„Viele waren überrascht“
Wer solche Finanzzahlen präsentiert, der spricht auch sehr gerne in der Öffentlichkeit über sie. Vor knapp vier Wochen hatte der HSV den Bericht für das Geschäftsjahr 2025/2026 vorgestellt und nicht zuletzt einen neuen Klubrekord beim Gesamtumsatz (182,1 Millionen Euro) vermeldet. Auch mit Blick auf den kommenden Transferwinter war schnell klar: Die Bosse sind voll handlungsfähig. Jetzt ging der Vorstand Eric Huwer noch einmal ins Detail.
Der für die HSV-Finanzen zuständige Manager sprach im Podcast „Football Finance“ über die Entwicklung des Vereins hin zu wirtschaftlicher Stabilität. Huwer und sein Team haben den HSV in den zurückliegenden Jahren gesundet und schuldenfrei gemacht. Dahinter stecken klare Prinzipien. Angesprochen auf die neuesten Fabelwerte, gab der Klubchef jetzt aber zu: „Die Umsatzgröße, dass wir im ersten Bundesligajahr 180 Millionen überschreiten, haben wir nicht für möglich gehalten. Dass wir das schaffen, mit Platz 13, ist schon à la bonne heure.“
HSV-Vorstand Huwer hatte den Spott „persönlich genommen“
Erst der Aufstieg, dann der Klassenerhalt: Der HSV hat sein Saisonziel zweimal in Folge erreicht und sein Image spürbar aufpoliert. In den Jahren vor und nach dem Gang in die 2. Liga waren die Hamburger deutschlandweit belächelt worden. Es gab viel Häme, auch nach den beiden verlorenen Relegationsduellen. Huwer haben diese Stimmen durchaus getroffen.
„Das Thema Hohn und Spott – ich habe das persönlich genommen. Und meine Kolleginnen und Kollegen auch“, sagte er im Podcast und erklärte den Umgang mit dieser komplizierten Situation: „Wir wollten einfach nicht mehr diese Lachnummer sein. Diese Verlässlichkeit, diese Seriosität, diese Ruhe – das konnten wir beeinflussen. Darin haben wir in den letzten Jahren investiert: mit dem Aufsichtsrat, mit den Stakeholdern und den Partnern – und das bekommen wir gerade doppelt und dreifach zurückgezahlt.“ Der HSV boomt wie noch nie. Auch die Erlöse aus Partnerschaften wuchsen zuletzt stark: von 17,5 auf 31,4 Millionen Euro.
Nach dem Klassenerhalt investierte der HSV kräftig
Huwer ist froh über die Entwicklung – bleibt aber ambitioniert. „Für uns hört die Reise nicht mit dem Aufstieg auf, ganz im Gegenteil: Für uns geht jetzt gerade erst eine Dekade los, ohne wieder große Traumschlösser zu bauen“, stellte er klar und führte aus: „Unsere Ambitionen könnten nicht größer sein, aber es kommt nur durch Arbeiten. Dass wir im ersten Jahr (in der 1. Liga; d. Red.) mit allem, was dazugehört, diese wirtschaftlichen Zahlen mit der Euphorie geschafft haben, macht uns stolz – das hätten wir in der 2. Liga aber auch hinbekommen.“
Laut Huwer hätte es der HSV auch ohne den ersehnten Aufstieg im Mai 2025 geschafft, noch ein paar Jahre lang auf wirtschaftlich gesunden Beinen zu stehen. Als Bundesligist sind die Möglichkeiten aber natürlich deutlich größer – auch auf dem Transfermarkt. Allein für feste Neuverpflichtungen (und ohne Bonuszahlungen) investierte der Verein in diesem Sommer 31,1 Millionen Euro und landete mit dieser Summe im Ligavergleich auf dem neunten Platz.
HSV-Chefs wollen weiterhin Transfer-Mut zeigen
„Wir wollen das Geld nicht zurückhalten. Wir wollen es investieren. Das haben wir jetzt auch gemacht im Transferfenster. Viele waren davon überrascht – wir natürlich ein bisschen weniger“, sagte Huwer und ergänzte mit Blick auf die späten Transfers von Fábio Vieira und Zakaria El Ouahdi, dass der HSV seine Absichten zunächst nicht öffentlich kommunizierte, „um hinten heraus zu überraschen“. Das ist den Bossen vor wenigen Wochen gelungen. Und der Vorstand kündigt jetzt bereits an: „Das soll auch weiterhin der Weg sein. Wenn wir von Spielern überzeugt sind, die uns besser machen und die Leute hier begeistern, dann: Let’s go.“
Je nachdem, wie die weitere Hinrunde verläuft und wie es der Mannschaft von Trainer Merlin Polzin zum Beispiel gelingt, den Ausfall von Kapitän Nicolai Remberg dauerhaft zu kompensieren, wären neue Verstärkungen im Winter möglich. Huwer arbeitet eng mit dem Team von Claus Costa zusammen und verriet nun rückblickend: „Unser Sportdirektor hat vor der Transferperiode nicht gesagt bekommen: ‚Du musst jetzt 30 Millionen Euro Transferüberschuss verdienen.‘ Sondern: Jeden Euro, den er eingenommen hat, darf er zu 100 Prozent reinvestieren. Darüber hinaus wollen wir ihm ein Budget zur Verfügung stellen, mit dem die beiden sehr verantwortungsvoll umgegangen sind.“ Costa plant den Kader gemeinsam mit Chefscout Sebastian Dirscherl, Kathleen Krüger hat bei allen Transfers indes das letzte Wort.
Möglicher HSV-Abstieg bleibt ein Planungsszenario
Die Sportvorständin kümmert sich seit ihrem Amtsantritt im Sommer um viele strategische Themen. Huwer ist qua Amt für die Bereiche Finanzen, Organisation, Personal und Recht zuständig, aber voll drin in den sportlichen Angelegenheiten und emotional ohnehin immer involviert. Der schwierige Bundesliga-Saisonstart mit drei teils deutlichen Pleiten und 0:12 Toren nagte auch an dem 42-Jährigen, der um solche Gefahren aber weiß und im Podcast generell beschrieb: „Ich kann als verantwortlicher Vorstand nicht sagen: Es konnte keiner damit rechnen, dass wir jetzt fünf Spiele verlieren. Das ist Teil meines Planungsszenarios.“
Huwer will den HSV weiter nach vorn bringen, agiert nach jetzt drei Siegen in Serie aber nicht blauäugig. „So hart es sich anhört: Der HSV kann auch wieder absteigen – und dafür müssten wir gewappnet sein. Das wären wir ggf. dann auch“, betonte er in „Football Finance“. „Aber der Blick geht natürlich nach oben, dafür wollen wir die Voraussetzungen schaffen.“ Die jüngsten Zahlen machten neuen Mut. Huwers Wunschvorstellung ist, dass der HSV „in ein paar Jahren“ mit einer normalen Performance wieder für einen einstelligen Tabellenplatz infrage kommt.