„Viel zu spät verstanden“: Lehrerin offenbart uralte Technik, um Kinder zu motivieren
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„Viel zu spät verstanden“: Lehrerin offenbart uralte Technik, um Kinder zu motivieren
Von: Jana Stäbener
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Um Schüler und Schülerinnen zu motivieren, können Lehrkräfte ein Instrument anwenden, das im Lehramtsstudium zu wenig Beachtung findet.
Frankfurt – „Ich habe als Lehrerin viel zu spät verstanden, wie viel Aufmerksamkeit ich allein mit meiner Stimme erzeugen kann“, schreibt Branka Rezan auf Linkedin. Die Lehrerin aus der Schweiz hat die Plattformen Pädagogik Plus und Eisberg-Coaching gegründet. Sie hilft Lehrkräften, gute Lern- und Coaching-Gespräche zu führen. Als junge Lehrerin habe sie sich viele Gedanken gemacht – über ihre Lektionen, die Vorbereitung, die Klassenführung. „Aber an meiner Stimme habe ich kaum gearbeitet“, schreibt sie. „Dabei ist sie jeden Tag eines meiner wichtigsten Werkzeuge im Klassenzimmer.“
Und vor allem bestehe die Stimme als Tool im Gegensatz zu Whiteboards und Co. schon seit Jahrhunderten, sagt Rezan der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Was sich verändert, sind die Lernenden“, sagt sie. Die Stimme der Lehrkraft bleibe ein „mächtiges Werkzeug“, um die Energie im Klassenzimmer zu halten und Klarheit zu schaffen. „Das geht nur mit Präsenz, mit Körperhaltung und mit der Stimme.“ Wenn Lehrkräfte ihre Stimme bewusst einsetzen, werden sie nicht automatisch lauter, sondern plötzlich leiser. Dann bauen sie bewusste Pausen ein vor einem wichtigen Satz. Verändern das Sprechtempo, betonen ein Wort besonders oder spielen mit dem Sprechrhythmus.
„Stimme schafft Vertrauen, zeigt, dass ich mein Gegenüber sehe und verstehe“
Lehrende können mit ihrer Stimme „unglaublich viel bewirken“, sagt Rezan. In ihren Coachings lernten Lehrpersonen, dass sie mehr Aufmerksamkeit von den Schulkindern bekommen, indem sie leiser sprechen. Vor einer lauten Klasse ebenfalls laut zu werden, „ist genau der falsche Weg“, sagt sie der Frankfurter Rundschau. „Stimme schafft Vertrauen, zeigt, dass ich mein Gegenüber sehe, es verstehe und ernst nehme. Das hat auch viel mit Grenzen setzen zu tun und das ist in Klassenzimmern ein großes Thema.“ Doch auch in der Elternarbeit setze sie das Tool bewusst ein. „Wenn ich am Telefon eine Nachricht überbringen muss, muss ich bereit sein, mit meiner Stimme Grenzen zu setzen und bei Unzufriedenheit Wohlwollen zu vermitteln“, sagt sie.
„Als Lehrperson bin ich zuständig und verantwortlich für die Beziehungen zu Eltern, die Beziehungskonflikte im Klassenzimmer und die Eins-zu-eins-Beziehung zu jedem Schüler“, sagt die Pädagogin. „Es gibt ganz viele Forschungen dazu, dass Lernen ohne Beziehung nicht funktioniert.“ Für Beziehungsbildung sei die Stimme als Tool hochrelevant. Und andersherum: Ohne Beziehung seien Experimente mit der Stimme schwierig – in jeder Klassenstufe. „Wenn ich keine Beziehung habe zu meinen Schülern und Schülerinnen und dann seltsam betone oder leise spreche, werde ich im schlimmsten Fall nicht ernst genommen“, gibt Rezan zu bedenken.
Lehrkräfte sollten schon im Studium lernen, mit ihrer Stimme umzugehen
Was würde Rezan Lehrern raten, die anfangen wollen, ihre Stimme mehr einzusetzen? „Ich glaube einfach, es braucht Offenheit“, sagt die Schweizerin der Frankfurter Rundschau. „Es ist keine Hexerei, sondern etwas Cooles, das nicht nur in der Schule bereichert, sondern auch das Privatleben. Wenn ich monoton im Klassenzimmer spreche, komme ich vielleicht auch im Gespräch mit Freunden und mit Kollegen nicht so gut rüber.“ Sie rät Lehrkräften, vor dem Spiegel, bevor sie ins Klassenzimmer gehen, ihre Haltung und Präsenz und auch, wie sie sprechen, zu üben.
Dieses Erlernte sei auch für die Schulkinder spannend. „Die Stimme als Werkzeug benutzen zu können – das benötigen auch sie für ihre Zukunft. Ob das jetzt für eine Präsentation ist, um ihre Meinung zu sagen, oder in der Konfliktbewältigung.“ Deswegen gehöre Stimmarbeit fest ins Lehramtsstudium und in die Weiterbildung, findet eine Lehrerin unter Rezans Linkedin-Beitrag. „Nicht nur ein Semester lang, sondern länger, und am besten von Fachleuten.“ Angeboten werde das zwar in manchen Universitäten, aber aus dem, was sie mitbekommen habe, meist „eher halbherzig“. (Quellen: eigene Recherche, Linkedin)