DAX +0,48 % 26.126,30 Pkt 18:00:00 MDAX -0,26 % 32.426,33 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,15 % 6.476,98 Pkt 18:00:00 Dow Jones +2,20 % 54.349,12 Pkt 23:22:16 S&P 500 +1,62 % 7.723,55 Pkt 22:41:45 Nasdaq +1,73 % 26.363,44 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,01 % 64.969,36 Pkt 03:40:25 Gold +6,18 % 4.348,60 USD 03:45:27 Silber +3,94 % 62,42 USD 03:45:12 Brent +0,93 % 80,10 USD 03:45:28 WTI 0,00 % 75,77 USD 03:45:25 Bitcoin -0,08 % 64.550,21 USD 03:55:24 EUR/USD +0,23 % 1,15580 USD 03:54:55 EUR/GBP +0,07 % 0,85790 GBP 03:55:26 EUR/CHF -0,15 % 0,93160 CHF 03:55:26 EUR/JPY +0,17 % 182,164 JPY 03:55:27

Victoria Eckerle steuert in Bühl ein internationales Forschungsprojekt

Wissenschaft

Tauchen wollte sie. Das Bühler Forschungsinstitut Hydra Marine Sciences schien Victoria Eckerle deshalb die richtige Adresse für ein Praktikum zu sein. Schließlich sind dessen Geschäftsführer Tauchlehrer. Weil es aber „auch Tauchlehrer“ heißen muss, klappte es zwar mit dem Praktikum. Doch ist daraus eine ganz andere Art von Tauchen geworden. Die junge Frau, die aus Muckenschopf stammt und in Freiburg zu Hause ist, arbeitet in Bühl federführend an einem von der EU geförderten Projekt, das Landwirtschaft und Umwelt gleichermaßen nutzen soll. Sein Titel: „AgriRePlas“. Plastik in der Landwirtschaft, darum geht es. Landwirtschaft etwa ohne Folien ist nicht vorstellbar, vor allem bei einem Gemüsebetrieb, wie Georg Schmälzle von der gleichnamigen Müllhofener Bio-Gärtnerei sagt, der in dieser Geschichte ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Nicht biologisch abbaubare Kunststoffe bleiben in der Erde, sie gelangen ins Wasser. „Längst überfällig“, so Schmälzle, sei es, nach Alternativen zum Einsatz herkömmlicher Folie zu suchen. Der Antrieb dafür seien nicht allein Umweltaspekte, es gehe auch darum, Kosten zu senken. Denn die ordnungsgemäße Entsorgung des Plastiks ist teuer. Victoria Eckerle wird in Oldenburg auf die Heimat aufmerksam Victoria Eckerle spricht mit der Begeisterung der Wissenschaftlerin über diese Fragen. In Freiburg studierte sie Umweltnaturwissenschaft und Umwelthydrologie. Nach dem Bachelor folgte in Oldenburg der Master in Landschaftsökologie. Ausgerechnet dort, 600 Kilometer von der Heimat entfernt und deutlich näher am Meer als in Bühl, wurde die ausgebildete Forschungstaucherin auf Hydra Marine Scienes aufmerksam: „Meine Mutter hatte darüber im Sparkassen-Magazin gelesen und dachte, das wäre was für mich.“ Das Praktikum in Bühl wurde zum Beginn eines Tauchgangs tief hinein in ein Forschungsfeld, das größer und größer wurde. Aus ersten kleineren Versuchen zu Plastikeinsatz in der Landwirtschaft wurde eine Anstellung, zunächst als Wissenschaftliche Hilfskraft. Und Eckerle schrieb in Bühl ihre Masterarbeit „Plastik in der Landwirtschaft – Eine Fallstudie“. Dafür testete sie bei Schmälze in Müllhofen unter unterschiedlichen Bedingungen drei biologisch abbaubare Mulchfolien und ermittelte auch den konzeptionellen Plastikfußabdruck des Betriebs. Auch einige Veränderungen sind bereits umgesetzt. Glücksfall am Ende des Masterstudiums Dass just zum Abschluss der Masterarbeit