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Vibrionen in der Ostsee: Warnemünder Forschung setzt auf KI und Drohnen

Technologie

Stand: 27.07.2026 06:07 Uhr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) forschen zu Vibrionen in der Ostsee und erproben in diesem Sommer ein Frühwarnsystem. von Vanessa Kiaulehn Mit steigenden Wassertemperaturen wächst in der Ostsee nicht nur die Zahl der Badegäste, sondern auch Vibrionen vermehren sich ab etwa 18 Grad Wassertemperatur besonders stark. Die Bakterien kommen natürlicherweise in Küsten- und Brackgewässern vor und sind für gesunde Menschen meist ungefährlich, heißt es vom IOW. Über offene Wunden können die Erreger in den Körper gelangen und bei immunschwachen Menschen schwere Infektionen verursachen, die lebensbedrohlich sein können. Forschende des IOW arbeiten deshalb an einem Frühwarnsystem, das gefährliche Vibrionen künftig bereits Wochen vor einem erhöhten Risiko erkennen soll. Zusammenhang mit Blaualgen entdeckt Besonders viele Vibrionen treten häufig nach Blaualgenblüten auf. Die Bakterien nutzen die abgestorbenen Cyanobakterien (Blaualgen) als Nahrungsquelle und vermehren sich anschließend besonders stark. Diesen Zusammenhang wollen die Forschenden für ein Frühwarnsystem nutzen. Derzeit erproben sie am Ostseestrand Drohnen mit sogenannten Hyperspektralkameras, die zum Beispiel Blaualgen aus der Luft erkennen können. Die gewonnenen Daten werden anschließend mithilfe von Satelliteninformationen und Künstlicher Intelligenz ausgewertet und mit genommenen Wasserproben abgeglichen. "Einmal nehmen wir Wasserproben und einmal nehmen wir mit der Hyperspektralkamera eben die Farbe des Wassers auf und versuchen das dann mittels bestimmter künstlicher Intelligenzalgorithmen auszuwerten, um zu identifizieren, ob heute Vibrionen da sind und wie sich die Situation in Zukunft verhalten wird", sagt Projektleiter Daniel Herlemann vom IOW. KI soll Risiken bis zu fünf Wochen im Voraus erkennen Das Auftreten von "Vibrio vulnificus" (Vibrionen) kann mithilfe Künstlicher Intelligenz erstmals bis zu fünf Wochen im Voraus vorhergesagt werden, heißt es vom IOW. Dafür kombiniert das Forschungsteam hochaufgelöste Umwelt-, Satelliten- und Mikrobiomdaten. Das langfristige Ziel sei es, lokale Warnsysteme zu entwickeln, die Behörden und Badegäste frühzeitig über ein erhöhtes Vibrionen-Risiko informieren können. Ob und wann dieses Frühwarnsystem eingesetzt wird, ist derzeit noch nicht klar. Mehr Sicherheit statt pauschaler Warnungen Nach Angaben der Forschenden sollen künftig nicht mehr ganze Küstenabschnitte vorsorglich gemieden werden müssen. Stattdessen könnten Warnungen gezielt für einzelne Strände ausgesprochen werden, wenn dort ein erhöhtes Risiko besteht. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik: "Also das Projekt lief bisher sehr, sehr gut, aber die entscheidende Phase kommt noch im Sommer", so Daniel Herlemann. "Ziel ist es dann vorherzusagen, welche Tage im Sommer wirklich gefährlich sind für die badenden Leute." Auch angesichts des Klimawandels gewinnt das Thema Vibrionen zunehmend an Relevanz, heißt es vom IOW: "Wärmere Sommer verlängern die jährliche Vibrionen-Saison, während gleichzeitig durch demografische Entwicklungen die Zahl besonders gefährdeter Personen zunimmt."

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