Viertelfinale in Wimbledon Zverev will Angstgegner Fritz positiv begegnen
Am Ende war die Erleichterung wohl größer als die Freude. Gerade hatte der Tscheche Jiri Lehecka eine Rückhand in das Netz gesetzt, da riss Alexander Zverev seine Arme hoch, legte den Kopf in den Nacken und genoss für einige Sekunden den erstmaligen Einzug in das Viertelfinale in Wimbledon. Lange genießen kann Zverev diesen Triumph jedoch nicht. Durch den Abbruch am Vorabend, wegen der Sperrstunde um 23 Uhr Ortszeit, war Zverev zu einem Nachsitzen gezwungen. Keine 24 Stunden später steht das Viertelfinale gegen Taylor Fritz an. Das Grand-Slam-Turnier an der Church Road in London hatte sich in den vergangenen Jahren als ein schwer zu lösendes Rätsel für den 29-Jährigen entpuppt. Das Rätsel Taylor Fritz war in den letzten zwei Jahren unlösbar. Doch kaum zwei Stunden nach Ende des Matches gegen Lehecka gab sich Zverev schon kämpferisch. Natürlich war die Bilanz gegen seinen nächsten Gegner das Hauptgesprächsthema. Nur fünf der 15 Matches auf der Profitour konnte der Hamburger gegen Fritz für sich entscheiden. Die jüngsten sieben Matches hat er gegen den US-Amerikaner verloren. Woran das lag? "Die letzten Matches war es einfach. Er war besser als ich. Er war in besserer Form. Manchmal ist es so einfach. Ich fühle mich jetzt aber besser. Ich spiele besser, ich spüre, dass meine Form besser ist. Ich glaube, dass ich das Match gewinnen kann", sagte Zverev. Tennis ist ein Sport der Matchups. Manchmal liegt einem der Gegner, manchmal überhaupt nicht. Serena Williams hat in ihrer Karriere von 22 Matches nur zwei gegen Maria Sharapova verloren. Gael Monfils gewann in 20 Aufeinandertreffen nie gegen Novak Djokovic. Egal, was er versuchte. Anderes Beispiel: Alexander Zverev hat von seinen vergangenen 20 Matches gegen Linkshänder nur eins verloren. Doch er hat einige Gegner, die ihm Kopfzerbrechen bereiten. Taylor Fritz ist einer davon. Aber woran liegt das? Zwei Schläge Zverevs, die zu seinen größten Stärken zählen, werden von Fritz regelmäßig neutralisiert. Der Aufschlag Zverev kann sich auf den Aufschlag verlassen. Quoten von mehr als 70 Prozent erster Aufschläge sind die Regel. Fritz verfügt jedoch über einen starken Return. Er returniert auf Rasen anders als auf anderen Belägen, wie er in seiner Pressekonferenz nach seinem Achtelfinale gegen Alexander Bublik verriet: "Ich stehe sehr nahe an der Grundlinie Ich versuche so viel wie möglich vom Platz abzudecken." Eine Taktik, die gegen Zverev in der Vergangenheit funktionierte. Der Deutsche bekommt nicht so viele freie Punkte durch Asse wie gegen andere Gegner. Und Fritz selbst verfügt über einen ähnlich starken Aufschlag, hat seinerseits die Fähigkeit, viele Punkte mit dem ersten Schlag zu beenden. Die Rückhand Zverevs bester Schlag neben dem Aufschlag. In Rückhand-Duelle möchte sich kaum ein Spieler verwickeln lassen. Zu stabil, zu wenig fehleranfällig ist dieser Schlag. Er ist auch eine Versicherung für den 29-Jährigen. Läuft das Match nicht so, wie er möchte, umläuft er gerne mal seine Vorhand, um seinen sichereren Schlag zu spielen. Fritz ist nach Jannik Sinner und Carlos Alcaraz einer der ganz wenigen Topspieler, der diese Duelle mitgehen und auch für sich entscheiden kann. Dazu spielt Fritz seine eigene Rückhand sehr flach, mit wenig Topspin. Der Ball springt nicht hoch ab, Zverev kann mit der eigenen Rückhand nicht so attackieren, wie er möchte. Michael Kohlmann, Bundestrainer des Deutschen Tennis Bundes, fasste es gegenüber der dpa so zusammen: "Fritz nimmt Sascha ein bisschen die Stärke weg, die er gegen viele andere hat. Dass er sein Spiel mit der Rückhand aufbauen kann." Spielerisch stehen Zverev also einige Herausforderungen bevor, doch ein wichtiger Faktor ist in den vergangenen zwei Jahren hinzugekommen. Der Kopf Fritz hat seit zwei Jahren nicht mehr gegen Zverev verloren und wird mit riesigem Selbstvertrauen in dieses Match gehen. Dazu ist er gesundheitlich wieder voll da. Eine Knieverletzung hatte den US-Amerikaner seit den ATP Finals im November vergangenen Jahres immer wieder zu Pausen gezwungen: "Das letzte Mal, als ich mich körperlich gut gefühlt habe, war nach den US Open 2025. Das war das letzte Mal, dass ich mir keine Gedanken über Schmerzen gemacht habe. Schön, dass ich dieses Gefühl endlich wieder habe." Genau vor zwei Jahren im Achtelfinale an gleicher Stelle startete die Zverev‘sche Niederlagenserie. Der Hamburger hatte die ersten beiden Sätze im Achtelfinale des Wimbledon-Turniers 2024 gewonnen. Fritz kämpfte sich zurück, gewann verdient in fünf Sätzen und schaute seitdem nicht mehr zurück. Ein Problem für Zverev? Wenn es eins gibt, dann lässt er es sich nicht anmerken. Im Gegenteil. Er verweist auf seine spielerischen Fortschritte auf dem grünen Rasen: "Ich spiele insgesamt besser als im letzten und den vorangegangenen Jahren. Ich habe mein Spiel besser an den Rasen angepasst. Meine Return-Position ist deutlich näher an der Grundlinie. Ich habe mehr Selbstvertrauen als in den letzten Jahren. Mein ganzes Spiel auf Rasen ist besser als in den letzten Jahren."