Christian Lott und Miriam Weber, die Geschäftsführer von Hydra Marine Sciences, bei einem Politikerbesuch in Bühl von Forschungsgeldern erfuhren, war ein Glücksfall, der in das auf vier Jahre angelegte Forschungsprojekt AgriRePlas mündete. Seit einem Jahr leitet es Eckerle nun. Bei AgriReplas geht es darum, den Plastikfußabdruck in der Landwirtschaft zu reduzieren. Der Fokus liegt auf dem Gartenbau, auf Obst, Gemüse und Zierpflanzen. Das Ziel ist es, „funktionale Lösungen für die Landwirtschaft zu schaffen, die umweltverträglicher sind“. Am Anfang steht die Analyse: Wo gibt es ein hohes Risiko der Freisetzung in die Umwelt? Zu den gewünschten nachhaltigen Lösungen können Mehrwegsysteme zählen, die Verbesserung von Recyclingstrategien und die Erprobung sicherer, biologisch abbaubarer Alternativen. Niemand fordert Verbot von Plastik Dabei ist Victoria Eckerle weit entfernt davon, Plastik als „Teufelszeug“ zu begreifen. Der Kunststoff habe auch viele positive Eigenschaften. Der Landwirt verbrauche etwa dank der Mulchfolie weniger Wasser, und auch Pestizide könnten stark reduziert werden. „Wir wollen Plastik nicht verbieten“, stellt die Wissenschaftlerin deshalb klar. „Es geht nicht ohne.“ Für Kunststoffe, die nach ihrer Nutzung wieder vollständig eingesammelt werden können, „suchen wir nach den bestmöglichen Reduzierungs-, Wiederverwendungs- und am Ende Recyclingmöglichkeiten. Wo es nicht geht, also zumindest Teile der Kunststoffe in der Umwelt zurückbleiben, setzen wir auf bioabbaubare Materialien.“ 19 Partner in drei Ländern Das Projekt, bei dem in Deutschland, Frankreich und der Schweiz 19 Partner beteiligt sind, begann mit viel Büroarbeit. Mittlerweile aber sind die Tests angelaufen. Am Nachmittag steht für Eckerle ein Ortstermin bei einem elsässischen Himbeerbauern an. Sie hat einen Produkttest mit biologisch abbaubaren Schnüren vorbereitet. Die konventionellen, nicht abbaubaren Kunststoffschnüre, die er bisher verwende, müssten nach der Ernte mühsam aus den Pflanzen gepfriemelt und entsorgt werden. Getestet werden nun Schnüre verschiedener Hersteller, teils Prototypen, teils schon auf dem Markt erhältliche Produkte. Das Prinzip Versuch und Irrtum gehört dazu: „Manchmal funktioniert ein Test halt nicht, dann fängt man wieder von vorn an. Wir wollen den Herstellern Feedback geben und die dann veränderten Produkte in einem zweiten Anlauf im nächsten Jahr noch mal testen.“ Es gibt keine Standardlösungen Das ist kein Grund für Frustration, es gehört neben der Vielseitigkeit für Eckerle zum Reiz des Projekts: „Es gibt keine Standardlösungen. Man muss sich meistens selbst etwas ausdenken und es ausprobieren.“ Dass die Geduld aber schon mal strapaziert wird, fügt sie lachend an: „Man möchte immer weiter sein, als man schon ist.“ Mit welchen Ergebnissen Eckerle und das Team vom Tauchgang wieder an die Oberfläche kommen, lasse sich naturgemäß noch nicht sagen. Ob die vier Jahre überhaupt reichen für das Projekt? „Ambitioniert geht es hier immer zu“, sagt die Wissenschaftlerin. „Irgendwo muss man mal anfangen, und ich glaube, dass wir das meiste auch schaffen können.“

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren