Viren in Tiefkühlbeeren: Wie groß ist das Risiko wirklich?
Immer wieder werden Tiefkühlbeeren wegen Magen-Darm-Viren zurückgerufen. Zuletzt waren Produkte von Aldi Nord und Süd, Netto Marken-Discount, Kaufland, Lidl, Rewe und Globus betroffen (verbraucherzentrale.de). Viele der belasteten Chargen waren auch in Berlin und Brandenburg im Umlauf.
Meist geht es bei solchen Rückrufen um Hepatitis-A- oder Noroviren. Sie können Symptome wie etwa Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen auslösen - Hepatitis A auch noch Wochen nach der Infektion. Besonders gefährdet sind ältere Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt gefährdeten Gruppen, sich gegen Hepatitis A impfen zu lassen (rki.de).
Tiefgekühlte Beeren sollten vor dem Verzehr immer gut erhitzt werden – nicht nur dann, wenn es einen Rückruf gibt. Konkret heißt das: Die Beeren mindestens eine Minute lang auf 90 Grad erhitzen, am besten im Kochtopf. Ein kurzes Auftauen in der Mikrowelle reicht nicht aus, um die Viren zuverlässig inaktiv zu machen.
Durch das Erhitzen können hitzeempfindliche Vitamine verloren gehen. Im Vergleich zum Risiko einer Hepatitis-A- oder Norovirus-Infektion sei das jedoch zu vernachlässigen, sagt Britta Schautz, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Berlin, dem rbb.
Die Hauptinfektionsquelle ist der Mensch, erklärt Annett Reinke, Referentin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Brandenburg. Infizierte Menschen scheiden die Viren in großer Zahl aus. Bei mangelnder Hygiene können die Erreger während der Ernte oder Verarbeitung auf die Lebensmittel gelangen. Auch durch Anhusten oder Anniesen können Beeren kontaminiert werden.
Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Bewässerungen mit verunreinigtem Wasser eine Rolle spielen können. So können gleich große Mengen Beeren betroffen sein. Und sind die Viren einmal auf den Früchten, schützt das Einfrieren nicht vor ihnen - tiefkühlen tötet sie nicht ab.
Mit Hepatitis-A- oder Noroviren belastete Tiefkühlbeeren haben in der Vergangenheit große Krankheitsausbrüche verursacht. 2012 erkrankten nach dem Verzehr importierter Tiefkühl-Erdbeeren in Kitas und Schulen bundesweit fast 11.000 Kinder und Jugendliche an Noroviren (bfr.bund.de).
Ein Virusnachweis im Labor bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die nachgewiesenen Viren noch infektiös sind. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist auf rbb24-Anfrage darauf hin, dass die verwendete PCR-Methode zunächst nur virales Erbgut nachweist.
Frühere Ausbrüche zeigen jedoch, dass in kontaminierten Tiefkühlbeeren auch infektiöse Viren vorkommen können. Bereits eine geringe Menge kann dann ausreichen, um eine Erkrankung auszulösen.
Die Zahl der derzeitigen Rückrufe fallen auf. Ob es tatsächlich ungewöhnlich viele virusbelastete Tiefkühlbeeren gibt, lässt sich für Berlin und Brandenburg anhand der vorliegenden Daten aber nicht feststellen. Das Landeslabor Berlin-Brandenburg hat 2025 und 2026 insgesamt 43 Proben von Tiefkühlbeeren auf Hepatitis-A-Viren untersucht. Keine davon war auffällig.
Auf Noroviren untersuchte das Labor im gleichen Zeitraum insgesamt 198 Lebensmittelproben. Allerdings waren darunter nur vier Proben von Tiefkühlbeeren. Auch diese waren unauffällig. Produkte, die später zurückgerufen wurden, waren laut Landeslabor nicht unter den untersuchten Proben.
Ob es derzeit eine Häufung virusbelasteter Tiefkühlbeeren in Berlin und Brandenburg gibt, könne das Landeslabor deshalb nicht abschließend beurteilen. Schautz von der Verbraucherzentrale Berlin bezeichnet die momentane Häufung von Rückrufen als "eher selten".
Dass mehrere Supermärkte und Discounter betroffen sind, könnte eine gemeinsame Ursache haben. Beide Verbraucherzentralen gehen davon aus, dass möglicherweise bereits die Ursprungsware großer Lieferanten kontaminiert war und anschließend für verschiedene Handelsketten weiterverarbeitet wurde. Das könnte erklären, warum belastete Beeren bei mehreren Einzelhändlern aufgetaucht sind.