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Volkswagen: Aufsichtsrat stimmt Sanierungsplan zu - 50.000 Jobs fallen weg

Wirtschaft

Es ging schneller als erwartet: Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat einem Sanierungsplan für Europas größten Autohersteller am Donnerstagabend einstimmig zugestimmt. Der „Zukunftsplan 2030“ beinhaltet die umstrittene Planung, nach der vier deutsche Werke um ihre Zukunft bangen müssen. Zudem stehen weitere 50.000 Arbeitsplätze auf der Kippe.

In Europa soll Volkswagen Überkapazitäten von mehr als 500.000 Fahrzeugen abbauen. Die Restrukturierung könnte demnach bis zu zehn Milliarden Euro kosten.

Das heißt, für die Werke gibt es eine Gnadenfrist. Denkbar ist etwa, ein chinesisches Modell in einem der Werke bauen zu lassen, auf Rüstung umzustellen – oder doch noch ein Modell in ein deutsches Werk zu verschieben, sofern dessen Kosten sinken.

„Kein Werk wurde aufgegeben und entgegen mehreren Medienberichten ist keine Werksschließung besiegelt“, bekräftigten Betriebsratschefin Daniela Cavallo und IG-Metall-Chefin Benner nach der Sitzung.

„Wir erwarten, dass der Vorstand auf der Grundlage des heute erzielten Kompromisses nun seine Hausaufgaben erledigt und zügig Ergebnisse vorlegt. Er muss jetzt endlich die notwendigen Investitionen auf den Weg bringen, Innovationen vorantreiben und Beschäftigung dauerhaft sichern“, erklärten die Arbeitnehmer-Vertreterinnen. Weitere Konflikte sind also abzusehen.

Endgültig vom Tisch ist das Vorhaben von Blume und den Vertretern der Familien-Holding Porsche SE, die Marke VW und die Komponentenwerke aus dem Konzern auszugliedern und so das VW-Gesetz auszuhebeln. Diese Sonderregel sichert das Veto-Recht des Landes Niedersachsen und damit der Arbeitnehmer. Daher war diese Umstrukturierung mit Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) nicht machbar.

Stattdessen beschneidet der Aufsichtsrat seine eigenen Kompetenzen – und damit den künftigen Einfluss der Arbeitnehmer. „Der Aufsichtsrat wird darüber beschließen, seine Zustimmungsvorbehalte auf Maßnahmen von wesentlicher Bedeutung für den Gesamtkonzern zu beschränken und die Schwellenwerte entsprechend an die übliche Unternehmenspraxis im DAX anzupassen“, heißt es in der Mitteilung. Bislang muss der Aufsichtsrat Investitionen ab 50 Millionen Euro genehmigen und hat damit Einfluss auf sämtliche Planungen. Diese Schwelle dürfte deutlich steigen. Blume erhält so mehr Beinfreiheit.

Teil des neuen Konzepts bleibt, die Modellvielfalt um die Hälfte zu reduzieren. Zudem schrumpft das Geschäft in China und den USA. In Amerika will sich Blume auf die profitabelsten Modelle fokussieren. Das dürfte zulasten des Massenmodells Jetta gehen, das vor Donald Trumps Zöllen billig in Mexiko gefertigt werden konnte. Zudem sollen Immobilien und Tochterfirmen verkauft werden.

Darüber hinaus hat VW nach über einem Jahr wieder eine Personalchefin. Die ehemalige Bosch-Personalerin Erika Rasch übernimmt den Posten, der traditionell von der Arbeitnehmerseite besetzt wird.

Zudem wird die Entscheidungsstruktur vereinfacht, und sowohl bei Managern als auch bei Bandarbeitern sollen Stellen abgebaut werden. Mit dem Beschluss vermeiden alle Parteien eine Eskalation des Konflikts. Planspiele, den Aufsichtsrat per außerordentlicher Hauptversammlung zu umgehen, sind so vom Tisch.

Der Job von Konzernchef Blume ist wieder sicherer geworden. Und Ministerpräsident Lies ist kurz vor den Kommunalwahlen in seinem Bundesland ein Streitthema vorerst los. „Wir investieren kräftig in Zukunftsfähigkeit und wir verbessern die Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig werden wir für unsere Standorte langfristige Perspektiven entwickeln“, erklärte der Sozialdemokrat.

Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch lobte das Ergebnis ebenfalls: „Aufsichtsrat und Vorstand der Volkswagen AG zeigen mit dem nun beschlossenen Zukunftsplan eindrucksvoll, dass die Transformation des Unternehmens mit aller Kraft vorangetrieben wird.“

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