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„Vielleicht weiß er nicht...“: Thomas Tuchel darf keinen Respekt von Jude Bellingham erwarten

Sport

Nach dem Halbfinaleinzug Englands bei der Fußball-WM müsste die Euphorie bei den „Three Lions“ eigentlich groß sein. Doch der Erfolg wird von bemerkenswerten Aussagen von Trainer Thomas Tuchel und der anschließenden Reaktion von Jude Bellingham überschattet. Der Mittelfeldspieler hatte mit seinen beiden Treffern am Samstag gegen Norwegen maßgeblichen Anteil am Weiterkommen. Tuchel ging seine Mannschaft nach dem Sieg deutlich an. „Wir haben uns das Leben heute selbst sehr schwer gemacht“, sagte er bei ITV. Das Ergebnis sei fantastisch, England stehe im Halbfinale, das sei großartig. „Mit der Leistung bin ich aber nicht zufrieden. (…) Der Einsatz war da, aber wir haben uns durch unsere Spielweise selbst Probleme bereitet. Wir waren ungenau, haben taktische Fehler gemacht, waren nicht schnell genug und nicht konsequent genug. Wir hatten auch das nötige Glück.“ Bei seinem Schützling Bellingham, und vermutlich nicht nur bei ihm, kam die Kritik des Trainers überhaupt nicht gut an. In der Mixed Zone sagte Bellingham zu Tuchels Worten: „Vielleicht weiß er nicht, wie es ist, unter solchen Bedingungen gegen Erling Haaland, Martin Ødegaard, Antonio Nusa und Alexander Sørloth zu spielen. Das ist keine Mannschaft, gegen die man leicht spielt.“ Damit aber nicht genug: „Ich finde, wir haben versucht, eine positive Atmosphäre zu schaffen, und das sollten wir auch für das Halbfinale beibehalten. Ich kann die Jungs gar nicht genug loben. Man gewinnt nicht jedes Spiel mit schönem Kombinationsfußball und tausend Pässen. Manchmal muss man sich den Sieg hart erarbeiten, und genau das haben wir heute wieder getan.“ Der verbale Schlagabtausch war am Tag nach dem Spiel das große Thema in der englischen Medienlandschaft und darüber hinaus. Es wurde gemutmaßt, dass Bellingham mit seinen Worten auch auf Tuchels Spielerkarriere anspielte. Der Deutsche musste nach einer schweren Verletzung seine Ambitionen im Profifußball früh beenden. Wird er deshalb von Stars wie Bellingham nicht respektiert? Es wirkte zumindest zeitweise so. Auf der anderen Seite schuf sich Tuchel mit seinen harschen Worten eine Baustelle, die leicht zu vermeiden gewesen wäre. Viele Beobachter fragten sich, warum er mit seiner Mannschaft so hart ins Gericht gegangen war. Konflikt mit Vorgeschichte Zumal die Bedingungen für die favorisierten Engländer nicht einfach waren. Die Norweger ritten auf einer kleinen Euphoriewelle durch das Turnier. Hinzu kam, dass die Partie bei 40 Grad in Miami für alle Beteiligten enorm kräftezehrend war. Eine spielerische Glanzleistung war daher nicht unbedingt zu erwarten. Möglicherweise hat der verbale Konflikt zwischen Tuchel und Bellingham aber auch eine Vorgeschichte: Das Verhältnis der beiden gilt als angespannt. Im August dieses Jahres entschuldigte sich Tuchel dafür, Bellinghams Verhalten auf dem Platz als „abstoßend“ bezeichnet zu haben. Später erklärte er, dieses Wort sei „unbeabsichtigt“ gefallen. Damals sagte Tuchel: „Wenn Bellingham lächelt, gewinnt er alle für sich. Aber manchmal sieht man seine Wut, seinen Hunger und sein Feuer, und das kommt auf eine Weise zum Vorschein, die für manche Menschen, zum Beispiel für meine Mutter vor dem Fernseher, etwas abstoßend wirken kann.“ Der 23 Jahre alte Bellingham war Ende vergangenen Jahres überraschend nicht für Englands Länderspiele im Oktober nominiert worden. Vor Beginn der Weltmeisterschaft war sein Platz in der Startelf keineswegs sicher. Inzwischen stand er jedoch in jedem Spiel von Beginn an auf dem Platz und ist einer der wichtigsten Gründe für Englands Einzug ins Halbfinale. Die Reibereien mit Bellingham könnten sich für Tuchel dennoch auszahlen. Bei diesem Turnier entsteht der Eindruck, dass Bellingham es seinem ungeliebten Trainer mit Leistung heimzahlen will. Vielleicht geht es sogar so weit, dass er am 19. Juli den Weltpokal in die Höhe stemmt. Ein Szenario, mit dem sein Trainer wohl gut leben könnte. (Tsp)

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