Viele Neuheiten zum Caravan Salon: Bürstner verkündet Reisemobil-Offensive, aber Wohnwagen-Abschied
Nach dem kompletten Neustart im vergangenen Jahr konzentriert sich Bürstner nun voll und ganz auf Reisemobile und Camper-Vans. Der Traditionshersteller reist mit vielen Neuheiten zum Caravan-Salon in Düsseldorf. Das hatte im vergangenen Jahr ganz schön Wellen geschlagen. In einer einzigartigen Radikalkur hatte Caravaning-Hersteller Bürstner sein komplettes, 15 Baureihen umfassendes Reisemobil- und Camper-Van-Programm eingestampft und mit lediglich drei neuen Modellreihen und zwei Sondermodellen aus der alten Welt einen Neustart gewagt. Dem neuen Bürstner-Chef Hubert Brandl schien das der beste Weg, um eine verfehlte Modellpolitik zu korrigieren. Ein Jahr später behauptet er, dass der Plan schon jetzt aufgegangen sei, und vollzieht den nächsten radikalen Schnitt. Der über 65 Jahre alte Traditionshersteller stellt seine Wohnwagen-Produktion vollständig ein. Vorübergehend, sagt der Bürstner-Chef zwar und verspricht in zwei Jahren ein Konzept, welches das Thema Wohnwagen "komplett anders gedacht" vorstellt. Umso engagierter bei Reisemobilen und Camper-Vans Aktuell geht es umso engagierter bei den Reisemobilen und Camper-Vans weiter. Auf dem Düsseldorfer Caravan-Salon (28. August bis 6. September) präsentiert das Unternehmen aus Kehl die Teilintegrierten-Baureihe Signature, wie von der Kundschaft vielfach gefordert, nun auch auf Basis des Mercedes-Sprinter zu Preisen ab 94.000 Euro. Der Camper-Van Habiton, ebenfalls ein Sprinter, wird um einen neuen Querbett-Grundriss erweitert. Beim Billigcamper Papillon gibt es Preiskorrekturen und bei den gut laufenden Editions-Modellen B66, die noch auf dem alten Programm basieren, kommen zwei neue Varianten dazu. Beim Signature, der bisher nur als Fiat-Ducato-Aufbau zu haben war, kombiniert Bürstner den Mercedes-Triebkopf mit einem Alko-Tiefrahmenchassis, was viele Vorteile bringt (doppelter Funktionsboden, mehr Komfort, mehr Sicherheit, breitere Spur), aber ausschließlich Frontantrieb ermöglicht. Serienmäßig ist der 150-PS-Diesel mit einer Neungangautomatik an Bord. Weitere Pluspunkte sind das MBUX-Multimediasystem, die Rückfahrkamera und der Seitenwindassistent. Das neue Flaggschiff im Bürstner-Portfolio kann als 3,5-Tonnen-Variante geordert werden, ist aber für deutlich mehr Zuladung auf bis zu 4,5 Tonnen auflastbar. Optional wird ein schickes Steingrau als Alternative zur weißen Lackierung angeboten. Die aus einem einzigen GfK-Formteil gefertigte Rückwand fällt nicht allein wegen der markanten Lichtsignatur der Rücklichter auf. Sie verleiht dem ganzen Outfit einen automotiven Anstrich. Der Innenraum mit der Lounge-Sitzgruppe, der Echtglas-Fronthaube, einer patentierten, schwenkbaren Sitzbank, der Küche mit elektrisch versenkbarem Regal, Kompressor-Kühlschrank-Schublade und Zwei-Flammenkocher mit Glasauszug sowie das Bad mit verschiebbarer Duschwand erinnern nicht umsonst an das Innenleben des iSmove der Edelschmiede Niesmann+Bischoff. Schließlich ist Hubert Brandl in Personalunion auch der Chef des Liner-Spezialisten aus Polch bei Koblenz. Der 7,35 Meter lange Bürstner Signature SMT kann mit Einzelbetten oder zentralem Queensbett oder mit einem weiteren Hubbett bestellt werden. Er punktet zudem mit ungewöhnlich großen Tanks (Frischwasser 200 Liter, Abwasser 180 Liter), bis zu drei Lithium-Batterien und kann auf Wunsch mit Solarzellen, Wechselrichter, Induktionskochfeld und Dieselheizung sogar völlig gasfrei betrieben werden. Freilich steht dann eine Endsumme im deutlich sechsstelligen Bereich zu Buche. Der Grundpreis von 94.000 Euro liegt 14.000 Euro über dem vergleichbaren Ducato-Modell. Verschiebbarer Waschraum sorgte für Furore Beim Sechs-Meter-Camper-Van Habiton sorgte Bürstner im Vorjahr mit einem verschiebbaren Waschraum für Furore. Weil es aber offensichtlich viele Skeptiker unter der potenziellen Kundschaft gab, schiebt das Unternehmen einen Grundriss mit feststehendem Kombibad nach. Anstelle der Einzelbetten ist im Heck dann natürlich nur noch für ein Quer-Doppelbett Platz. Bürstner verspricht den breitesten Durchgang sowie den größten Stauraum dieser Wagenklasse. Der Habiton HM 6.1 wird serienmäßig gasfrei angeboten und liegt mit einem Grundpreis von 79.000 Euro exakt 4000 Euro über dem Modell HM 6.0 mit Verschiebe-Bad. Die jeweiligen Allrad-Alternativen stehen mit 89.000 Euro (HMX 6.0) und 93.000 Euro (HMX 6.1) zu Buche. "Billig-Van" Papillon wird auf neues Niveau gehoben Beim "Billig-Van" Papillon akzeptiert Hubert Brandl die vielfach geäußerte Kritik, dass es sich um eine "Mogelpackung" handele, weil der verlockende Einstiegspreis für den Citroën-Camper-Van von knapp unter 40.000 Euro durch Pflicht-Pakete und notwendige Extras schnell in die Höhe getrieben würde. Bürstner reagiert, hebt die Serienausstattung mit Lithium-Batterie, Kühlbox, Dieselheizung, Ambiente-Beleuchtung und einigem mehr auf ein neues Niveau und rechnet vor, dass dies nach altem Muster 48.659 Euro gekostet hätte und nun zum neuen Grundpreis von 44.000 Euro inklusive angeboten wird. Die B66-Sondermodelle, die eigentlich nur die Zeit bis zum Produktionsstart der neuen Modelle überbrücken sollten, bleiben aufgrund der großen Nachfrage auch weiterhin im Programm. Und das wird sogar noch ausgebaut. Denn mit den Modellen 640C (ab 62.666 Euro) und dem 644C (ab 66.666 Euro) werden die Camper-Vans um zwei Varianten auf Basis des langen Ducato-Radstandes erweitert. Während der 640er klassisch mit Einzelbetten im Heck daherkommt, überrascht der 644C mit einer für diese Wagenklasse ungewöhnlichen Rundsitzgruppe. Die ist zwar auch im hinteren Teil eingebaut, reicht aber nicht ganz bis zu den Hecktüren, um dahinter noch genügend Stauraum zu ermöglichen. Zum Schlafen wird ein Hubbett über der Sitzgruppe herabgelassen, das sich mit der Stauraum-Abdeckung zu einer großen Liegewiese vereint. Ein verblüffendes Element, das manche noch aus dem früheren Modell Eliseo kennen mögen. Ein Stück Bürstner-Vergangenheit, das den Neustart überlebt hat.