-Präsidenten ausführlich seine Einschätzung der Kampfhandlungen dargelegt habe. Demnach habe Putin „eine objektive und umfassende Analyse der aktuellen Entwicklungen der Spezialoperation geliefert“, so Uschakow.

Anschließend sollen beide mögliche Wege zur Beendigung des Krieges sowie die Ergebnisse des Treffens vom Kremlchef mit den US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner am 6. September erörtert haben.

ISW-Analysten: Putin will von Trump mehr Druckausübung auf Ukraine

Die ISW-Analysten gehen davon aus, dass Putins Einschätzung der Frontlage durch systematisch falsche Berichte der russischen Militärführung erheblich verzerrt ist. „Putins Sicht auf den Krieg ist durch die systematischen Falschmeldungen des russischen Militärs stark verzerrt“, schreiben die Analysten in ihrem Bericht. Weiterhin stelle der Kremlchef „regelmäßig absurde und übertriebene Behauptungen über russische Vorstöße auf dem Schlachtfeld auf, um das Bild eines anhaltenden und unvermeidlichen militärischen Erfolgs Russlands zu konstruieren“.

Die Experten mutmaßen außerdem: „Putin nutzte das Telefonat mit Trump wahrscheinlich dazu, sein verzerrtes Bild von der Frontlage zu präsentieren.“ Hierdurch wolle Putin „Trump davon überzeugen, dass die USA die Ukraine dazu zwingen sollten, den Forderungen Russlands nachzugeben“, vermuten die Analysten.

Dabei bestärke der Kremlchef das Narrativ, dass sich die Lage der Ukraine auf dem Schlachtfeld maßgeblich verschlechtert habe. Nach Einschätzung des ISW hat sich die tatsächliche Dynamik an der Front in den vergangenen Monaten jedoch deutlich zugunsten der Ukraine verändert.

Russland hat Kontrolle über 195 Quadratkilometer großes Gebiet verloren

Russische Truppen rückten zwischen dem 20. Mai und dem 20. November 2025 insgesamt rund 2404 Quadratkilometer vor. Zwischen dem 8. März und dem 8. September 2026 betrug ihr territorialer Nettogewinn dem ISW zufolge, wenn man Durchbrüche einbezieht, nur noch etwa 361 Quadratkilometer. Gleichzeitig sollen Russlands Truppen die Kontrolle über rund 195 Quadratkilometer zuvor eroberter Gebiete verloren haben.

Bei ihrer Gegenoffensive in Richtung Oleksandriwka im Frühjahr und Sommer 2026 befreiten die ukrainischen Streitkräfte laut ISW 26 Ortschaften und mehr als 745 Quadratkilometer in den Regionen Donezk, Dnipropetrowsk und Saporischschja. Zugleich sei es den russischen Truppen bislang nicht gelungen, Slowjansk, Kramatorsk und Druschkiwka zu erreichen – trotz des vom Kreml erklärten Ziels, bis Ende 2026 die gesamte Region Donezk einzunehmen.

Moskau soll an ursprünglichen Kriegszielen festhalten

Das ISW geht weiterhin davon aus, dass der Kreml seine maximalen Forderungen trotz dieser Veränderungen nicht revidiert hat und weiterhin Bedingungen stellt, die faktisch auf eine Kapitulation der Ukraine hinauslaufen.

Nach dem Gespräch zwischen Putin und Trump erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow, die Lage der Ukraine verschlechtere sich von Tag zu Tag und die russischen Friedensbedingungen würden mit der Zeit härter. Außenminister Sergej Lawrow forderte erneut, die „Realitäten vor Ort“ zu berücksichtigen und die „Ursachen“ des Krieges zu beseitigen – Formulierungen, mit denen Moskau traditionell seine ursprünglichen Kriegsziele umschreibt.

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