DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,21 % 64.443,67 USD 07:23:55 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

Viele hessische Gastbetriebe lassen Google-Rezensionen löschen

Nation

Viele hessische Hotels, Pensionen, Cafés und Restaurants lassen Bewertungen auf Google löschen. Wie eine Stichprobe der Deutschen Presse-Agentur dpa ergab, hat von mehr als 850 ausgewerteten Interneteinträgen knapp ein Sechstel der Gastbetriebe bereits Rezensionen tilgen lassen. Dabei variiert die Anzahl von einer bis zu mehr als 200 gelöschten Bewertungen. Seit April dieses Jahres macht Google das Löschen von Rezensionen auf der Plattform Google Maps sichtbar, wenn diese "aufgrund von Beschwerden wegen Diffamierung" entfernt wurden. Die Information steht im Google-Unternehmensprofil direkt unter der Rezensionsübersicht. Als "Diffamierung" fasst Google unter anderem unwahre Tatsachenbehauptungen oder sachlich nicht gerechtfertigte Meinungsäußerungen zusammen. Unternehmen könnten zudem geltend machen, der Verfasser sei gar kein Kunde gewesen. Besonders viel gelöschte Beiträge in Frankfurt Der Stichprobe zufolge achten Häuser in Metropolen besonders auf ihre Reputation - mutmaßlich wegen der größeren Konkurrenzsituation. Demnach haben rund 30 Prozent der über 200 ausgewerteten Einträge von Gastbetrieben in Frankfurt bereits Bewertungen gelöscht. Im Odenwald wiesen rund 9 Prozent der 87 ausgewerteten Betriebe gelöschte Einträge auf, in Fulda waren es nur 8 Prozent von 125. Dehoga: Umgang mit Bewertungen muss nachvollziehbar sein Trotz Anfragen bei mehr als einem Dutzend Betrieben hessenweit wollte sich kein Gastgeber zu dem Thema äußern. Der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga in Hessen, Gisbert Kern, sagt für die Branche: "Grundsätzlich begrüßen wir mehr Transparenz auf Bewertungsplattformen." Online-Bewertungen seien für viele Gäste ein wichtiges Entscheidungskriterium und für die Betriebe ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor. "Deshalb ist es richtig, wenn Plattformen nachvollziehbar machen, wie sie mit Bewertungen umgehen." Transparenz dürfe nicht zu Generalverdacht führen Gleichzeitig dürfe Transparenz nicht dazu führen, dass Betriebe unter einen Generalverdacht gerieten, so der Dehoga-Geschäftsführer. "Gelöschte Bewertungen bedeuten nicht automatisch, dass ein Unternehmen berechtigte Kritik unterdrücken wollte", gab Kern zu Bedenken. "Häufig werden Bewertungen entfernt, weil sie gegen die Richtlinien der Plattform verstoßen oder weil sie nachweislich von Personen stammen, die gar keine Gäste waren." Darauf weise auch Google hin. Ungerechtfertigte Bewertungen für Betriebe belastend Den Verband erreichten seit Jahren viele Rückmeldungen zum Umgang mit Online-Bewertungen, sagt der Dehoga-Geschäftsführer. "Betriebe berichten immer wieder von Rezensionen, die offensichtlich nicht auf einem tatsächlichen Besuch beruhen oder sachlich falsche Behauptungen enthalten." Gerade kleinere, familiengeführte Betriebe empfänden einzelne ungerechtfertigte Ein-Stern-Bewertungen häufig als besonders belastend. Sie könnten sich unmittelbar auf die Durchschnittsbewertung und damit auf die Wahrnehmung potenzieller Gäste auswirken. Wenn Rezensionen zum "Druckmittel" werden "Die große Mehrheit der Gäste bewertet fair und ehrlich. Gleichzeitig reichen bereits wenige unzulässige oder manipulierte Bewertungen aus, um den Ruf eines Betriebs spürbar zu beeinträchtigen", ergänzt Kern. Besonders problematisch seien auch Rezensionen, die als Druckmittel eingesetzt werden. "Ebenso kritisch sehen wir gekaufte Positivbewertungen, weil sie den Wettbewerb verzerren und das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher untergraben", sagt Kern. Deshalb sei es wichtig, dass Plattformen konsequent gegen Fake-Bewertungen vorgingen. Sackgasse bei ehrlicher Meinung Aber auch Berichte über zu Unrecht gelöschte Rezensionen werden in Deutschland immer wieder bekannt, wie der SWR berichtet. Rezensenten beschreiben lange und komplizierte Verfahren, um ihre Bewertungen wieder herstellen zu lassen - oft ohne Erfolg. Verbraucherschützer sieht neue Praxis kritisch Nach den Worten des Rechtsanwalts Peter Lassek von der Verbraucherzentrale Hessen ist die neue Bewertungspraxis derzeit noch schwierig einzuschätzen. Er nannte es zweifelhaft, ob das Anzeigen gelöschter Bewertungen mehr Transparenz schafft und fair gegenüber den Unternehmen ist. Zudem würden Bewertungen, die nicht auf Basis von Diffamierung entfernt wurden, nicht berücksichtigt. Wer sich zu Recht gegen Fake-Bewertungen, Diffamierungen oder Beleidigungen gewehrt habe, erscheine für den Nutzer grundsätzlich in derselben Kategorie wie ein Unternehmen, das pauschal versuche, jede kritische Stimme entfernen zu lassen, gibt der Verbraucherschützer zu bedenken. Experte: Erster Blick geht auf die Anzahl der Sterne "Die Bedeutung von Google-Bewertungen kann man kaum unterschätzen", sagt Professor Steffen Kroschwald, Direktor des Instituts für Verbraucherforschung und nachhaltigen Konsum an der Hochschule Pforzheim (Baden-Württemberg). "Oft ist der erste Blick die Sternebewertung, und die spielt bei Entscheidungen eine maßgebliche Rolle." Für Unternehmen sei das ein ökonomischer Faktor, sagt Kroschwald. Wer unterwegs einen Betrieb sucht, stoße fast automatisch auf Bewertungen. Und die wirkten sich auf die Nachfrage aus. Verbraucherforscher gibt wenig auf Bewertungen "Eine hohe Zahl dokumentierter Löschungen kann bei Verbraucherinnen und Verbrauchern den Eindruck erwecken, ein Unternehmen habe etwas zu verheimlichen", erläutert Kroschwald. Gleichzeitig könne sie auch schlicht Ausdruck davon sein, dass sich ein Betrieb regelmäßig berechtigterweise gegen Hasskommentare oder diffamierende Inhalte wehre. "Ich persönlich würde inzwischen recht wenig auf Sternebewertungen geben", erklärt der Experte. "Das ist schade - weil Bewertungen eigentlich ein sinnvoller Mechanismus sein können."

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