VfL Wolfsburg spielt nach wildem Ritt 4:4 gegen Energie Cottbus
Stand: 05.09.2026 15:30 Uhr
Der VfL Wolfsburg hat am Samstag in einer turbulenten Zweitliga-Partie 4:4 (3:1) gegen Energie Cottbus gespielt. Dabei gab der Aufstiegsfavorit eine Drei-Tore-Führung aus der Hand.
von Sebastian Ragoß
Ein derartiges Spektakel gab es lange nicht in der VW-Arena. Dabei zeigte sich, dass die Niedersachsen über die höchste individuelle Qualität in der Zweiten Liga verfügen, die so manche Schwäche in Spielorganisation und -kontrolle wettmachen kann.
Zum Sieg reichte es trotzdem nicht. "Das Unentschieden ist nicht unverdient, aber trotzdem unnötig", sagte VfL-Doppeltorschütze Robert Glatzel. "Wenn du 3:0 führst, dann darfst du das nicht hergeben", ärgerte sich Wolfsburgs Coach Tobias Strobl: "Das ist ärgerlich und der erste Nackenschlag."
Die Gäste hatten in Wolfsburg den durchaus honorigen Ansatz, spielerisch zum Erfolg zu kommen. Allein: Mit seiner porösen Defensive machte es der Aufsteiger dem VfL relativ leicht, zu Chancen und Toren zu kommen. Dennoch wurde die Partie zu einem Krimi, weil die Niedersachsen defensiv in der zweiten Hälfte ähnlich sorglos agierten.
Glatzel mit Doppelpack in der ersten Hälfte
Zwei, drei schnelle Pässe reichten den Wolfsburgern, um sich riesige Räume zu erspielen. Zudem leistete sich Energie immer wieder folgenschwere Fehler - den ersten schon in der dritten Minute. Keeper Marcel Lotka kam zu spät aus seinem Tor und räumte Glatzel nach dessen Kopfball ab. Elfmeter war die richtige Entscheidung. Der Neuzugang trat an und verwandelte unhaltbar (4.).
Der zweite ernsthafte Angriff der "Wölfe" endete mit einem Pfostenschuss von Alexander Bernhardsson (20.), der dritte mit dem zweiten Treffer: Vinicius Souza vollendete nach schöner Vorarbeit von Fabian Reese (25.).
Dann war wieder Glatzel an der Reihe. Energie-Verteidiger Fousseny Doumbia vertändelte im eigenen Strafraum den Ball, Bernhardsson bediente den Mittelstürmer, der gekonnt per Lupfer zum 3:0 traf (34.). Das letzte Wort vor der Pause hatten dann aber die Lausitzer. Luca Erlein markierte in der Nachspielzeit im Nachschuss das 1:3.
Cottbus macht es wieder spannend
Ein Warnschuss für den Favoriten? Hätte es sein sollen. Doch auch nach der Pause setzte Cottbus das erste Ausrufezeichen. King Manu überwand VfL-Schlussmann Jakub Zielinski mit einem haltbaren Schuss ins kurze Eck (49.).
Dass diese Partie noch einmal spannend werden würde, hatte sich wahrlich nicht abgezeichnet, doch nun war sie es. Weil Energie weiter mutig nach vorne spielte und Wolfsburg Ruhe und Abgeklärtheit fehlten.
Und so überraschte es nicht, dass der Aufsteiger tatsächlich zum Ausgleich kam: Souza ging ungeschickt in einen Zweikampf und brachte Moritz Hannemann zu Fall - Elfmeter. Tolcay Cigerci verwandelte ähnlich souverän wie Glatzel zu Beginn der Partie - 3:3 (67.).
Reichlich Chancen auf beiden Seiten
Cottbus stürmte weiter, wollte dem angeschlagenen Gegner den Knock-out versetzen. Dmytro Bogdanov hatte die Riesenchance dazu, als er allein durch war, aber knapp verzog (71.).
Erst danach meldete sich der VfL offensiv wieder, allerdings mit voller Wucht. Auf einmal gab es wieder Chancen im Minutentakt, unter anderem traf Reese die Latte (74.).
Schock für den VfL kurz vor Schluss
Für die vermeintlich Entscheidung sorgte schließlich der gerade eingewechselte Mattias Svanberg, der aus der Distanz zum 4:3 traf (79.). Was fehlte noch an diesem denkwürdigen Nachmittag? Ein Platzverweis. Den holte sich Wolfsburgs Mathys Angely in der 89. Minute ab. Und eine letzte Wendung kurz vor dem Ende: Bogdanov drückte aus kurzer Distanz den Ball zum 4:4 über die Linie.
Cottbus bejubelte den Ausgleich und wenig später den Punktgewinn so euphorisch wie einen Sieg, während beim VfL ungläubiges Staunen herrschte über einen letztlich verschenkten Sieg.